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Änderung der Unterhaltsregel nach einer Scheidung
Aus Tagesschau vom 09.03.2021.
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Urteile des Bundesgerichts Geschiedene Frauen sollen mehr für eigenen Lebensunterhalt sorgen

Das Bundesgericht vereinheitlicht den Unterhaltsanspruch bei Scheidung. Das hat Folgen vor allem für die Frauen.

Sie sind zu Hause geblieben, haben sich jahrelang um die Kinder oder die betagten Eltern gekümmert. Sie haben sich vielleicht ehrenamtlich in Sport- oder Kulturvereinen engagiert. Klar ist: Je länger eine Frau keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, desto schwieriger wird es für sie, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuss zu fassen. Etwa nach einer Scheidung.

Schutzregeln aufgehoben

Bislang gab es aber Schutzmechanismen. Zum Beispiel die sogenannte «45er-Regel»: Wenn eine Frau während der Ehe nicht berufstätig und bei der Scheidung schon 45 Jahre alt war, haben ihr die Gerichte den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht mehr zugemutet. Ähnliches galt, wenn eine Hausfrau mindestens zehn Jahre verheiratet war. In der Folge musste der frühere Ehemann entsprechende Unterhaltszahlungen leisten.

Doch mit diesen pauschalen Regeln soll jetzt Schluss sein. Laut dem Bundesgericht können grundsätzlich auch bisherige Frauen, die älter als 45 Jahre alt sind, auf Stellensuche gehen. Es sei denn, konkrete Gründe sprechen dagegen – etwa die Betreuung von Kleinkindern.

Druck auf Hausfrauen steigt

Die Gerichtsurteile widerspiegelten eine Entwicklung der letzten Jahre, sagt Andrea Büchler, Rechtsprofessorin an der Universität Zürich: «Es geht im Wesentlichen darum, dass die Ehe nicht mehr als Versorgungsinstitution gesehen wird. Sondern es wird an die finanzielle Eigenverantwortung von Partner und Partnerin appelliert, die vor allem dann aktuell wird, wenn die Ehe zu Ende geht.»

Die Ehe wird nicht mehr als Versorgungsinstitution gesehen.
Autor: Andrea BüchlerRechtsprofessorin, Universität Zürich

Jeder und jede soll also nach der Scheidung für sich selber sorgen können – das passt ja durchaus zum Grundsatz der Gleichstellung der Geschlechter. Und die Rechtssprechung knüpft durchaus an gesellschaftliche Entwicklungen an.

Tradition und neue Rollenmodelle

Trotzdem bestehe hier eine gewisse Ambivalenz, betont Büchler. So gebe es eine immer höhere Beteiligung der Frauen im Erwerbsarbeitsmarkt und eine Zunahme egalitärer Rollenmodelle in Familien. In der Schweiz sei allerdings auch das traditionelle Rollenmodell nach wie vor verbreitet.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist noch immer nicht in genügendem Masse gewährleistet.
Autor: Andrea BüchlerRechtsprofessorin, Universität Zürich

«Dies nicht zuletzt, weil die Schweiz diese Frage auch sehr stark privatisiert», erklärt Büchler. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei nämlich von Politik und Wirtschaft her noch immer nicht in genügendem Masse gewährleistet. Und so lange das so sei, würden sich in der Realität weiter eine Reihe von Frauen nach der Familiengründung vom Erwerbsleben zurückziehen.

Info 3, 09.03.2021, 12:00 Uhr

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111 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Fischli  (Angela Fischli)
    Frau Grieder. Es geht eigentlich mir nicht darum, ob eine Hausfrau hilft, sondern das wenn Männer ( wie im Fall meines Sohnes) keine Hilfe seitens Behörde bekommt. Lässt ein Mann seine Frau/Freundin mit zwei Kinder allein, bekommt sie Unterstützung. Meinem Sohn hätte man die Kinder weg genommen, da die beiden nicht verheiratet waren und er "nur" Vater. Da sollte auch eine Gleichberechtigung bestehen und Hilfe zu erwarten sein
    1. Antwort von Mona Grieder  (papaver)
      Ja sicher, da gebe ich Ihnen recht. Persönlich bin ich der Ansicht, man/frau sollten keinesfalls aus zivilrechtlichen Gründen heiraten müssen, nur damit beide Eltern gleichgestellt sind. Noch vor 30 Jahren hat sich bei "Konkubinat" die Vormundschaftsbehörde eingeschaltet, sobald das erste Kind da war. Ein Grund, warum emanzipierte Studentinnen damals heirateten. Entgegen allen Vorsätzen. Fazit: Heirat schafft idiotische Abhängigkeiten und versicherungstechnische Sachzwänge.
    2. Antwort von Joe McClane  (Joe McClane)
      @Mona Grieder: Ich hätte eigentlich gerne mal Kinder gehabt. Aber bei den von ihnen im Fazit beschriebenen Umständen? Auf gar keinen Fall. Da bin ich mir echt zu schade für.
    3. Antwort von Mona Grieder  (papaver)
      @Joe
      Was ist das für ein Grund, sich gegen Kinder zu entscheiden? Nochmals: Mütter sollen keine Gratisarbeit leisten dürfen, sie sollen unabhängig vom Kindsvater eine eigene 2.und 3.Säule aufbauen, der Zivilstand soll keine besonderen Privilegien oder Nachteile bieten. Sie können getrost Kinder haben, die Zeiten der Vormundschaftsbehörden bei "ledigen" Müttern im Konkubinat sind lange vorbei. Arbeiten Sie als Vater 60% und halten Sie "Ihrer" Frau den Rücken frei. Fertig.
  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    OK. Kann man machen. Sobald ... Frauen für dieselbe Arbeit denselben Lohn erhalten wie Männer UND per Gesetz festgelegt wird, dass auch über 45-Jährige mit weniger Berufserfahrungen eingestellt werden müssen.
    Man muss schon das ganze Spektrum sehen und ALLE Aspekte abdecken, wenn man ein neues Gesetz lancieren will. Die Realität sieht nicht so rosig aus, wie man anhand der untenstehenden Kommentare meinen könnte.
    1. Antwort von Sanne Marc  (Suze)
      100% gleicher Meinung!!!
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Ist eigentlich der Fall, wenn man alle die Konsequenzen aus den individuellen Entscheidungen der betroffenen Personen miteinreichnet. Wer seine Karriere unterbricht, oder sich entschieden hat einen Beruf zu wählen, der sozusagen als Zeitvertrieb bis in die Ehe dient, nur 80% arbeitet, relativ unflexibel ist, weil die Kinder erzogen werden müssen, zu denen man sich ja entschlossen hat, kann nicht erwarten, dass er gleich behandelt wird, wie jemand, der eben mehr leistet, länger arbeitet usw.!
  • Kommentar von Sue Stauber  (Suze)
    Wenn ich so die Kommentare lese überlege ich mir, wer da wohl je Probleme in dieser Hinsicht hatte...?Gleichberechtigung ja, aber dann generell...! Geht ja gar nicht, wenn man genau überlegt, oder haben Männer schon mal Kinder geboren? Oder wieviele Hausmänner kennt ihr mit Kinderbetreuung? Ich niemanden...schade...! Dieses Urteil des Bundesgerichts tut mir weh, vor allem für all die Frauen und Mütter, die einfach für die Familie und häufig auch die Familienfirma (ohne Lohn) da waren...
    1. Antwort von Mona Grieder  (papaver)
      Merci! Vor allem wäre zu bedenken, wer sich nach 50 nach einer lebensprägenden Ehe von wem trennen will? Die Männer im zweiten Frühling oder die Frauen, die nach getaner Arbeit und ausgeflogenen Kindern wissentlich ins finanzielle Prekariat abdriften nur um "Freiheit" zu geniessen? Ich verstehe vor allem nicht, wer hier von Betreuungsarbeit redet? Es geht bei älteren Frauen vermutlich um Oma-Arbeit. Der Papa ist dann oft wieder mit Pampers beschäftigt. Nicht bei Enkeln, nota bene.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Grieder, wenn Ihre These so bekannt ist, dann verstehe ich die Schweizerinnen nun endgültig nicht, wieso sie sich unter diesen Umständen in die totale finanzielle Abhängigkeit von Herrn Schweizer geben. Wenn die Lage so aussichtslos wäre, würden doch Mammis früher wieder in die Berufswelt einsteigen, finde ich...
    3. Antwort von Shane O'Neill  (Diddleydoo)
      Ist unfair, zu verlangen, dass Frauen Verantwortung für sich annehmen?

      Wie bitte?