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Wie neue Steinkauz-Generationen im Seeland bessere Chancen bekommen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 15.02.2021.
abspielen. Laufzeit 06:51 Minuten.
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Vogelschutz-Projekt Bäume fällen, um dem Steinkauz zu helfen

Steinkäuze sind selten in der Schweiz. Ein Projekt im Landwirtschaftsgebiet will ihnen helfen. Dazu müssen Pappeln weg.

20 Meter hoch stehen mehrere Pappeln entlang eines Entwässerungskanals im Grossen Moos im Berner und Freiburger Seeland, dazwischen Nadelhölzer und verkümmerte Sträucher. «Ein Steinkauz sieht hier einen Wald», sagt Lucas Lombardo vom Vogelschutzverband Birdlife.

Verschneite Felder aus der Vogelperspektive, auf einer Linie stehen dicht gedrängt verschiedene Bäume.
Legende: Für den Steinkauz ist eine dichte und hohe Hecke ein Hindernis, das er meidet: Dort könnte Gefahr lauern. Foto: BirdLife Schweiz

Wald bedeutet für den Steinkauz Lebensgefahr: Im Wald leben nämlich Waldkäuze. Diese sind zwar auch eine Eulenart, sie fressen aber die kleineren Steinkäuze. Tatsächlich seien hier auch schon Waldkäuze gesichtet worden, sagt Lombardo von Birdlife.

Waldkauz-Kopf von nah, flauschig-braun-weisses Gefieder, gelber Schnabel, schwarze Augen
Legende: Der Waldkauz: Er frisst vorab Mäuse, mag aber auch Steinkäuze. Diese sind deutlich kleiner als der Waldkauz. Keystone

Im Grossen Moos führt das dazu, dass sich Steinkäuze nicht auf die andere Seite des Entwässerungskanals trauen, um dort neue Reviere zu gründen. Wenn die Steinkauz-Jungen ein neues Revier suchen, stossen sie beim Pappeln-Nadelholz-Wald auf eine Barriere. Die soll nun weg.

Es gibt wieder mehr Steinkäuze

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Anfang der Nullerjahre gab es in der Schweiz nur noch kleine Restpopulationen von rund 50 bis 60 Brutpaaren. Das Problem des Steinkauzes war nicht nur der Waldkauz – ein Grossteil seines Lebensraums fiel Gebäuden und intensiver Landwirtschaft zum Opfer.

Nachdem der Steinkauz vorübergehend fast ausgestorben war, bekam er Hilfe. Seine Lebensräume wurden aufgewertet. So zählte Birdlife letztes Jahr wieder 149 Reviere in der Schweiz. Allein im Grossen Moos leben drei Paare.

Zudem gibt es Steinkäuze im Kanton Genf, Tessin, in der Nordwestschweiz rund um Basel und in der jurassichen Ajoie.

Die Bäume werden gefällt, damit die Steinkäuze keinen Wald, sondern eine lichte Hecke sehen. «Wir hoffen, dass sie sich danach auch auf die andere Seite des Kanals wagen», sagt Lombardo.

Zwei Steinkäuze; braun-hell gescheckt mit gelben Augen
Legende: Je 20 cm klein, 200 Gramm leicht und bald Eltern von Steinkauz-Nachwuchs? Foto: Mathias Schäf

Birdlife führt das Projekt gemeinsam mit dem Kanton Bern durch, der für die Pflege des Entwässerungskanals und dessen Bepflanzung zuständig ist.

Gefällt werden vor allem Pappeln. Die mögen zwar das Landschaftsbild prägen, heimisch sind sie hier jedoch nicht. «Der Ökologie bringen sie wenig», sagt Lucas Lombardo von Birdlife. Darum werden sie entlang des Entwässerungskanals im Grossen Moos gefällt, zusammen mit Nadelhölzern und kranken Sträuchern.

Gefällte Pappel am Boden und auf einem Traktorfahrzeug aufgeladene Äste einer Pappel
Legende: Eine Pappel weniger: Das gibt Licht für einheimische Sträucher. Und eine bessere Umgebung für den Steinkauz. Elisa Häni/SRF

Profitieren sollen auch andere Arten wie die Dorngrasmücke oder die Nachtigall sowie eine ganze Palette weiterer Tierarten. Ein Teil der gefällten Bäume wird als Asthaufen oder Holzbeigen in der Gegend verteilt. Totes Holz zieht Insekten an: Käfer, Regenwürmer, Mäuse. Diese wiederum vergrössern das Nahrungsangebot für Vögel und andere Tiere.

85er-Briefmarke mit gezeichnetem Wiesel
Legende: Auch das bedrohte Wiesel soll von den Massnahmen im Grossen Moos profitieren. Es mag Strukturen wie Asthaufen. Keystone

Auf solchen Asthaufen könnten künftig auch Steinkäuze beobachtet werden. Die Vögel sitzen dort gerne und halten Ausschau – sofern kein Wald in der Nähe ist.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 15.02.2021, 17:30 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Und wenn der Bauer die Pappeln fällen möchte (keinen grossen ökologischen Wert), würden sich die Natürschützer mit Ketten an die Bäume binden...
    Für wie doof werden eigentlich unsere freilebenden Tiere gehalten?
    Aus meiner Sicht ist das Ganze eine reine Beschäftigungstherapie für überzählige Holzfäller, begründet mit Naturschutz und daher bezahlt aus vollen Subventionstöpfen.
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Die Renaturierung beginnt im eigenen Garten. Neophyten raus und heimische Pflanzen rein, dann etwas verwildern lassen, und schon sichtet man seltene Insekten und Vögel ;-)
  • Kommentar von René Wamister  (Wami)
    Habe mir den Ruf des Steinkauz angehört in ihrem Beitrag. Danach wollte ich mehr zu diesem wunderbaren kleinen Kauz auf der Seite von Vogelwarte Sempach anschauen. Da habe ich festgestellt, das da der Steinkauz ganz anders „tönt“. Kann das so variieren oder liegt da ein Fehler vor?
    1. Antwort von Urs Vetterli  ()
      Das haben Sie schon richtig bemerkt. Das Problem ist, dass beim Steinkauz ein offenbar hoch erregtes Rufen und nicht wie beim Waldkauz der klassische Ruf im Bericht vorgespielt wird. Ist tatsächlich irreführend.
      Wenn Sie sich ernsthaft für Vogelstimmen interessieren, empfehle ich Ihnen die kostenpflichtige, aber sehr gute App: Die Stimmen der Vögel Europas (oranges Symbol mit weissem Vogel mit Schallwellen)
    2. Antwort von Katharina Kauz  (Katharina Kauz)
      Ihr habt den Kauz gerufen? Jetzt bin ich da!