Die Berner Altstadt ist es, der Stiftsbezirk in St. Gallen auch – und die Zürcher Langstrasse soll es werden: Unesco-Weltkulturerbe. Es ist die Idee von Elena Nierlich, der Betreiberin der Olé-Olé-Bar an der Langstrasse. Die Partymeile soll sich in die Liste der Natur- und Kulturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert einreihen.
«Einziger Ort, wo Zürich grossstädtisch ist»
«Die Langstrasse ist der einzige Ort, wo Zürich wirklich grossstädtisch ist», sagt Elena Nierlich. Als kultureller Schmelztiegel Zürichs stehe die Langstrasse für eine andere Schweiz – abseits von Bergen, Banken und Schoggi. «Die Langstrasse ist eine Wundertüte. Man findet hier alles und jeden – und das ist schützenswert», sagt die Barbetreiberin.
Besonders denke sie etwa an die Fassade des ehemaligen Sex-Kinos Roland oder den Helvetiaplatz, wo seit den 1980er Jahren für mehr Freiräume gekämpft werde. Als Weltkulturerbe solle die Strasse nicht im Zustand verharren, in dem sie heute ist. Die Langstrasse verändere sich sowieso ständig, aber sie würde den Status bekommen, den sie verdiene, sagt die Initiantin.
Bars und Clubs sammeln Unterschriften
Doch Elena Nierlich kann die Langstrasse nicht selbst als Unesco-Kandidatin vorschlagen; dies muss die Stadt Zürich übernehmen.
Deshalb sammelt sie derzeit Unterschriften für eine Petition – und zwar nicht alleine: Neben der Olé-Olé-Bar liegen die Unterschriftenbögen in zwölf weiteren Bars, Clubs und Restaurants auf.
Beim Unterschriftensammeln auf der Strasse reagieren die Passantinnen und Passanten positiv: «Die Langstrasse ist seit eh und je da und hat uns schon viel gegeben», sagt ein junger Mann. «Es ist eine tolle Partymeile, wo immer etwas offen hat für junge Leute zum Feiern», ergänzt seine Begleiterin.
Auch eine junge Baslerin findet die Initiative richtig: «Wenn man von Zürich etwas kennt, dann ist es die Langstrasse - ein spezieller Ort, der wichtig ist.»
Laut Medienmitteilung haben bereits Prominente wie der Schriftsteller Martin Suter, Künstlerin Lara Stoll und Rapper Skor die Petition unterschrieben. Sollte die Stadt Zürich die Langstrasse tatsächlich als offizielle Kandidatin für den Titel nominieren, würde die Unesco in einem jahrelangen Verfahren prüfen, ob die Kriterien erfüllt sind.
St. Pauli hat Pläne aufgegeben
Die Zürcher Langstrasse ist nicht die erste Ausgehmeile, die solche Pläne hegt. Im Hamburger Stadtviertel St. Pauli wurden ebenfalls Unterschriften gesammelt. Schliesslich haben die Initianten die Pläne aber wieder aufgegeben, weil sie Übertourismus befürchteten. Heute bezeichnet sich St. Pauli als «inoffizielles immaterielles Kulturerbe».