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Umstrittene Bonus-App Das Ende der Krankenversicherung?

Legende: Audio Helsana: Bonus-Programm für gesunde und fitte Versicherte abspielen. Laufzeit 4:23 Minuten.
4:23 min, aus Echo der Zeit vom 19.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Monatelang hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geprüft, ob die App-Lösung der Helsana in der Grundversicherung zulässig ist.
  • Jetzt hat das BAG grünes Licht für die App gegeben.
  • Damit darf die Helsana auch in der Grundversicherung ein Bonusprogramm anbieten.
  • Doch dagegen wird Kritik laut.

Mit der nun vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zugelassenen App können Kunden der Krankenversicherung Helsana mit gesundheitsförderndem Verhalten Punkte sammeln. Für 7500 Punkte gibt es 75 Franken bar ausbezahlt.

Kritiker befürchten, dass die Helsana-App der Solidarität in der Grundversicherung ein Ende setzen wird. «Wenn man damit beginnt, eine Risikoselektion zu machen, werden nicht mehr alle Leute denselben Zugang zu den Versicherungen haben», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Der Versicherungsgedanke wird damit torpediert.
Autor: Sara StalderGeschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz

In der Grundversicherung müssten alle – egal ob gesund, krank oder behindert – für dieselbe Prämie dieselbe Leistung erhalten, sagt die Konsumentenschützerin. Langfristig befürchtet sie, dass die Versicherung keine eigentliche Versicherungsleistung mehr erbringen werde. Vielmehr werde sie einen «Versicherten» nur noch beobachten und einen entsprechenden Preis verlangen. «Der Versicherungsgedanke wird damit torpediert», betont Stalder.

Vorteil für die einen, Nachteil für die anderen

Unterstützt wird die Konsumentenschützerin von EVP-Nationalrätin Marianne Streiff. Sie ist Präsidentin des Branchenverbandes der Institutionen für Menschen mit Behinderungen.

Die Parlamentarierin hat aufgrund der BAG-Erlaubnis für die Helsana Plus-App eine Interpellation eingereicht. Wenn einige Personen bevorzugt würden, würden gleichzeitig andere benachteiligt, sagt sie. Solche etwa, die ihr Verhalten nicht ändern könnten – kranke, körperlich beeinträchtigte oder alte Personen. «Das ist diskriminierend», so Streiff.

Es gibt auch Datenschutzbedenken

CVP-Nationalrat Karl Vogler bringt noch ein zweites Argument ins Spiel: den Datenschutz. «Weil die Krankenkassen immer teurer werden, bleibt vielen Leuten gar nichts anderes übrig, als hier mitzumachen», sagt er. Das sei diskriminierend und «datenschutzrechtlich bedenklich».

Schon seit einigen Monaten prüft der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte, ob die Helsana-App im Konflikt mit dem Datenschutz steht. Denn Gesundheitsdaten gelten laut Datenschützer als sehr sensibel. Deshalb seien sie besonders schützenswert.

Nicht nur Sportliche werden belohnt

Weil die Prüfung des Datenschützers noch läuft, kann Helsana-Sprecher Stefan Heini nichts zum Datenschutz sagen. Der Vorwurf der Entsolidarisierung dagegen findet er nicht gerechtfertigt.

«Helsana Plus belohnt nicht nur die Sportlichen, sondern auch Vorsorge, soziales und gesellschaftliches Engagement sowie Treue zu den Helsana Angeboten», sagt Heini. Deshalb werde niemand diskriminiert, alle könnten mitmachen. Zumal man mit der App in der Grundversicherung nur 7500 Punkte pro Jahr sammeln könne. In der Zusatzversicherung sind es bis zu 30'000 Punkte.

Bonus wird aus der Zusatzversicherung bezahlt

Beim Bundesamt für Gesundheit begründet Sprecher Jonas Montani das Durchwinken der Helsana-App in der Grundversicherung. Man habe die Rechtmässigkeit der App geprüft. Sprich: ob Prämien aus der Grundversicherung zweckentfremdet würden. «Das ist nicht der Fall», so Montani.

Tatsächlich entspricht die App dem Gesetz, weil die Rückzahlung für die Bonuspunkte nicht aus dem Prämientopf der Grundversicherung kommt. Die Helsana nimmt das Geld aus dem Überschuss an Einnahmen, die sie mit den Zusatzversicherungen generiert.

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Letizia Stefani (Stefani)
    Hier geht es ja nur um max. CHF 75.00/Jahr, welche die Versicherten bei voller Punktzahl in der Grundversicherung erhalten würden. Nicht zu vergessen, dass es für schlecht verdienende Personen die Prämienverbilligung gibt. Diese kann die Krankenkassenprämie um einige hundert Franken pro Jahr reduzieren; manchmal sogar um über CHF 2'000.00 + Kinderbeiträge. Die wirtschaftlich schlechter gestellten Personen werden also nicht ganz vergessen.
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  • Kommentar von Andreas Keusch (Andreas Keusch)
    So so, bewegen sich körperlich und/oder geistig handicapierte Menschen zur Förderung/Wahrung deren gesundheitlichen Reststabilität, wird Ihnen gemäss neuem Observationsgesetz wohl sofort ein Sozialdetektiv wegen angeblichem Betrugs an den Hals gehängt! Stichwort: IV-Checkliste, anonymisierte Meldungen. Geld stets vor Mensch/Würde! Die einen werden zur Förderung der Restgesundheit diskriminiert, die anderen belohnt! Das ist leider das Janusgesicht der eigenbereichernden Versicherungslobbyisten
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  • Kommentar von E. R. Röthlisberger (sodeli)
    Solange Versicherer den politischen Auftrag der Parlamentarier steuern/diktieren, solange werden Herr und Frau Schweizer finanziell zunehmend ausgepresst. Interessenkonflikte sind bei Wahlen genau unter die Lupe zu nehmen.
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