Zum Inhalt springen

Schweiz Unnötige medizinische Eingriffe sollen eingedämmt werden

Finanzielle Fehlanreize führen im Schweizer Gesundheitswesen oft zu unnötigen Eingriffen und Therapien. Bund und Kantone wollen die Leistungen der Krankenversicherung nun systematischer überprüfen. Dies ist eines der Ergebnisse der dritten Konferenz «Gesundheit2020».

Legende: Video Unnötige Behandlungen zum Lebensende abspielen. Laufzeit 4:27 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.02.2016.

In Bern haben sich 300 Vertreter des Bundes, der Kantone und der Gesundheitsbranche über das Thema Überversorgung ausgetauscht. Dabei waren sich die Fachleute laut einer Medienmitteilung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) einig, dass in der Schweiz Behandlungen vorgenommen würden, die etablierten medizinischen Richtlinien widersprechen.

«Nicht notwendige oder gar kontraproduktive Therapien und Eingriffe setzen Patienten unnötigen Risiken aus und verursachen insbesondere bei Menschen am Lebensende vermeidbares Leid», teilte das BAG mit. Zudem würden dadurch die Gesundheitskosten in die Höhe getrieben.

Operationsbesteck
Legende: «Less is more»: An der Konferenz wurde darüber debattiert, in welchen Bereichen unnötige Eingriffe vorgenommen werden. Keystone

Finanzielle Fehlanreize

Als Ursache für diese Überversorgung orteten die Fachleute unter anderem finanzielle Fehlanreize. Bund und Kantone wollen diese beseitigen und die Leistungen der Krankenversicherung in dieser Hinsicht systematischer überprüfen.

Wie das BAG erklärt, sollen die Leistungskataloge der Grundversicherung und die gültigen Tarifstrukturen nicht dazu verleiten, medizinischen Aktivismus zu betreiben. Deshalb werden derzeit die Leistungen der Krankenversicherung auf ihre Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft.

Wieviel Behandlung ist nötig?

Angestrebt wird auch ein verstärktes Zusammenwirken der verschiedenen Akteure. Antworten auf die komplexe Frage, was das geeignete Mass an medizinischer Behandlung und Betreuung beinhaltet, sollen im Dialog zwischen Ärzten, Pflegenden, Patienten und ihren Angehörigen gefunden werden.

«Gesundheit2020» ist eine Gesamtschau, welche die Prioritäten in der Schweizer Gesundheitspolitik festlegt. Der Bericht wurde im Januar 2013 vom Bundesrat verabschiedet. Dessen Ziel ist, das Gesundheitswesen bezahlbar zu halten und die hohe Versorgungsqualität auch in Zukunft zu erhalten. Alljährlich sollen sich Akteure des Gesundheitswesens an einer nationalen Konferenz austauschen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Es sind doch nicht solche Kleinigkeiten, wie z.b. Schlaftabletten etc. es sind die vielen Operationen, die nicht immer nötig sind. Eine konservative Behandlung bringt dem Facharzt nicht die gewünschten Einnahmen. Ich meine da vor allem Orthopäden. Es wird am Laufmeter operiert, vor allem Knie und Hüfte. Andere Möglichkeiten werden gar nicht in Erwägung gezogen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Für mich sind die beiden besten Berater in Sachen Gesundheit folgende. 1. wir sind alle sterbliche Wesen, Tod ist also immer eine Alternative gerade darum achte ich das Leben und die Gesundheit. Es gibt eben eine Zeit zu gehen. 2. Wir sind nicht allmächtig, Heilung kann geschehen muss aber nicht. Erst wenn man diese zwei Sachen akzeptiert kann man gelassen und klar über die beste Behandlung nachdenken. Oft ist dann der beste Weg etwas die Ernöhrung umstellen und etwas Übungen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Sicher gibt es Leistungen, die nicht für jeden Patienten gleich sinnvoll sind, wie beispielsweise die Verabreichung eines Schlafmittels oder das Legen eines Blasenkatheters. Solche Leistungen verteuern das Gesundheitswesen allerdings nicht massiv. Wenn aber für oder gegen Operationen entschieden wird - an welchen Kriterien soll die Entscheidung festgemacht werden - und müssen dabei auch ethische Standpunkte brücksichtigt werden?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen