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Kitas klagen über Personalmangel
Aus Rendez-vous vom 05.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
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Viel Verantwortung, wenig Lohn Kita-Personal hat genug

Die Berufsgruppe formiert sich und will für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Rebecca Lüthi schloss 2013 ihre Lehre zur Fachfrau Betreuung (Fabe) ab. Ein paar Jahre arbeitete sie in einer Kindertagesstätte – dann hatte sie genug. «Weil ich im Alter von 25 Jahren kurz vor dem Burnout stand.» Das Problem: Zu wenig qualifiziertes Personal und ein tiefer Lohn von 4200 Franken für eine 100-Prozent-Stelle – mit mehrjähriger Berufserfahrung.

Die Kita, in der Lüthi arbeitete, hielt sich an die kantonalen Vorgaben. Diese geben vor, dass auf sieben Kinder eine ausgebildete Person anwesend sein muss. Aber: Ab dem achten Kind muss zwar eine zweite Person anwesend sein, diese muss aber nicht für die Kinderbetreuung ausgebildet sein. «Das kann auch der Koch oder der Gärtner sein», sagt Lüthi. Die gesamte pädagogische Verantwortung lastete dann auf den Schultern der jungen Fachfrau. Sie kündigte und machte sich als Tagesmutter selbstständig.

Fluktuation ist eine grosse Herausforderung

Kein Einzelfall, sagt Estelle Thomet vom Kita-Dachverband Kibesuisse. «Unsere Mitglieder melden uns, dass die Personalfluktuation eine grosse Herausforderung ist.» Von einem generellen Fachkräftemangel will Thomet nicht sprechen. Es sei aber schwierig, nebst jungen Lehrabgängerinnen auch Personal zu rekrutieren, das über mehr Erfahrung verfüge.

Zum gleichen Schluss kommt Bettina Grubenmann vom Fachbereich Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Gallen. «Es ist nicht so, dass es zu wenig Personal oder gut ausgebildete, junge Nachwuchskräfte gibt.» Aber die Arbeitsbedingungen, der Lohn und die Weiterbildungsmöglichkeit seien für junge Berufsleute nicht sehr ansprechend.

Erwachsene Person hält Kind an der Hand
Legende: Vor allem die Rekrutierung von erfahrenem Personal stellt Kindertagesstätten oft vor Probleme. Keystone

Die Kitas werden grösstenteils durch die Eltern finanziert, zusätzlich bekommen viele Subventionen von Kantonen, Gemeinden oder Arbeitgebern. Ihr finanzieller Spielraum ist sehr beschränkt.

Problematisch seien nicht nur der schlechte Lohn und die stressigen Arbeitstage. Es fehle auch an Perspektiven, so Grubenmann. Die Durchlässigkeit zu höheren Fachschulen sei zwar gegeben, werde aber kaum genutzt. Denn gerade kleine Kitas können nicht auf ihre Mitarbeiterinnen verzichten. Auch ist der Anteil von Personen, die eine Berufsmatur machen, bei den Fabes verhältnismässig tief.

Betroffene schliessen sich zusammen

Rebecca Lüthi kehrte dem Beruf zwar den Rücken, setzt sich aber dennoch für bessere Bedingungen ein. Sie hat sich mit anderen Betroffenen zur Bewegung «Trotzphase» zusammengeschlossen. Sie wollen auf die Arbeitsbedingungen in Kitas aufmerksam machen – etwa auf Twitter mit dem Hashtag #kitaamlimit, mit Demonstrationen und in dem sie das Gespräch mit der Politik und mit Trägerschaften von Kitas suchen, um Verbesserungen zu ermöglichen.

Nur was «Verbesserung» bedeutet, ist politisch sehr umstritten. Linke rufen nach mehr staatlichen Geldern, Bürgerliche setzen eher auf wenig Vorgaben und viel Freiräume für die Kitas. Und dann geht es auch um eine grundsätzliche Frage: Sind Kitas Orte, an denen die Kinder gehütet werden – oder sind es Orte, an denen die Kinder gefördert werden. Auch davon hängt ab, wie die Richtlinien aussehen, für die die Kantone zuständig sind.

Klar ist: Wenn es in den Kitas nicht zu einem flächendeckenden Personalmangel kommen soll, dann müssen mehr Betreuungs-Fachpersonen in ihrem Beruf bleiben.

Rendez-vous, 5.2.2020, 12.30 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Wie passt das zusammen: 2 Wochen Vaterschaftsurlaub und danach die Kinder möglichst schnell in die Kita abschieben?
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Es liegt primär in der Verantwortung der Arbeitgeber, Löhne zu bezahlen, die einen minimalen Lebensstandard erlauben. Wenn dies nicht via Gesamtarbeitsverträge (GAV) oder Normalarbeitsverträge (NAV) erreicht werden kann, müssen subsidiär gesetzliche Bestimmungen für Minimallöhne erlassen werden.
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  • Kommentar von Jeannette Werder  (Jot)
    Wer eine starke und gesunde Gesellschaft will, muss beginnen in Beziehungen investieren. Das fängt im Babyalteralter an. Durch Fremdbetreuung kan ein Vertrauensbruch mit bleibenden emorionalen Schäden entstehen. Weshalb brauchen heute so viele Menschen Hilfe bei kostspieligen Psychologen und Psychiatern? Ich bin auch entsetzt über die Tatsache, dass es Kinder gibt, die ihre Beziehung zu ihren eigenen Eltern für immer abbrechen!
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    1. Antwort von Samuel Egger  (S.Egger)
      mein Göttikind wird an 3 Tagen pro Woche fremdbetreut; und ist ein absolut "normales" und anständiges Kind. Ich kenne dafür Kinder, deren Mutter vollzeit zuhause ist, die echt "abnormal" sind. Also, bitte keine Pauschalkritiken. Jede Familie hat und darf ihre eigene Lösung haben; ob gut oder schlecht für den Nachwuchs, ist immer individuell.
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    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Stimmt und das ist wissenschaftlich bewiese, dazu google man unter "Urvertrauen".
      @Egger. Sie haben die Altersangabe vom Göttikind vergessen, ab dem 3. Lebensjahr sind ein paar Tage Fremdbetreung nicht schädlich.
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