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Mit Fido das Grab teilen
Aus Rundschau vom 22.01.2020.
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Übertriebene Tierliebe? Mit Fido das Grab teilen

Hunde werden zunehmend vermenschlicht. Bald könnten sie zusammen mit ihren verstorbenen Haltern begraben werden.

Peter Ammann hat ein inniges Verhältnis zu seinem Hund Paco. «Paco ist mein Freund und Partner», sagt der grünliberale Berner Stadtrat. Mit einem Postulat will er erreichen, dass der Mensch und sein geliebtes Haustier gemeinsam bestattet werden können.

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Peter Ammann: «Es gibt eine tiefe Beziehung zu diesem Lebewesen»
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«Wenn man mit einem Hund gemeinsam durchs Leben geht, dann darf sich das auch über den Tod hinaus zeigen», sagt Ammann. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Grabstätte ist für Peter Ammann entstanden, nachdem Pacos Vorgänger in der Tierkadaverstelle landete.

Vermenschlichung des Hundes?

Wird der Haushund vermenschlicht, mittlerweile bis in den Tod? Hundeliebhaber Ammann sieht das nicht so. «Es sind ja einfach zwei Lebewesen. Wenn es am Schluss des Lebens nochmals eine gemeinsame Schnittstelle gibt, ist das sicher gut.» Ammann weiss auch schon, wie der Grabstein aussehen könnte: Pacos Name und eine eingravierte Schnauze.

Die Schweizer Verhaltensbiologin und Wolfsforscherin Marianne Heberlein stört sich daran, wenn durch die Vermenschlichung der Hunde das Tierwohl nicht mehr gewährleistet ist. Der Mensch habe Hunde gezüchtet, um zu jagen, um Nutztiere zu schützen. «Wir haben ihn nicht gezüchtet, damit wir ihn in der Tasche rumtragen oder dass er tagelang bei uns auf dem Sofa sitzt und nicht mehr raus darf.»

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Marianne Heberlein: «Wir haben Hunde nicht gezüchtet, um sie in der Tasche rumzutragen»
Aus News-Clip vom 22.01.2020.
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Beim Thema Gemeinschaftsgrab sieht sie es aber nicht so eng. «Tote Hunde als Grabbeigabe gab es auch schon in früheren Zeiten», sagt die Biologin vom Wolf-Science Center in Wien.

Alles für Fido

Über eine halbe Million Hunde gibt es in der Schweiz – nach den Katzen das beliebteste Haustier. Hunde haben heute aber oftmals ein wenig tiergerechtes Leben. Statt Herden zu treiben, Fährten zu finden oder Wild zu jagen, teilen sie den Stadtalltag ihrer Besitzer. Hunde sind heute Familienmitglieder, vielfach auch Kinder- oder Partnerersatz.

Die Liebe zu Fido lässt man sich etwas kosten: Schamponieren, Frisieren und Föhnen kostet in Hundesalons schnell über hundert Franken. Angeboten werden richtige Wellnesspakete.

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Doris Stillhardt: «Manche sehen den Hund nur als Accessoire»
Aus News-Clip vom 22.01.2020.
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«Bei Krallen lackieren und Fell färben hört’s bei mir aber auf», sagt Doris Stillhardt vom Hundesalon Pipistrello in Luzern. Sie findet, manche Hundehalter würden ihre Tiere zu stark verhätscheln. «Gewisse Leute würden sich besser eine Tasche kaufen, als ein Hund. Manche sehen den Hund nur als Accessoire», sagt die Hunde-Coiffeuse.

«Meine Babys»

In einer Hundeausstellung in Genf spürt man, wie gross die Leidenschaft für Hunde sein kann, und wie stark Hunde vermenschlicht werden können. Wir fragen einen stämmigen, tätowierten Mann nach seinen zwei riesigen Doggen. «Das sind meine Babys», sagt er uns. «Sie schlafen bei uns. Sie sind wie Familienmitglieder.»

Ein anderer Züchter sagt: «Nachdem die Kinder erwachsen sind, bleiben die Hunde und sind treu ergeben.» Ein Mann mit einer französischen Bulldogge meint: «Es ist mein Freund, mein Begleiter, ohne Hund kann ich nicht leben.»

Peter Ammann hat gute Chancen, dass er einst mit seinem Hund begraben werden könnte. Das Stadtparlament Bern hat den Vorstoss für ein Gemeinschaftsgrab gutgeheissen.

Ammann ist Single und hat Paco aus dem Tierheim. Wie viele andere Hunde ist er nach einer Scheidung dorthin gebracht worden. Zwischen Mann und Hund herrscht eine starke Bindung. Amman erzählt uns, wie Paco auf seine Gefühle reagiere: «Wenn ich im Büro Stress habe, kann es sein, dass er eineinhalb Stunden später Durchfall hat. Es ist eine Wechselwirkung.»

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Studer  (gino)
    Ganz einfach. Mein Hund Gino liess ich kremieren. Der Platz ist ausgesucht, meine und seine Asche wird zusammen verstreut. Fertig. Niemand muss sich dann um uns kümmern. Kein Grab, nichts. Der Natur zurück gegeben.
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  • Kommentar von Joseph De Mol  (Molensepp)
    Gerade in diesem Bereich zeigt sich m.E. nach die Dekadenz und der Verfall unserer Gesellschaft besonders deutlich. Tiere werden zu in ihrer Funktion zum Menschenersatz und es wird ihnen aus reinem Wunschdenken eine Seele und Charakter angedichtet, sprich das Tier wird zu etwas sublimiert, was es nicht sein kann. Bedenklich! Und auch ein himmelschreiendes Armutszeugnis für eine Gesellschaft, welche die gesellschaftlich-sozialen Notwendigkeiten nicht mehr über Menschen abzudecken vermag!
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    1. Antwort von Julia Wolf  (Yuna)
      Tieren wird also eine Seele und ein Charakter „angedichtet“...dies zeigt mal wieder die Begrenztheit des menschlichen Horizonts, der sich als einziges zu Gefühlen fähiges Wesen versteht. Unverständlich, dass diese überholte und erwiesenermassen falsche Denkweise immer noch existiert.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wen sollte es stören, mit wem jemand begraben werden möchte und wie?
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