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Neues Corona-Schutzkonzept im Alterswohnsitz Urtenen-Schönbühl BE
Aus Schweiz aktuell vom 28.01.2021.
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Versuch im Altersheim Besuch erwünscht! Das etwas andere Schutzkonzept im Altersheim

Anstatt die Bewohnerinnen und Bewohner gegen aussen abzuschotten, lässt ein Berner Heim Besuch explizit zu.

Seit Monaten müssen sich Alters- und Pflegeheime mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Virus schützen können. Viele führten daraufhin ein strenges Besuchsregime ein – auch der Alterswohnsitz im bernischen Urtenen-Schönbühl. Trotzdem gab es im Heim einen grossen Coronavirus-Ausbruch.

Jetzt hat das Heim ein neues System eingeführt: Gegen aussen offen, dafür möglichst keinen Kontakt unter den Bewohnerinnen und Bewohnern. Geht das gut?

Der Speisesaal bleibt leer in Urtenen-Schönbühl.
Legende: Der Speisesaal bleibt leer in Urtenen-Schönbühl. SRF

Die 92-jährige Rosa Isenschmid trägt das neue Corona-Regime mit Fassung: «Ich bin sowieso nicht eine, die ständig mit allen zusammen ist. Ich suche mir meine Leute aus, die ich sehen will.» Immer allein zu essen, das sei für sie kein Problem. Eine Mitarbeiterin des Alterswohnsitzes bringt ihr den Teller direkt aufs Zimmer.

Auch das gemeinsame Freizeitprogramm fällt weg – Rosa Isenschmid näht jetzt alleine. Gesellschaft vermisst sie nicht.

Das andere Konzept funktionierte nicht

Rund die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner in Urtenen-Schönbühl hatte sich beim Corona-Ausbruch im Herbst angesteckt. Vier Wochen lang war das Haus unter Quarantäne gestellt, erzählt Heimleiter Urs Hänni: «Wir sagten uns, dass es so nicht weiter gehen kann.» Deshalb arbeitete er mit der Belegschaft ein neues Konzept aus: Die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen raus und Besuch empfangen, dafür sehen sie sich untereinander kaum.

Es ist nicht ganz einfach, den Abstand und die Maskenpflicht durchzusetzen.
Autor: Urs HänniHeimleiter Alterswohnsitz Urtenen-Schönbühl

Der Speisesaal ist zu, die Cafeteria auch, «damit das Virus, sollte es doch den Weg ins Haus finden, sich nicht weiterverbreiten kann.» Distanz ist das Zauberwort. Teilweise müssten die Mitarbeitenden eingreifen, wenn sich zwei Menschen zu nahe kommen. «Einige Bewohnende vergessen manchmal die Regeln», so Hänni.

Plötzlich einsam?

Der Lottonachmittag im Altersheim findet also nicht mehr statt. Dafür dürfen die Bewohnenden jetzt ihre Verwandten empfangen. Besuch ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht, damit niemand alleine ist. Die Heimleitung animiert Angehörige gar dazu, ins Heim zu kommen. Auch den Physiotherapeuten wird wieder Zutritt gewährt.

Rosa Isenschmid kommt dies entgegen. Ihr Sohn besucht sie wöchentlich.

Ich finde diese Regelung besser als die komplette Abschottung.
Autor: Martin IsenschmidSohn von Rosa Isenschmid

Doch nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner wollen sich trennen lassen. Beispielsweise Lilly Eggimann und Heidi Huber. Die beiden Frauen verbringen ihre Zeit oft miteinander.

Zwei Frauen in einem Altersheimzimmer.
Legende: Die beiden Frauen lesen sich oft gegenseitig vor, um nicht alleine zu sein. SRF

Das neue Konzept kam bei ihnen nicht gut an. «Ich hatte fast einen Schock», so Lilly Eggimann. Und Heidi Huber fügt an: «Lilly wäre traurig, wenn sie immer allein sein müsste. Ich bin die Fröhliche. Sie braucht mich.» Der Heimleiter machte deshalb eine Ausnahme für die beiden.

Schweiz aktuell, 28.1.2021, 19:00 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Eine schwer verständliche Massnahme. Was ist mit den zahlreichen Heimbewohnern, die keine Angehörigen haben oder nur solche, welche ohnehin nie auf Besuch kommen? Es sollte doch möglich sein, den Teil der Bewohner, welche unter Einsamkeit leiden, während dem Essen und den Kaffeepausen im grossen Speisesaal so zu platzieren, dass der erforderliche Abstand zu einander gewährleistet ist. Ich kenne ein Heim, in dem das so erfolgreich ermöglicht wird.
  • Kommentar von Gema Genhart  (Gema)
    Kontakte zu unterbinden innerhalb einer Institution ist sehr asozial. Das scheint keine gute Ansatz zu sein. Wie sollen z. B. die verwirrten und desorientierten BewohnerInnen das Kontaktverbot umsetzen können?
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Entschuldigung wie kommen Sie darauf, dass alle Bewohnerinnen
      verwirrt oder desorientiert sind. Im Gegenteil, es gibt viele alte Menschen
      die körperlich sehr reduziert sind, aber geistig noch voll im Einsatz. Wenn
      man sie aber in eine Isolation zwingt, dann lassen diese Kräfte schnell
      nach. Sie benötigen den täglichen geistigen Austausch.
  • Kommentar von Claudia Boesch  (C.Boe.)
    Es sind beide Modelle nicht ganz richtig. Denn einfach den Bewohner unter sich den Kontakt zu verbieten geht genauso wenig, wie einfach alle Besucher auszuschliessen. Bei den Kontakten unter den Bewohner weiss man im Haus eigentlich, wer oft zusammen ist und dies geniesst und sucht. Daher könnte man solche Gruppen weiterhin erlauben. Und bei Besuch von aussen braucht es Test und die Absicherung, dass diese Personen sich geschützt haben.