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Ferienzwang wegen Coronakrise?
Aus Espresso vom 19.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
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Umstrittene Massnahme Keine Zwangsferien für alle Mitarbeiter

Wenn der Betrieb stillsteht, sind die Arbeitgeber versucht, Zwangsferien anzuordnen. Rein rechtlich geht das nicht.

Gleich nach dem Entscheid des Bundesrates, die «ausserordentliche Lage» auszurufen und viele Betriebe vorläufig zu schliessen, haben einige Arbeitgeber ihren Angestellten gesagt, sie müssten nun Ferien beziehen. Dies berichten mehrere Hörer des SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Aus betrieblicher Sicht ist es eine verständliche Überlegung, aus arbeitsrechtlicher Sicht jedoch zumindest heikel.

Laut Sara Licci, Arbeitsrechtsdozentin an der ZHAW in Winterthur, ist der Fall bei nun plötzlich geschlossenen Betrieben, zum Beispiel bei Läden oder Restaurants, klar: Kurzfristig Betriebsferien auszurufen, geht nicht. Solche müssen mehrere Monate vorher angekündigt werden, die Rechtslehre geht von drei Monaten aus.

«Angestellte können jetzt nicht ihre gesamten Ferien aufbrauchen»

Aber auch in anderen Branchen mangelt es an Arbeit. Grundsätzlich legt der Arbeitgeber fest, wann Arbeitnehmer Ferien beziehen können. Aber auch hier braucht es einen Vorlauf für die Angestellten, und diese müssen sich in den Ferien erholen können. Sara Licci von der ZHAW sagt: «Einerseits befinden sich viele Betriebe in einer besonderen Situation, andererseits können Angestellte nicht jetzt ihre gesamten Ferien aufbrauchen, insbesondere solche mit Kindern.»

Wichtig sei es in solch schwierigen Zeiten, das Gespräch zu suchen. Es liege im Interesse von Allen, die Arbeitsplätze zu erhalten. Wenn es den Betrieb entlastet und Angestellte Ferien nehmen können, sollte man sich das überlegen. Es brauche nun ein gegenseitiges Entgegenkommen, so Sara Licci. Statt Ferien zu nehmen, könnte sie sich auch den Abbau von Überzeit vorstellen. Auch das geht aber nicht ohne Einverständnis der Angestellten.

Keine Ferien vor Kurzarbeit

Was laut Sara Licc definitiv nicht geht: Einzelne Betriebe wollten die Angestellten zu Ferien bewegen, um nachher Kurzarbeit zu beantragen. Das mache keinen Sinn, da die Behörden aufgrund der Lage für Kurzarbeit die Karenzfrist verkürzt hätten. Im Fall eines «Espresso»-Hörers war genau das der ursprüngliche Plan des Arbeitgebers. Mittlerweile ist dieser aber davon abgekommen.

Auch ein Rückruf aus den Ferien ist möglich

Was aber, wenn die Ferien kurz bevorstehen, und es nun mehr Arbeit gibt, zum Beispiel im Pflegeberuf oder in einem Lebensmittelbetrieb? Hier ist der Arbeitgeber unter Umständen am längeren Hebel, er kann Ferien aus betrieblichen Gründen verschieben. In Ausnahmefällen ist es sogar möglich, Angestellte aus Ferien zurückzurufen. Häufig sei ein solcher Fall aber auch im Gesamtarbeitsvertrag der Branche geregelt.

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Espresso, 19.03.2020, 08:13 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Weilenmann  (markusweile)
    Hat jemand einen Tipp wohin man jetzt in die Ferien reisen soll??`Am besten vielleicht mit einem Kreuzfahrtschiff...
    1. Antwort von Walter Eiselen  (W.E.)
      Ja, habe ich: Machen sie vorerst mal Ferien zuhause.
  • Kommentar von Peter Werro  (Peter68)
    Wie sieht es aus wenn Mitarbeiter die Ferien jetzt nicht nehmen wollen und lieber arbeiten kommen obwohl dies nicht der Plan ist.
    1. Antwort von Walter Eiselen  (W.E.)
      Arbeiten kann man dann, wenn es Arbeit hat und ein Mehrwert erzeugt werden kann. Dies ist in vielen Unternehmen derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich. Es geht nun weniger um persönliche Befindlichkeiten und das Recht, welches für "Schönwetterperioden" gemacht ist. Jetzt ist das grosse Ganze wichtig, zu dem jeder unbürokratisch einen Beitrag leisten sollte, auch wenn es ihm nicht direkt in den Kram passt.
    2. Antwort von Adrian Flükiger  (Ädu)
      @Werro: Dann ist der Arbeitgeber in Verzug und der Lohn ist trotzdem geschuldet, Das Einfordern ist Sache des Arbeitnehmenden. Wird zeit auf die Hinterbeine zu stehen und nicht jeden Mist zu schlucken. Mitglieder von Gewerkschaften können sich für Tipps auch an diese wenden.
    3. Antwort von Silas Räber  (Silair)
      Jawoll Herr Flückiger. Schön auf die Hinterbeine stellen. Rechte mit aller Gewalt einfordern. Und 3 Monate später ohne Job dastehen weil Ihnen gekündigt werden musste.
      In dieser Situation ist ein Miteinander gefragt! Jeder muss seine Opfer bringen, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber! Sonst stehen beide plötzlich ohne Job da (und die Jobsuche wird in den kommenden Monaten äusserst schwierig sein).