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Überschuldeter HSG-Studiengang Carl Baudenbachers Millionen-Loch

Ein Studiengang der HSG generierte Schulden in Millionenhöhe. Das zeigt ein Bericht der kantonalen Finanzkontrolle.

Legende: Video Das Millionen-Loch von Carl Baudenbacher abspielen. Laufzeit 08:02 Minuten.
Aus Rundschau vom 06.03.2019.

Die Affäre um fahrlässige Spesenbezüge einiger Institutsprofessoren der Hochschule St. Gallen (HSG) wird eben erst aufgearbeitet – nun kommt eine weitere finanzpolitische Erkenntnis ans Licht: Ein Nachdiplom-Studiengang wies per Ende 2017 eine Überschuldung von 1.1 Millionen Franken auf.

Dies geht aus einem vertraulichen Bericht der kantonalen Finanzkontrolle hervor. Diese hatte unter anderem die kritisierten Spesenbezüge an der HSG untersucht. Der Bericht wurde erstmals vom St. Galler Tagblatt öffentlich gemacht.

Brisant: Der Gründer des Studiengangs ist ein international renommierter Jurist. Der emeritierte Rechtsprofessor Carl Baudenbacher präsidierte 15 Jahre den Efta-Gerichtshof. In der Schweiz stand er jüngst mit seinen Gutachten und Artikeln zum Rahmenabkommen im Rampenlicht. Dabei positionierte er sich als Kritiker des vorliegenden Vertragsentwurfs.

Dringender Handlungsbedarf

Baudenbachers Studiengang – ein Nachdiplomstudium mit dem Namen «Executive Master of European and International Business Law» (M.B.L.-HSG) – wurde 1996 gegründet. Kostenpunkt pro Teilnehmer: 38’000 Franken. Über 600 Personen haben den Studiengang absolviert.

Die Finanzkontrolle des Kantons St. Gallen ortete bezüglich der finanziellen Situation des M.B.L.-HSG «höchste Handlungs-Priorität». Als Hauptgrund für die Überschuldung wird unter anderem ein «Verlust aus der normalen Geschäftstätigkeit» genannt. Das Angebot konnte nicht genügend Studenten anziehen, um sich zu finanzieren.

Hochschule will öffentliche Gelder schützen

Im Interview mit der «Rundschau» sagt HSG-Rektor Thomas Bieger, die Hochschulleitung habe in Absprache mit dem Universitätsrat darum den Studiengang auf Ende dieses Jahres eingestellt.

Die Überschuldung von 1.1 Millionen Franken sei eine Prognose, ein Worst-Case-Szenario. Die Zahl könne mit Glück und guter Arbeit noch reduziert werden, sagt Bieger.

Legende: Video Bieger: «Irgendwann mussten wir entscheiden, das Programm auslaufen zu lassen» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.03.2019.

Nach einer ersten Einschätzung empfiehlt die Finanzkontrolle, dass andere Weiterbildungsangebote und -institute der HSG mit ihrem Eigenkapital die prognostizierte Überschuldung des M.B.L.-HSG auffangen. Auch Bieger betont, man wolle das Loch nicht mit Steuergeldern stopfen.

Baudenbacher schiesst gegen HSG

Carl Baudenbacher selbst wirft der Uni «Erbsenzählerei» vor. «Das Studium war bis 2013 immer selbsttragend. Ich kann nicht nachvollziehen, dass man es jetzt untergehen lässt.» Zudem wäre ein Investor bereit gewesen, Millionen zu geben, sagt er.

Legende: Video Baudenbacher: «Die Schliessung ist ein Abstieg in die Provinzialität» abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.03.2019.

Ausserdem, so Baudenbacher, müsse nicht jedes Programm selbsttragend sein: «Auch der Ruf und die wissenschaftliche Qualität sind wichtig. Das Studium war anspruchsvoll und wurde von Spitzenleuten absolviert.»

HSG-Rektor Bieger bestreitet die Qualität des Programms nicht. Dass ein Investor bereitgestanden wäre, kann er aber nicht bestätigen.

Die Universitätsleitung hat vergangene Woche angekündigt, dass – infolge der Spesenaffäre – alle Institute der Uni einer Sonderprüfung unterzogen werden.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Stahn (jazz)
    Der HSG-Rektor will diesen Studiengang mangels Interesse einstellen? Gerade im Hinblick zum Brexit, verlässt die Zweitgrösste Volkswirtschaft Europas (sie ist so gross wie die 19 Kleinsten der 28 EU-Länder zusammengenommen) die EU, was die inneren Machtverhältnisse (aufgrund von Sperrminoritäten) verschieben wird. Zeitgleich sich Europa dadurch verändert. Z.B. die EFTA könnte wieder mehr Gewicht erlangen. Jetzt schon auf das Insta mit autom. Rechtsübernahme zu setzen, ist irgendwie engstirnig.
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  • Kommentar von Walter Balmer (WalBal)
    Reisserische Überschrift von SRF, welcher meiner Meinung nach auf die Integrität von Prof. Carl Baudenbacher abzielt. Der leider manipulativ anfällige Leser nimmt aus diesem Bericht folgende Schlagwörter wie Carl Baudenbacher, Millionen-Loch, fahrlässige Spesenbezüge von einigen Professoren wahr, was scheinbar die Absicht dieses Rundschau Artikels ist. SRF hätte ganz neutral schreiben können, "HSG hat Kosten nicht im Griff".
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    In dieser HSG steckt der Wurm drin - der Wurm ist rein politischer ART - dort würde ich einmal alle Führungsköpfe genauer unter die Lupe nehmen - dann würden sich die Finanzen etwas aufhellen . Prof. Baudenbacher hat zu viele Neider dort um sich , das ist eine der Wurmarten, die sich dort durch die UNI nagt . Wer Argumente gegen den Rahmenvertrag verbreitet ist eben ein Nestbeschmutzer - nachdenken lohnt sich .
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