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Um Ebergeruch zu tilgen Hodenlose Gentechferkel sorgen für Streit

Jährlich werden in der Schweiz über eine Million Ferkel kastriert, um den Ebergeruch zu tilgen. Mit neuen gentechnischen Methoden liesse sich die Kastration vermeiden. Doch die sind umstritten.

In der Fleischproduktion werden männliche Ferkel ein paar Tage nach Geburt kastriert. Der Ebergeruch, der sonst beim Zubereiten von ihrem Fleisch entstehen würde, wird so eliminiert – und der wird für die Konsumentinnen und Konsumenten als unzumutbar erachtet. Eine Kastration liesse sich mit Ebern ohne Hoden vermeiden.

Ein Artikel über genau solche hodenlose Eber in der «NZZ am Sonntag» letzten November hat in der einheimischen Schweinezuchtbranche heftige Diskussionen ausgelöst. Die Züchtung solcher Schweine war einem Forschungsinstitut in Deutschland gelungen. Dazu wurde die neue Gentechnologie Crispr/Cas, die sogenannte «Genschere», angewendet.

Geteilte Meinungen bei den Bauern

Was sagen die Schweinezüchter und -mäster zum hodenlosen Schwein? Das wollte die «Rundschau» an der Nutztiermesse «Suisse Tier» in Luzern von den Besucherinnen und Besuchern wissen. Die Meinungen waren geteilt. Die einen sehen darin eine Chance – auch weil mittels derselben gentechnologischen Methode überdies Krankheiten vorgebeugt werden könnten. Andere machen es von der Akzeptanz der Konsumentinnen und Konsumenten abhängig. Wieder andere lehnen solche Methoden kategorisch ab.

Ein hodenloses Schwein, wie es im deutschen Friedrich-Loeffler-Institut gezüchtet wurde, dürfte weder in Deutschland noch in der Schweiz in der Landwirtschaft eingesetzt werden. In der Schweiz dürfen gentechnisch veränderte Pflanzen und gentechnisch veränderte Tiere nur in der Forschung erzeugt werden. Im Bereich der Pflanzen ist allerdings eine Lockerung geplant.

Einsatz im Pflanzenbau auf der Kippe?

Letzten April präsentierte der Bundesrat einen Gesetzesvorschlag, der neue Züchtungsmethoden wie die Genschere im Ackerbau unter strengen Bedingungen zulassen möchte. Mit der Genschere gezüchtete krankheitsresistente Pflanzen könnten dazu beitragen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Dieses Jahr soll das Gesetz dem Parlament vorgelegt werden.

Die Genschere auch in der Tierzucht zuzulassen, ist in der Schweiz derzeit nicht geplant. SVP-Nationalrat Martin Haab ist selbst Bauer und Präsident des Zürcher Bauernverbandes. Die Einführung im Pflanzenbau hält er für vertretbar und unterstützt sie auch politisch. Sie bei Tieren anzuwenden, ist für ihn aber eine rote Linie. «Ich halte es für falsch, dass wir an Tieren herumexperimentieren, bis sie so sind, wie wir sie haben möchten.»

«Gewinn fürs Tierwohl»

Würde die Kastration wegfallen, würde das nicht nur für die Bauern weniger Aufwand, sondern für die Ferkel auch weniger Stress bedeuten. Obwohl die Ferkel für die Kastration betäubt werden müssen und Schmerzmittel bekommen, sehen Expertinnen wie die Schweizer Forscherin Christine Tait-Burkard, die am renommierten Roslin- Institut der Universität Edinburgh forscht, den Eingriff als Belastung für die Tiere.

Mit ihrem Team hat die Schweizer Virologin mittels Genschere ein Schwein gezüchtet, das gegen eine Schweinekrankheit resistent ist. Wenn man die Genschere richtig einsetze, sei sie ein Gewinn für das Tierwohl. «Wir haben Nutztiere durch die traditionelle Zucht schon bisher so gezüchtet, wie wir sie haben wollten.» Manchmal auch mit negativen Folgen für das Tier. Die Genschere ermögliche eine präzisere Zucht, negative Auswirkungen liessen sich besser verhindern.

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SRF Rundschau, 14.1.2026, 20:05 Uhr;liea

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