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Legende: Audio «Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt und die Bestimmungen geändert.» abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 12.02.2019.
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Unveröffentliche Studien «Wieso sollten Forscher ihre Resultate verheimlichen?»

20 Prozent der medizinischen Studien in der Schweiz werden nicht veröffentlicht, wie eine Recherche von «Puls» und SRF Data ergeben hat. Auch für Thomas De Courten, Nationalrat der SVP und Präsident der Gesundheitskommission des Nationalrats, ist dies nur schwer verständlich.

Thomas De Courten

Thomas De Courten

SVP-Nationalrat und Präsident der Gesundheitskommission

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De Courten ist seit 2011 Nationalrat für den Kanton Baselland. Von 2003 bis zu seiner Wahl politisierte er im Baselbieter Parlament.

SRF News: Wie ist es möglich, dass so viele medizinische Studien nicht veröffentlicht werden?

Thomas de Courten: Ich kann mir nicht erklären, wieso jemand, der lange an einer Studie arbeitet, die Resultate nicht veröffentlichen soll. Man sollte den Gründen nachgehen, die diesem Tatbestand zugrunde liegen.

Ist es ein Affront gegenüber jenen, die sich für die Studie zur Verfügung stellen, wenn die Resultate gar nicht verwendet werden?

Es ist die Frage, ob überhaupt Resultate vorliegen oder ob die Studie vielleicht aus anderen Gründen abgebrochen worden ist oder ob sie gezeigt hat, dass der Ansatz kein Resultat bringt. Ich denke, diese Frage müssten noch geprüft werden.

Das Gesetz ist angepasst worden, weil wir in der Politik Handlungsbedarf erkannt haben.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

In der Schweiz muss nach den gesetzlichen Grundlagen jede Studie mit menschlicher Beteiligung einer Ethikkommission vorgelegt werden. Sie muss offiziell bewilligt werden, muss eine internationale Registriernummer beantragen und einhalten. Und wenn all diese bürokratischen Hürden genommen sind, wenn die Forschungsarbeit durchgeführt worden ist und wenn Resultate vorliegen, dann sehe ich keinen Sinn, wieso diese von den Forschern verheimlicht werden sollten. Es liegt in ihrem Interesse, dass sie ihre Arbeit auch publik machen können.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat gefordert, dass der Bundesrat eine Veröffentlichungspflicht ins Gesetz schreiben soll. Unterstützen Sie diese Forderung?

Diese gesetzliche Grundlage besteht im aktuellen Heilmittelgesetz bereits. Meines Wissens ist sie am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten. Es geht um Ausführungsbestimmungen, die der Bundesrat noch erlassen muss, aber gesetzlicher Handlungsbedarf besteht in meinen Augen keiner.

Präzisierung des BAG

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Das Bundesamt für Gesundheit BAG nimmt in einer Stellungnahme Bezug auf die Äusserung in diesem Interview. Es präzisiert:

«Das Heilmittelgesetz wurde revidiert, und mit ihm auch die Arzneimittelverordnung. Beides ist per 1. Januar 2019 in Kraft getreten. Damit müssen Ergebnisse klinischer Versuche mit Arzneimitteln, die im Rahmen der Zulassung durch Swissmedic eingereicht wurden, in einem Bericht publiziert werden (Art. 77 VAM, Link öffnet in einem neuen Fenster).

Mit dieser Regelung wird somit nur ein Teil der klinischen Versuche erfasst. Alle anderen klinischen Versuche (klinische Versuche mit Arzneimitteln ausserhalb eines Zulassungsgesuchs, Medizinprodukte, andere Therapieformen) und deren Veröffentlichung werden im Humanforschungsgesetz HFG geregelt. Dort ist bisher nur festgeschrieben, dass klinische Versuche vor ihrem Start in einem Register publiziert werden müssen. Das HFG wird derzeit evaluiert und dem Bundesrat bis Ende Jahr Bericht erstattet. Es ist vorgesehen, dem Bundesrat vorzuschlagen, die Publikation aller Resultate künftig verpflichtend vorzuschreiben.»

Wenn aber 20 Prozent aller Studienergebnisse nicht veröffentlicht werden, wird das Gesetz ja nicht umgesetzt?

Das Gesetz ist angepasst worden, weil wir in der Politik Handlungsbedarf erkannt haben. Mit der letzten Revision des Heilmittelgesetzes haben wir diese Bestimmungen konkretisiert, und sie wurden am 1. Januar in Kraft gesetzt. Und nun geht es darum, diesen neuen Bestimmungen gerecht zu werden.

In der Praxis zeigt sich am ehesten, wo die Hebel sind, um die Position der Forschenden voranzutreiben.

Das Universitätsspital Basel beispielsweise hat zwei zusätzliche Personen angestellt, um Forschende von der Registrierung bis zur Publikation zu unterstützen. Was halten Sie von diesem Vorgehen?

Ich finde diesen Ansatz sinnvoller als neue gesetzliche Regelungen zu erfinden. In der Praxis zeigt sich am ehesten, wo die Hebel sind, um die Position der Forschenden voranzutreiben.

Diese unveröffentlichten Studien hätten wohl ungenügende Ergebnisse gebracht, sagten Sie. Es besteht demnach kein Handlungsbedarf?

Ich erkenne, dass mit der grossen Anzahl der nicht publizierten Studien Fragen offen sind. Ich möchte dem noch konkret nachgehen.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von André R. Miserez  (arm)
    Die Grundlagen der Statistik sollten vor einer Diskussion verstanden werden. Es muss ein Unterschied zwischen einer, dem Faktor ausgesetzten und nicht ausgesetzten Gruppen, gezeigt werden können; d.h. eine Gleicheit (H0) abgelehnt werden können. Falls dies nicht gelingt, kann ein Effekt bestehen aber (i) die Gruppengrösse zu klein sein oder ( ii) es besteht tatsächlich kein Unterschied - das wissen wir aber nicht! Solche Ergebnisse sind wertlos, deren Veröffentlichung im besten Fall irreführend.
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    1. Antwort von Martin Müller  (Sprak)
      Man macht sich eine Menge Arbeit, stellt eine Hypothese auf und prüft diese,, imesultat ist aber kein Unterschied feststellbar. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, denn sie bewahrt vor der Überprüfung der gleichen Hypothese unter den gleichen Bedingungen und spart eine Menge Zeit und Arbeit.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler  (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
    Ganz einfach weil vielen Leuten die Augen aufgehen würde, was diese Studien an den
    Tag gebracht hätten darum werden sie nie veröffentlicht.
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  • Kommentar von M. Jaeger  (jegerlein)
    Nicht nur die Medizin ist betroffen. Seit 20 Jahren werden sämtliche Studien, die den Einfluss der Sonne aufs Klima untersuchen, nicht nur ignoriert, sondern aktiv "gemieden" von sämtlichen Medien und Regierungen. Man will die CO2 Messe auf keinen Fall stören. Zu viele CO2 Abgaben stehen auf dem Spiel.
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    1. Antwort von Beat Kessler  (KLERUS)
      Da haben Sie vollkommen Recht, nur nicht so wie Sie glauben! Es gibt einen Grund warum CO2 zu den Treibhausgasen gehören, da diese eben wörtlich den gleichen Effekt wie in einen Treibhaus haben! Die Sonnenstrahlung wird zurück reflektiert, anstatt das diese in den leeren Raum abstrahlt! Notabene hat die Physik, mit den gleichen Methoden der Vorhersage und Berechnungen dazu geführt. Das Sie diese Unwahrheit mit einem elektronischen Gerät im Äther verteilen können! MfG
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    2. Antwort von Urs Stotz  (Urs Stotz)
      Herr Kessler
      Wenn Sie schon grossartig von Wahrheiten schreiben, sollten Sie selber dabeibleiben. In den wenigsten Treibhäusern wird CO2 eingesetzt. Denken Sie an die vielen Hobby Treibhäuser. Trotzdem funktionieren diese auch. Das CO2 in Treibhäuser wird wenn schon zum schnelleren Wachstum der Pflanzen eingesetzt, und nicht zur Sonnenstrahlenreflektion. Die Wärme in Treibhäusern wird durch die Glaswand/decke zurückgehalten.
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    3. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      U.S. Der Treibhauseffekt (wie in einem Treibhaus) wird eben von KLERUS erklärt, dass dieser eben auch in der Atmosphäre stattfindet, und durch CO2-Mehrausstoss auch stärker stattfindet.
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