Jahrelang hat das Verteidigungsdepartement Probleme mit Projekten kleingeredet. Mit dem Wechsel an der VBS-Spitze von Bundesrätin Viola Amherd zu Bundesrat Martin Pfister hat sich aber auch die Kommunikation über die Top-Projekte in Schieflage verändert – seien es Rüstungsbeschaffungen oder IT-Vorhaben. Das Departement informiert die Öffentlichkeit regelmässig über den Stand der Dinge und will so Transparenz und Vertrauen schaffen – mit einem Ampelsystem: Grün, Gelb und Rot. Eine Schlüsselfigur dabei ist Robert Scheidegger, der neue stellvertretende Generalsekretär.
SRF News: Vor uns liegt die Liste der Top-Projekte mit den Ampeln. Wenn Sie Ihre erste Zeit im Verteidigungsdepartement nach Ampeln gliedern müssten, wie sähe sie aus?
Robert Scheidegger: Drei Grundsätze sind mir wichtig: Transparenz, Einfachheit und gemeinsam. Daran orientiere ich mich. Bei der Transparenz und beim Gemeinsamen sind wir recht gut unterwegs. Wir bringen die Themen auf den Tisch, das geht Richtung Grün. Bei der Gesamtsituation der Projekte stelle ich auf Gelb.
Wir haben mit diesem Top-Projekte-Reporting einen risikoorientierten Ansatz und zeigen der Öffentlichkeit die schwierigsten, kritischsten Projekte.
Sie kennen die schwierigen VBS-Projekte. Bevor Bundesrat Martin Pfister Sie ins VBS holte, waren Sie bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK und hatten seit rund zwei Jahren die VBS-Projekte im Blick. Wo liegt der grösste Unterschied?
In der Arbeitsweise: Von den ungefähr 180 grossen Projekten betreuen wir zehn mit einem Bericht zweimal jährlich. Mein Team und ich sitzen in diesen Projektausschüssen. So können wir dabei helfen, neben den Risiken und Problemen auch die Lösungen zu benennen. Das ist sehr bereichernd. Wir haben mit diesem Top-Projekte-Reporting einen risikoorientierten Ansatz und zeigen der Öffentlichkeit die schwierigsten, kritischsten Projekte.
Sie haben es also in der Hand. Das heisst auch: Sie sind nicht angewiesen auf externe Einschätzungen und Projektleitungen?
So würde ich das nicht sagen. Heute unterstützen mich 1.5 Vollzeitstellen bei den grossen Projekten. Eine zusätzliche Stelle können wir neu besetzen, doch das reicht nicht. Deshalb ist die externe Begleitung im Qualitäts- und Risikomanagement wichtig.
Neben den Fortschritten gibt es auch immer Rückschläge. Das gehört dazu.
Wie gehen Sie vor?
Wir haben zwei Projekte sehr vertieft analysiert und die Öffentlichkeit über die Herausforderungen und die Massnahmen informiert: Air2030 und ADH15 (Anmerkung: Das ist zum einen die Luftverteidigung mit Kampfjet, Luftraumverteidigung und -überwachung und zum andern die Aufklärungsdrohne). In der Analysephase haben wir Auftraggeber, Programmleiter, Generalsekretariat, beteiligte Stellen im VBS und die Lieferanten an einen Tisch geholt, um zu klären: Was gefährdet das Projekt? Was können wir dagegen tun?
Das heisst, Ihre Aufgabe ist ein Mix aus Analyse am Schreibtisch und Gesprächen?
Zuhören, Leute zusammenbringen, vernetzt denken, die Leute auch motivieren, transparent zu sein, die Herausforderungen anzusprechen: Das ist Coaching – wie es etwa ein Fussballtrainer tut. Neben den Fortschritten gibt es auch immer Rückschläge. Das gehört dazu. Wir werden auch in fünf Jahren Projekte haben, die Schwierigkeiten machen. Wichtig ist, dass man die Schwierigkeiten erkennt, dann Entscheide fällt und umsetzt.
Politik, Medien und Öffentlichkeit schalten sich bei den Top-Projekten auch immer mal wieder ein. Wie prägend ist das für Ihre Arbeit?
Wenn man im Projektmanagement tätig ist, muss man eine gewisse Resilienz haben. Denn man kann es nie allen recht machen und man macht Fehler – wie überall, wo gearbeitet wird.
Das Gespräch führte Christine Wanner.