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Ungewöhnlicher Exportschlager Das Geschäft mit dem abgefahrenen Asphalt

Unsere Asphaltberge türmen sich so hoch, dass sie exportiert werden müssen. Im Tessin macht man damit gutes Geld.

Legende: Audio Schweizer Asphaltabfall landet oft im Ausland abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
03:56 min, aus Rendez-vous vom 09.08.2018.

Auf vielen Schweizer Strassen wird zurzeit wieder gebaut, ausgebessert und geteert, damit wir danach wieder auf glatten Strassen fahren können. Die alte Asphaltoberfläche landet auf einer Deponie. Mittlerweile aber sind die Berge von alten Asphaltoberflächen so hoch geworden, dass unser Asphaltabfall ins Ausland exportiert werden muss.

Tausende von Lastwagen mit Asphaltabfall durchqueren jährlich unser Land. Für die Entsorgungsunternehmen ein gutes Geschäft – so auch für die Tessiner Baufirma Comibit.

«Asphalt-Recycling» in Italien

Chef Nerio Martignoni freut sich, dass auch sein Unternehmen vom Kanton den Auftrag erhalten hat, die Asphaltberge auf den Tessiner Deponien abzutragen. «Die Stücke von altem Oberflächenasphalt werden zerkleinert und gewogen, dann kommt das Material auf den Lastwagen-Container», erklärt Martignoni. Der Fahrer karre die Tessiner Asphaltabfälle danach über die Grenze nach Italien.

Im Gegensatz zur Schweiz baut Italien noch viele Strassen. Der alte Asphalt kann für die unteren Schichten der Strasse gut gebraucht werden. In der Schweiz aber bauen Bund und Kantone kaum noch neue Strassen. Die alten Oberflächenbeläge können deshalb hierzulande kaum verwendet werden.

200 Container-Lastwagen voller Tessiner Asphaltabfälle fahren Martignonis Mitarbeiter nach Italien – und zwar pro Monat. Sechs weitere Tessiner Bauunternehmen exportieren Asphaltabfall ins grenznahe Italien. «Ich denke, das ist für sie ein gutes Geschäft», sagt Giovanni Bernasconi, Abteilungsleiter beim Tessiner Umweltdepartement.

Asphaltberge türmen sich auf den Deponien

Der Kanton Tessin zahlt neu 40 Franken pro Tonne exportierter Asphaltabfall. Für den Transfer auf eine Deponie war es bloss 10 Franken pro Tonne. Das Tessin sei an den Punkt gekommen, an dem es innerhalb des Kantons keinen Platz mehr habe: «Wir sind froh, dass wir unseren Asphalt nach Italien bringen können und dass er dort wiederverwendet werden kann.»

So einfach wie für den Kanton Tessin ist das Asphaltproblem für viele Deutschschweizer Kantone nicht. Im Gegensatz zum Tessiner Asphalt enthält der Deutschschweizer Asphalt ein ökologisch schädliches Bindemittel, sagt David Hiltbrunner vom Bundesamt für Umwelt: «Der Export dieses Materials ist mit strengen Auflagen verbunden. Grundsätzlich wird nur ein Export in die Niederlande zugelassen.» Dort werde das Material verbrannt, womit das schädliche Bindemittel zerstört werde. Das restliche Material könne dann wieder im Bau eingesetzt werden.

Wird also in der Deutschschweiz eine Strasse erneuert, landet die alte Asphaltoberfläche auf einem Lastwagen nach Basel. Im Rheinhafen wird der Asphalt dann Richtung Niederlande verschifft, wo er in einem Wärmeverfahren so aufbereitet wird, dass die giftigen Stoffe verschwinden und die Bauunternehmen das Material wiederverwendet können.

Belastung für die Umwelt

Jährlich fallen in der Schweiz rund 2,5 Millionen Tonnen Asphaltabfall an. Das sind umgerechnet über 62'000 Lastwagen voller Asphaltabfall, die unser Land durchqueren. «Nur schon von den Mengen, die transportiert werden, sind das extrem viele Lastwagen», sagt Hiltbrunner. Und umso länger die Strecke sei, umso grösser seien auch die ökologischen Auswirkungen, also die CO2-Emissionen.

In den Augen das Umweltfachmannes würde es durchaus Sinn machen, dass auch in der Schweiz solche Anlagen zur Umwandlung des Asphaltabfalls existieren würden. Nur: Bislang wollte niemand in eine solche Anlage investieren.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Fieber (lotvieh)
    Es ist natürlich zu unterscheiden, welches Bindemittel in dem ausgebauten oder abgefrästen Belag steckt. Teer darf ja schon lange nicht mehr verwendet werden, findet sich nur noch in älteren Belägen. Heute ist es Bitumen. Sauberes Fräsgut kann sehr wohl wiederverwendet werden, indem man es zum Teil mit frischen Zuschlagstoffen und Bindemittel mischt.
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  • Kommentar von Johannes Rösinger (JohMuc)
    Zum Asphalt abnehmen ist die EU mit Italien und den Niederlanden anscheinend wieder recht... ;-) Ein weiteres Beispiel wie wichtig die EU für die Schweiz ist.
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  • Kommentar von christian salzmann (salch)
    Warum werfen die Deutschschweizer ein "ökologisch schädliches Bindemittel" in Asphalt, wenn dieses scheinbar gar nicht benötigt wird, wie der Kanton Tessin ja beweist??? Dann könnte der alte Asphalt im Bau wieder verwendet werden und müsste nicht unnötigerweise durch die halbe Welt gekarrt werden. Müssten wir ev. unsere Ansprüche etwas runter schrauben und in Zukunft auch für die Strassenoberflächen Recycling Asphalt nutzen auch wenn dann die Strassen vielleicht etwas weniger "perfekt" wären?
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    1. Antwort von Raphael Dohner (Bouchnuuschti)
      Der Bericht ist nicht ganz korrekt; Bis Ende der 1980er-Jahre wurde für Beläge als Bindemittel noch „Teer“ verwendet. Darum spricht und schreibt SRF auch 2018 leider immer noch vom „teeren“ der Strassen. Das sind dann sog. PAK-haltige Beläge, welche nur bis zu einer gewissen Grenze recycliert werden dürfen. Dlese PAK-Beläge werden aber immer seltener. In Wahrheit wachsen die Belagsberge in der (Deutsch)-Schweiz, weil die öff.-Hand keine RC-Beläge einsetzen will. Schade.
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