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Schweiz Väter am Limit – zerrissen zwischen Kind und Karriere

Der moderne Mann ist ein engagierter Vater und gibt trotzdem Vollgas im Job. Trotz Vaterpflichten arbeiten nur elf Prozent aller Väter hierzulande Teilzeit. Der Rundschau-Bericht zeigt: Die Doppelbelastung bringt viele Väter an den Anschlag.

Legende: Video «Väter am Limit» abspielen. Laufzeit 8:01 Minuten.
Aus Rundschau vom 05.10.2016.

«Der Vater im Büro, die Mutter daheim – so wie es früher war, will ich es nicht. Ich möchte, dass mein Sohn schöne Erinnerungen an mich hat», sagt Gianfranco Sabatino. Der 29-jährige Bündner verbringt jeden Donnerstag daheim mit Sohn Noah. Trotzdem arbeitet der Bautechniker 100 Prozent: Er packt seine 42-Stunden-Woche einfach in vier Tage. Diesen Spagat zwischen Vollzeit-Job und Engagement als Vater machen viele Männer.

VAter und Kind
Legende: Väter wollen nicht auf ihre Karriere verzichten – und trotzdem Zeit mit ihren Kindern verbringen. SRF

Väter leisten immer mehr Haushalts- und Betreuungsarbeit, das zeigen die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Zugleich reduzieren sie nicht im Job: Nur 11 Prozent der Väter arbeiten Teilzeit, und nur ein Drittel von diesen gibt die Kinderbetreuung als Grund dafür an.

Die Männer bemühen sich zwar, engagierte Väter zu sein – machen im Job aber keine Abstriche. Diese Doppelbelastung bringt viele Väter an den Rand ihrer Kräfte, wie eine Recherche der «Rundschau» zeigt.

Kein Verzicht auf Karriere

Auch Markus Theunert ist einer von ihnen. Der Vordenker der Schweizer Männerbewegung kämpft zwar für einen Rollenwandel, zerreisst sich selber aber zwischen 50-Stunden-Woche und Vaterpflichten.

«Auch ich möchte mich als Mann fühlen, der etwas schafft, eine Spur hinterlässt, etwas erreicht. Darauf will ich nicht verzichten »nur« weil ich Vater bin.» Denn Befriedigung zögen die Männer noch immer primär aus dem Job – und nicht aus der Kinderbetreuung, sagt Männerlobbyist Theunert.

Rollenwandel? Fehlanzeige, sagt die Buchautorin Sibylle Stillhart. Die Kinder seien nach wie vor Frauensache. «Die Männer wollen zwar schon teilhaben, aber wenn der Chef anruft, entscheiden sie sich für‘s Büro», sagt die Autorin von «Müde Mütter, fitte Väter». Stillhart plädiert für mehr Ehrlichkeit in der Debatte. Heute wagten Männer es kaum zuzugeben, wenn sie lieber Karriere machen würden, als sich um die Kinder zu kümmern.

Väter bleiben Ernährer

Wie zementiert die Geschlechterrollen sind, zeigt sich auch bei der Haushaltskasse: Bei Paaren mit Kindern stammen laut Bundesamt für Statistik rund 75 Prozent des Erwerbseinkommens vom Mann. Die Väter sind aller Emanzipation zum Trotz die Ernährer geblieben. Das hat oft mit finanziellen Zwängen zu tun: Viele Paare entscheiden sich für eine traditionelle Rollenverteilung weil der Mann meist mehr verdient.

Aber den Männern kommen auch alte Denkmuster in die Quere: «Wenn ich 100 Prozent arbeite, bin ich ein 100-Prozent-Mann, wenn ich 50 Prozent arbeite, bin ich eine halbe Portion. Das ist ein Jahrhunderte-altes Erbe – das lässt sich nicht in einer Generation über den Haufen werfen», sagt Markus Theunert. Er sieht die heutigen Väter als Übergangsgeneration: «Wir werden die Widersprüche nicht auflösen können.»

Legende: Video «Markus Theunert von männer.ch an der Rundschau-Theke» abspielen. Laufzeit 8:01 Minuten.
Aus Rundschau vom 05.10.2016.

37 Kommentare

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  • Kommentar von Elisabeth Frehner-Isenring (Denia)
    Etwas mehr Gelassenheit und eine Art Gottvertrauen (?) braucht der heutige Mensch! Wir sind endlich und unvollkommen. Wir können den Kindern und dem Partner, inklusive Gesellschaft und dem Arbeitgeber, nicht alles recht machen! Vor allem den Kindern gegenüber: feste Strukturen und Regeln, Gespräch und genügend vertrauen in sie selber! Sie müssen ihren Weg finden und Willen, Liebe und Kraft auch aus sich selbst entwickeln! Gefühle,auch negative durchstehen lassen! Man kann nicht alles richten!
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    1. Antwort von Elisabeth Frehner-Isenring (Denia)
      Vor allem weniger Materielles! Sich dabei von der Vernunft leiten lassen, sich nicht immer verführen lassen durch die Werbung, durch die Kollegen und Freunde. Wenn alle zu viele Wünsche haben, dann ist man immer unter Druck. Ist das ein Lebensplan: Ein Haus und zwei, drei Kinder, guten Job, genügend bis viel Geld? Achtsamkeit schon bei den Kindern lernen. Kinder sind eine grosse Aufgabe, aber man darf sie nicht vergöttern. Was auch oft geschieht. Klingt alles sehr oberlehrerhaft, aber es ist so.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Arme Väter kann ich da nicht sagen. Die Frauen sind in der gleichen Situation, wenn sie voll beschäftigt sind. Und nebenbei müssen sie noch den ganzen Haushalt organisieren und ihn am Abend erledigen.
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    1. Antwort von Hans Pen.den (HansPen.den)
      In Deutschland ist es noch absurder, da werden Kitaplätze mit 2500€ im Monat subventioniert, damit die Frau 100% arbeiten und 1800€ im Monat verdienen kann. Aber den Frauen diese 1800€ einfach so pro Monat zu geben, was den Staat unter dem Strich 700€ sparen würde.... nie im Leben.
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  • Kommentar von Konrad Pfister (Konrad Pfister)
    Fazit: Niemals Kinder!
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    1. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Konrad Pfister: wer es wagt, der Realität ins Auge zu schauen, der wird Kinder immer lieben !
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @K. P.: Ein sehr trauriges Fazit! Und das nur, weil jetzt das starke Geschlecht schon schwächelt?
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