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Vertrauen trotz Coronavirus Umfrage: Demokratiekrise? Nicht in der Schweiz

Corona ist eine Herausforderung – auch für unsere Demokratie. Doch die Pandemie führte nicht zu einer Vertrauenskrise.

Das helvetische Politsystem lebt von der politischen Debatte und von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Beides war dieses Jahr wegen der Coronakrise während Wochen jedoch nicht mehr möglich: Politische Versammlungen und Debatten waren untersagt, weil sie ein zu grosses Ansteckungsrisiko darstellten.

Video
So funktioniert die direkte Demokratie in der Schweiz
Aus News-Clip vom 22.01.2016.
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Politik teilweise lahmgelegt

Das Parlament brach im März seine Session ab, um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Und zum ersten Mal seit 70 Jahren verschob der Bundesrat sogar einen Abstimmungssonntag, nämlich jenen, der im Mai vorgesehen gewesen wäre. In jener ausserordentlichen Lage war also der schweizerische Politbetrieb weitgehend gelähmt, der Bundesrat regierte per Notrecht.

Bundeshauskuppel.
Legende: Trotz Krisen überall: Eine Demokratie-Krise durchlebt die Schweiz nicht. Keystone

Vertrauenskrise?

Wie sehr haben diese aussergewöhnlichen Ereignisse das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die Demokratie geschwächt? Das wollte die Larix Foundation wissen, eine Stiftung, die sich (nach eigenen Angaben) für eine freiheitlich zukunftsorientierte Schweiz einsetzt. Sie gab deshalb eine Umfrage bei mehr als 3’000 Schweizerinnen und Schweizern in Auftrag.

Technische Eckdaten zur Umfrage

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  • Umfrage des gfs.bern und des Politologieinstituts der Universität St. Gallen. Im Auftrag der Larix Foundation.
  • Befragungszeitraum: 11.08. - 07.09.2020
  • Total Befragte: 3298
  • Datenerhebung: gfs.bern-Panel (N= 1003, per Einladung) & online opt-in (N=2295, per freien Zugang über die sozialen Netzwerke sowie online-News-Plattformen). Alle Angaben anpassungsgewichtet nach soziodemographischen Merkmalen zur möglichst repräsentativen Abbildung der Bevölkerung.
  • Geschätzter Fehlerbereich: ± 2 Prozentpunkte für Schätzungen basierend auf der gesamten Stichprobe
    (bei 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit)

Hohe Zufriedenheit

Die Resultate zeigen nun, dass die Coronakrise den Glauben der Bevölkerung ans Schweizer System nicht erschüttert hat: Zwei Drittel der Befragten gaben an, dem Politsystem zu vertrauen, und sogar drei Viertel sind mit dem System zufrieden. Man könne also keinesfalls von einer Demokratiekrise sprechen, hält Politikwissenschaftlerin Tina Freyburg von Uni St. Gallen fest, die die Umfrage im August und September durchgeführt hat.

Internationale Spitze

Damit gehört die Schweizer Bevölkerung weiterhin zur weltweiten Spitzengruppe in Sachen demokratischer Zufriedenheit. Zum Vergleich: Gemäss Eurobarometer zeigten sich im letzten Jahr durchschnittlich fast 60 Prozent der Westeuropäerinnen und -europäer unzufrieden mit der Demokratie ihres Landes.

Helvetische Besonderheiten

Das hohe Vertrauen in die Politik in der Schweiz führt Martin Hartmann, Professor für Philosophie an der Universität Luzern, auf zwei Schweizer Besonderheiten zurück: auf die direkte Demokratie und auf das Milizsystem. Wer mehr Mitsprache habe, sehe sich eher als Teil des Systems und vertraue diesem stärker, so Hartmann. Und das Milizsystem erleichtere die Identifikation mit dem politischen Personal.

Zweifelnde Frauen

Trotz dieser hohen Zufriedenheit mit dem politischen System macht die Umfrage auch negative Aspekte deutlich: So zweifeln gut 40 Prozent der Befragten daran, dass ihre Stimme von der Politik gehört wird. Sie fühlen sich also ungenügend repräsentiert.

Und in dieser Frage zeigt sich zudem ein deutlicher Geschlechterunterschied: So sind Frauen deutlich weniger davon überzeugt, sie könnten in der Politik etwas bewegen, als Männer. Während fast drei Viertel aller Männer glauben, dass sie politisch Einfluss nehmen können, ist dies nur bei gut der Hälfte aller Frauen der Fall.

Noch Aufholbedarf

Auch knapp 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechtes ist das weibliche Geschlecht in den nationalen und kantonalen Regierungen, in den Parlamenten und in den Führungsspitzen der Unternehmen weiterhin in der Minderheit. Und die Frauen fühlen sich von der Politik weniger gehört. – Da bleibt für die Gleichstellung der Geschlechter also noch einige Arbeit.

SRF 4 News, 20.10.20, 16.00 Uhr

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Die Demokratiekrise
    war Laengst da, nicht erst durch die Pendamie, hoechstens sichtbarer geworden
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  • Kommentar von Aaron Teuscher  (Aaron Teuscher)
    Ich staune nicht schlecht ab diesen Kommentaren. Der Bund, die Regierung ist an allem Schuld. Selber natürlich unfehlbar und allzeit bereit sich bedienen zu lassen.
    Es ist zum Beispiel an uns, dass wir Abstand halten und Händewaschen.
    Zur Zeit machen wir uns ein wenig lächerlich mit unserer Ansteckungskurve, ist aber auf unser egoistisches Verhalten zurückzuführen und sicher nicht auf die Politik.
    Wir Schweizer sind irgendwie nicht führbar in einer Krise....
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    1. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      @Aaron Teuscher. Steigen die Fallzahlen, so haben sich die Menschen falsch verhalten, sinken sie (die Fallzahlen), dann haben die Massnahmen gewirkt. Merken Sie etwas? ES GIBT KEINE EVIDENZ.
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  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Ich habe alle Kommentare gelesen und komme teilweise nicht zum Staunen heraus. Viele wissen nicht mehr wie Politik funktioniert und denken nur noch an sich. Wenn man meint auf nichts verzichten zu können, ist man zu hundert Prozent auf dem falschen Weg. Wenn man schaut, wie schnell sich die Gegebenheiten bei Corona ändert, kann es doch nicht sein, dass vor einer Massnahme eine Befragung gestartet werden sollte. Wir haben das Epidemiegesetz und nach dem arbeitet der Bundesrat.
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    1. Antwort von Gabriella Itin  (Salat)
      Ansichtssache für mich nur eine Grippe also keine Epidemie ! Deshalb für mich, die falsche Massnahme .
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    2. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Markus Somm, teile meistens nicht seine Argumente, hat im Tagi einen gute Aussage gemacht:
      "Es lässt sich gut über den Frieden schwadronieren, wenn andere ihn für uns beschützen."

      Mit der Demokratie in diesen Land ist gleich:
      Es lässt sich gut über die Demokratie schwadronieren, wenn andere sich darum kümmern.

      Dafür hat man genügend Zeit um auszurufen, was die anderen alles falsch machen. Wer nichts tut, macht auch keine Fehler.
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    3. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Markus Somm, teile meistens nicht seine Argumente, hat im Tagi einen gute Aussage gemacht:
      "Es lässt sich gut über den Frieden schwadronieren, wenn andere ihn für uns beschützen."

      Mit der Demokratie in diesen Land ist gleich:
      Es lässt sich gut über die Demokratie schwadronieren, wenn andere sich darum kümmern.

      Dafür hat man genügend Zeit um auszurufen, was die anderen alles falsch machen. Wer nichts tut, macht auch keine Fehler.
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