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Striktere Auflagen für Homeschooling im Kanton Waadt
Aus Rendez-vous vom 12.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Unterricht zu Hause Waadt will Regeln fürs Homeschooling verschärfen

  • Der Kanton Waadt will die Anforderungen ans Homeschooling erhöhen.
  • Damit Eltern ihre Kinder zu Hause selber unterrichten dürfen, müssen sie künftig unter anderem ein pädagogisches Konzept vorlegen.
  • So will der Kanton allen Kindern «eine angemessene Schulbildung garantieren».
  • In den Medien war schon von «Wild-West-Zuständen» oder «Eldorado für Homeschooling» zu lesen: Von solchen Schlagzeilen hat die Waadt genug. Neu soll es Eltern nicht mehr möglich sein, die Schulbehörden lediglich zu informieren, sie unterrichteten ihr Kind fortan zu Hause. Homeschooling soll jeweils auf Semesterbeginn bewilligungspflichtig werden. Das betrifft derzeit rund 750 Kinder.

Die Eltern müssen dann mindestens über einen Lehr- oder Mittelschulabschluss verfügen und ein pädagogisches Konzept vorlegen. Die Kantonsregierung will die Schrauben anziehen, weil sie nur so die Aufgabe wahrnehmen könne, «allen Kindern eine angemessene Schulbildung zu garantieren», sagt Erziehungsdirektorin Cesla Amarelle.

Gegen Fakenews ankämpfen

Besondere Sorge bereitet Amarelle, dass immer mehr Kinder aufgrund religiöser Überzeugungen der Eltern zu Hause unterrichtet werden. «Das schafft oftmals Probleme.» Man könne mit dem jetzigen Gesetz nicht kontrollieren, ob die Kinder von den Eltern eine neutrale schulische Erziehung erhalten oder ob ideologische Überzeugungen eine Rolle dabei spielten. «Es könnten auch Fakenews vermittelt werden – also wissenschaftlich als falsch erwiesene Fakten.»

Acht Kantone in der Schweiz verbieten das Homeschooling grundsätzlich. Doch so weit will die Waadt nicht gehen, denn das Recht auf Homeschooling ist explizit in der kantonalen Verfassung festgehalten. Auch gebe es in den meisten Fällen keine Probleme, betont die Erziehungsdirektorin.

Alternative pädagogische Überzeugungen

Neben religiösen Gründen spielen für die Eltern beim Unterricht zu Hause hauptsächlich alternative pädagogischen Überzeugungen oder spezielle Bedürfnissen der Kinder die Hauptrolle. Oder es sind Fahrende, die ihre Kinder nicht fix an einem Standort einschulen wollten.

Dass die Auflagen nun strikter werden, kommt nicht bei allen gleich gut an. Patrick Staeger, Präsident eines Vereins, der sich für Kinder mit besonderen Bedürfnissen einsetzt, findet die bürokratische Hürde einer Bewilligungspflicht einen «weiteren unnötigen Eingriff ins Familienleben».

Immer noch lascher als andere Kantone

Andere Eltern begrüssen es, dass die Hürden nicht noch höher gesetzt werden und von den Eltern zum Beispiel ein Lehrerdiplom oder eine pädagogische Ausbildung verlangt wird. Denn das ist in den meisten Kantonen, in denen Homeschooling erlaubt ist, die Regel. Auch wenn sie nun etwas strikter kontrolliert würde, sei sie froh, weitermachen zu können, sagt Deborah Lütolf, die ihre vier Kinder zu Hause unterrichtet.

Noch ist die Gesetzesänderung in der Waadt nicht unter Dach und Fach. Doch das kommende Semester dürfte es das letzte Mal sein, dass Eltern die Behörden einfach darüber informieren müssen und ihr Kind zu Hause unterrichten können.

Rendez-vous, 12.08.2021, 12:30 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Ich lese hier: "Die schulische Bildung der Kinder ist kein Jekami - der Staat hat die Aufgabe, für eine mögl. gute und umfassende Bildung der Kinder zu sorgen". Die Frage ist demnach: Kommt der Staat dieser Aufgabe auch nach? Wie die aktuellen Werbespots mit Kindern für den Lehrerberuf zeigen: Mindestens nicht im vollen Umfang. Was Bildung ohne das Attribut schulisch angeht, so ist sie durchaus ein Jekami, natürlich. Bildung ist ein weites Feld und der Staat hat kein Monopol auf Vermittlung.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Ich habe mir die Frage oft gestellt: Hat mir jemals in meiner Schulkarriere ein Lehrer etwas beigebracht? Ich bin zum Schluss gekommen, dass die Antwort auf diese Frage ein "Nein" ist. Man kann nur sich selbst etwas wirklich beibringen. Alles, was ich über die Welt weiss und verstehe, ist durch eigene Arbeit erworben worden. Lehrer habe mir Anregungen und ab u. zu einen Schubs gegeben. Mehr nicht. Diese Rolle kann auch von jemandem ohne päd. Diplom übernommen werden und evtl. sogar besser.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Die Leute denken es ginge nur um Mathe, Physik, Geschichte etc. Es geht auch um Arbeits- und Lernmethodik, soziale Kompetenzen wie auch die Bewältigung von Stress durch Anforderungen und Erwartungen. Wer dann tatsächlich nichts von der Schule mitgenommen hat...
    2. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Herr Koller
      Staatl. betriebene Schulen/modernes Bildungssystem gibts seit ca. 200 Jahren. Die von Ihnen erwähnten Kompetenzen sind solche, die jede(r) schon immer mehr od. weniger beherrschen musste, um zu leben. Wie erarbeitete man sich diese als es staatl. Bildungssysteme noch nicht gab? Ich finde, das moderen Schulsystem ist weder sehr gut im Vermitteln von Mathe od. Franz. noch im Vermitteln von soz. Kompetenzen. Da kann man Eltern verstehen, die finden, das können wir besser.
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Das Wohl der Kinder UND das Wohl der Eltern muss berücksichtigt werden.
    Die Eltern gründen die Familie und dürfen da auch über deren Art und Ausprägung entscheiden. Der staatliche Eingriff muss klein bleiben und sich auf das absolute Minimum beschränken.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Der Staat ist hier auch gleichzeitig die Gesellschaft und diese kann Vorgaben machen, denn sie trägt zum Ende auch eine Verantwortung. Ich habe schon Menschen aus früherem Home-Schooling getroffen mit einem Übermass an Ideologie und einem Minimum an Bildung und Wissen. Keine gute Kombination.