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Schweiz Verwahrte sollen mehr Freiheiten erhalten

Verwahrte Personen sollen bessere Haftbedingungen haben als normale Insassen im Strafvollzug. Das fordert eine Studie, die der Bund in Auftrag gegeben hat und «10vor10» vorliegt. Der Bericht kritisiert, dass Verwahrte nach Verbüssung ihrer Strafe weiterhin im normalen Strafvollzug leben müssen.

Legende: Video Bessere Haftbedingungen für Verwahrte? abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.06.2016.

In der Schweiz leben heute 132 verwahrte Personen. Viele unter ihnen leben im normalen Strafvollzug, obschon sie ihre Strafe schon verbüsst haben. Professor Jörg Künzli von der Universität Bern kritisiert diese Praxis scharf: «Internationale Standards fordern ganz klar, dass Verwahrte nach Verbüssung ihrer eigentlichen Strafe besser behandelt werden müssen als normale Insassen.»

Blick aus einem vergitterten Fenster in der Strafanstalt Poeschwies, wo Verwahrte untergebracht sind.
Legende: In der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf sind Verwahrte untergebracht (Archivbild). Keystone

Jörg Künzli fordert deshalb in seinem Bericht, dass die Schweizer Strafanstalten eigene, spezielle Abteilungen für Verwahrte bauen müssen. Dort sollen Verwahrte grosszügigere Besuchsrechte, längere Aufenthalte im Freien und Zugang zu modernen Kommunikationsmitteln wie Skype erhalten. Ältere und körperlich angeschlagene Personen seien zudem zwingend aus der Haft zu entlassen und in geeignete Einrichtungen zu versetzen.

Forderungen werden kritisiert

Thomas Fritschi, Präsident der Schweizerischen Justizvollzugsämter, beurteilt den Bericht kritisch: «Neue Abteilungen für Verwahrte sind mit finanziellen und personellen Aufwänden verbunden. Viele Kantone sind in finanziellen Schwierigkeiten. Diese Forderungen sind deshalb kaum umzusetzen.»

Legende: Video Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger zur Verwahrung abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.06.2016.

Zudem würden einige Verwahrte schon heute von speziellen Haftbedingungen profitieren, so Fritschi weiter. Neuste Zahlen zeigen: Von den 132 Verwahrten leben heute schon 17 Verwahrte ausserhalb von dicken Gefängnismauern. Sie sind in Wohn- und Arbeitsheimen untergebracht. Also in praktischer Freiheit.

Diese Praxis wird von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli kritisiert. Zusätzliche Hafterleichterungen, wie sie der Bericht fordert, lehnt sie ab: «Verwahrte in der Schweiz haben es heute im Vergleich zum Ausland wirklich gut. Dass man nun den Vollzug noch liberaler gestalten will, verstehe ich nicht.»

Bund und Kantone wollen den Bericht des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte nun prüfen. Ob und wie die Haftbedingungen für Verwahrte angepasst werden, ist im Moment noch unklar.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    M.Jaiza, 23.6./11:01 "Man kann diese Leute nicht auf unbestimmte Zeit einsperren, ohne ihnen einen menschen-würdigen Rahmen zu gewähren" Das hiesse ja, dass alle armen Gefangenen in CHer Knasts ein menschenunwürdiges Dasein fristen. Sind die auf einer Luxuskreuzfahrt? Welcher Bürger kann sich das leisten wie zB auf dem Thorberg: 120 Mitarbeitende sorgen für 180 Insassen aus 40 Nationen. Sicherheit+Beschäftigung, Freizeitgestaltung, Fitness, Bildung, Therapien, Essen, Designzelleinrichtungen usf.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Verwahrung ist eine politisch-geprägte Unsitte aus Deutschland und bewirkt nur, dass man aus Tätern Opfer macht, indem man sie nach dem Verbüssen der Strafe nochmals bestraft (siehe EGMR Urteil Dez. 2009). Das Strafmass ist bei Sexualdelikten (20 Jahre mindestens; bei Todesfolge 100 Jahre) massiv zu erhöhen. Das hat abschreckende Wirkung und wird auch den Opfern gerecht. Heute wird ja schärfer bestraft, wer Steuern hinterzieht und zu schnell fährt, als einer der eine Frau vergewaltigt.
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pur l'art)
    Der Unterschied zwischen Verwahrung und Strafe wurde bereits unten bei den ersten Kommentaren aufgezeigt - dennoch wird bis weit oben das vermischt. Seid Ihr dermassen lese - und lernresistent? An die Adresse des SRF: Weshalb wird immer wieder Fräulein Rickli mit ihren komplett unqualifizierten und abstrusen Aussagen zitiert? Sie hat keinerlei entsprechende Ausbildung oder qualifizierte Allgemeinbildung, was bei ihren Statements jedes Mal auffällt und Kopfschütteln evoziert.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Das ist das Wesen der Demokratie. Um eine Meinung zu äussern oder eine Stimme abzugeben braucht man von der Materie nichts zu wissen.
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