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Genf stimmt am 15. Mai über Bildungsreform ab
Aus HeuteMorgen vom 19.04.2022.
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Umstrittene Bildungsreform Der Genfer Sekundarstufe droht ein Status quo, den niemand will

In einem Punkt sind sich in Genf alle einig: Der bisherige «cycle d’orientation», die Sekundarstufe, funktioniert nicht. Denn drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler gehen in den obersten Leistungszug, der auf das Gymnasium hinführt. Etwa 20 Prozent sind im zweiten Leistungszug, der auf eine Berufslehre abzielt, und nur fünf Prozent befinden sich im schwächsten Leistungszug. Letztere fühlen sich dort abgehängt.

Gemeinsames Unterrichten umstritten

Wegen dieser ungleichen Verteilung sollen künftig in den ersten zwei Jahren der Sekundarstufe alle gemeinsam unterrichtet werden – aber in Fächern wie Mathematik und Deutsch auf unterschiedlichem Niveau.

Wenn die Klassen gemischt seien, fördere das die weniger begabten Schüler, sagt die Genfer Bildungsdirektorin Anne Emery-Torracinta. Die Bildungsdirektorin der SP verweist auf die Kantone Wallis, Neuenburg und Jura, die ähnliche Modelle kennen.

Eine Mehrheit des Kantonsparlaments unterstützt die Reform. Aber das gemeinsame Unterrichten ist umstritten. Das ziehe eher die guten Schüler nach unten, findet das Referendumskomitee. Zweifel gibt es auch bei der Umsetzbarkeit.

Besseres Reformprojekt gefordert

Bertrand Reich, Präsident der Genfer FDP, nennt das Beispiel «Hund» bei einer Deutschprüfung. Da mache man den Schülern weis, dass sie Deutsch könnten, aber manche müssten nicht einmal den Artikel kennen. Deshalb brauche es ein neues und besseres Reformprojekt. Auch die Lehrerverbände zeigen sich zurückhaltend. Sie begrüssten die Reform zunächst, haben nun aber Stimmfreigabe beschlossen.

Anne Emery-Torracinta wird von einer Kamera gefilmt.
Legende: Die Genfer Bildungsdirektorin Anne Emery-Torracinta hat mit ihrer Bildungsreform einen schweren Stand. Keystone

Die Abstimmung über die Bildungsreform kommt weniger als ein Jahr vor den Genfer Kantonswahlen an die Urne. Bei diesen Wahlen wollen die Bürgerlichen die linksgrüne Mehrheit in der Regierung ablösen. Ein Scheitern der Reform wäre für die Regierung eine empfindliche Niederlage – auch wenn der Bildungsdirektorin keine Abwahl droht, da sie schon angekündigt hat, nicht mehr antreten zu wollen.

Würde die Bildungsreform abgelehnt, droht der Genfer Sekundarstufe wohl der Status quo. Obwohl alle damit unzufrieden sind.

SRF 4 News, Heute Morgen, 19.04.2022, 06:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für Ihre Meinungen zur Genfer Sekundarstufe . Wir wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
    Diese Reform ist nicht umsetzbar. Die Lehrpersonen können nicht auf alle Bedürfnisse eingehen. So werden die lernschwächeren Schüler und Schülerinnen erst recht abgehängt… Und die besonders begabten werden sich langweilen.
    Da wird auf Kosten der Kinder und Jugendlichen herumexperimentiert.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Für einmal scheine ich eher politisch rechts zu votieren, obschon es mir um etwas anderes geht: Es kann m. E.nicht angehen, dass 80 Prozent in die Sekundarstufe aufgenommen werden und dass von denen sogar dann 75 den Gymer besuchen können. Früher war das Verhältnis umgekehrt.Es wurde auf Sek.stufe und Gymer noch ziemlich etwas verlangt.UND:Die LEHRER hatten das Sagen bei der Beförderung und hatten die Schulautorität.Die Verteilung auf Sek. und Prim. sollte gleichmässiger sein, kein Misch-Masch.
    1. Antwort von Esther Jordi  (ejejej)
      Herr von Känel, vergleichen Sie mal das Bildungsniveau von früher und heute. Das sagt ja wohl alles.
    2. Antwort von Marco Schuppisser  (Dimilo)
      Wollen Sie wirklich, dass die Lehrer Schüler befördern können? Wie oft ich schon selbst erlebt habe, dass Lehrer Schüler vernachlässigten und sagten, Sie würden es doch eh nicht schaffen. Dann noch diesen Lehrern die Möglichkeit geben, es anderen Bildung zu verwehren, ist ein absolutes No-Go.
    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Schuppisser: Es ist schwierig, in 500 Zeichen einen austarierten Kommentar zu schreiben zu diesem komplexen Thema: Natürlich gibt es Lehrer, die einigen Schülern nicht gerecht werden.Da ist es richtig, wenn Eltern auf Sachebene intervenieren. Aber ich weiss aus allerersten Quelle, wie Eltern (sie sind sicher nicht in der Mehrzahl) besserwisserisch intervenieren und ihr Kind eigens in die Sek. drücken wollen.Da braucht es Weisung,dass die Lehrerperson plus Schulleitung die Autorität haben.
    4. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Schuppisser: Ergänzung: Die meisten Eltern unterstützen die jeweiligen Lehrkräfte -. Aber es gibt eine Reihe von Eltern,die meinen, weil sie Steuern zahlen,können sie den Lehrern "befehlen", wohin ihr Kind zu befördern ist-ohne sachliche Grundlage zum Beispiel bezüglich Leistungen. Als ich zur Schule ging, da wurden Lehrer im guten Sinn als Respekts-und dem entsprechen als Autoritätspersonen angesehen. Zum Teil sind ohne sachlichen Grund Anmassungshaltungen seitens von Eltern entstanden.
    5. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Aus Erinnerung gesprochen; Der höchste Anteil von Schülerinnen und Schülern, die ans Gymnasium wechseln ist schweizweit gesehen nicht in der Romandie, sondern in Basel Stadt, der zweithöchste im Tessin.
      Möglich, dass jüngste Erhebungen ein anderes Bild abgeben, meine Erinnerungen diesbezüglich «liegen» ein paar Jahre zurück. Aber gegen die Netiquette verstösst da sicher nichts, drum schick ich nochmals ab.