Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Vertrauen oder Misstrauen Darum haben wir Mühe, uns an Corona-Regeln zu halten

Die Coronapandemie dauert seit Monaten an, der Ausnahmezustand wurde zum Dauerzustand. Die Meinungen zu den Massnahmen, welche die Kantone und der Bund treffen, gehen auseinander. Aber wieso fällt es den Menschen teils so schwer, die Massnahmen und vor allem die Empfehlungen einzuhalten? Und woher kommt das Misstrauen?

Die Pandemie stellt für die Menschen weltweit eine vollkommen neue Situation dar. Beinahe täglich erfahren wir von neuen Empfehlungen und Massnahmen. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass die Pandemie auch für die Behörden alles andere als gewöhnlich sei, sagt der Psychologe Dieter Sträuli.

Video
Aus dem Archiv: Auch Bürgerliche wollen strengere Covidmassnahmen
Aus Tagesschau vom 16.12.2020.
abspielen

Diese müssten ihre Massnahmen täglich revidieren, um die Menschen zu schützen, was das Misstrauen begünstige. «Natürlich ist es einfach, den Bundesrat nachträglich zu kritisieren, weil er ständig Anpassungen trifft, aber das ist das Richtige.»

Auch auf kritische Stimmen muss man hören.
Autor: Dr. Dieter SträuliPsychologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter, UZH

Umgekehrt wollten die Menschen wissen, was Sache ist. Das könnte man ihnen aber nur sagen, wenn man den Verlauf der Pandemie voraussagen könnte, was man nicht kann. Es gelte daher, den Expertinnen und Experten zu vertrauen, was nicht immer einfach falle. Denn von den Menschen würden Änderungen verlangt, die tief in deren Alltag eingreifen. Zudem gingen Stimmen von Fachleuten, zum Beispiel Ärzten, zum Teil auseinander. «Aber auch auf kritische Stimmen muss man hören», so Sträuli.

Gruppendruck beeinflusst das Verhalten

Auch psychologische Gründe bestimmen mit bei der Einhaltung der Massnahmen, wie eine Studie von Ranas, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs Eawag und der ETH zeigt. «Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Schweizerinnen und Schweizer sich stark daran orientieren, wie sich die andern verhalten. Das Gefühl der sozialen Norm spielt also eine Rolle», wie der Umweltwissenschaftler Max Friedrich von Ranas erklärt.

Die Schweizer orientieren sich stark am Verhalten anderer.
Autor: Dr. Max FriedrichUmweltwissenschaftler Ranas

Waschen die anderen sich die Hände? Halten sie Abstand? Isolieren sie sich? Den Menschen falle das Einhalten der Massnahmen also schwer, wenn sie nicht ausreichend das Gefühl haben, dass alle um sie herum diese auch einhalten.

Ein weiterer psychologischer Aspekt sei die Hilflosigkeit. Wer das Gefühl hat, er oder sie könne die Verhaltensempfehlungen wie Händewaschen oder das Einhalten des Abstands nicht umsetzen, versucht es oft gar nicht erst. Hier kommt das Selbstmanagement zum Zug: «Wer sich der eigenen Absichten sehr bewusst ist, kriegt das im Alltag auch besser hin», so Friedrich.

«Coronagerechte» Vorausplanung

Friedrich empfiehlt, sich den Alltag «coronagerecht» vorauszuplanen: Man könne beispielsweise Desinfektionsmittel, Masken und Taschentücher neben den Hausschlüssel legen und somit vorbereitet sein.

Auch sei es hilfreich, sich das eigene Verhalten in bestimmten Situationen zu überlegen, beispielsweise das Händeschütteln. «Wenn man sich im Voraus überlegt, wie man reagieren will, kann man den Plan abrufen und sich dementsprechend verhalten.» Dies müsse jedoch jeder für sich machen und sich durch die eigene Planung unterstützen.

Richtige Kommunikation und Eigeninitiative

Ansätze, wie die Menschen die Massnahmen langfristig akzeptieren und einhalten werden, gibt es also mehrere. Für den Psychologen Dieter Sträuli sind die magischen Worte Kommunikation, Information und Erklären.

Für Max Friedrich sind die sozialen Normen und die richtigen Botschaften zentral: «Man soll den Menschen zeigen, was von ihnen erwartet wird.» Der unklare Verlauf der Pandemie fordert jedoch in jedem Falle Eigeninitiative und persönliche Strategien, um sich langfristig an die Verhaltensempfehlungen und -regeln zu halten.

Echo der Zeit, 11.12.2020, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

33 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich bin ohnehin kein Partymensch und wer jetzt noch Party machen will hat nicht alle Tassen im Schrank. Ich halte mich an die Regel: Abstand, Maske, Hygiene und bin bisher gut damit gefahren. Das gilt für mich, auch wenn ich es lieber anders haben möchte, auch über die Festtage.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Peter  (HPet)
    Es liegt wohl eher daran, dass das Virus nur in der Freizeit als gefährlich eingestuft wird.
    Arbeiten? - kann man.
    Im vollem Zug zur Arbeit? - kein Problem.
    Familie treffen? - auf gar keinen Fall.

    Kommt es jetzt vor Weihnachten zum Lockdown, dann sind wir eindeutig Sklaven der modernen Gesellschaft... entweder ist das Virus gefährlich und auch die Arbeit soll zurückgeschraubt werden oder es ist es eben nicht!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
      Genau diese Einstellung vertrete ich seit März. Danke!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Das Vertrauen und der Wille,selbst sinnvolle Massnahmen wie Hände waschen, Distanz halten, sich (drinnen) mit möglichst wenig Menschen treffen, etc.,geht spätestens dann verloren, wenn - einfach dass etwas gemacht wird - reine Alibi- oder sogar eindeutig kontraproduktive Massnahmen angeordnet werden. Dazu gehört die Verkürzung der Öffnungszeiten von Läden und Freizeiteinrichtungen bzw. letztere sogar ganz zu schliessen,was die Leute zwingt, mehr Kontakte zu haben bzw zu privaten Partys motiviert
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michael Henke  (mhzh)
      Jetzt Party zu machen, wo denn auch, ist schwachsinn. Während eine Pandemie soll keiner sich dazu motivieren lassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen