Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Parlamentarier werden eingeschüchtert, bedroht, beleidigt abspielen. Laufzeit 07:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.05.2019.
Inhalt

Von Sexismus bis Morddrohungen Wie Parlamentarier bedroht und beschimpft werden

  • 58 Prozent der Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Bundeshaus geben an, immer wieder mal bedroht zu werden.
  • Das ergibt eine Umfrage von RTS, an der 124 Politiker teilgenommen haben.
  • Weitere 78 Prozent sagen, dass sie regelmässig per Post, Email, Mobilfunk oder in sozialen Netzwerken beleidigt werden.
  • Frauen sind deutlich stärker von sexistischen Beleidigungen betroffen.

Beschimpft werden die Politikerinnen und Politiker besonders im Zusammenhang mit ihrer Partei (54 Prozent) und ihrer Ideologie (47.8 Prozent). Frauen werden zudem sehr häufig durch sexistische Kommentare beleidigt: Fast 90 Prozent klagen darüber. Männer betrifft dies nur in 5.5 Prozent der Fälle.

Legende:
Arten der Übergriffe insgesamt (in Prozent) rts.ch

Auch von sexuellen Beleidigungen sind die Umfrageteilnehmer betroffen. Hier sind ebenfalls die Frauen öfter Opfer der Übergriffe. Diese nehmen teils pornografische Formen an: «Ich erhielt per Post eine Fotomontage meines Kopfes, der auf den Körper einer Frau in einer sexuellen Stellung geklebt war», erzählt eine Parlamentarierin, die anonym bleiben möchte.

Legende:
Arten der Übergriffe bei Frauen (in Prozent) rts.ch

Männer sind dafür häufiger homophoben Beschimpfungen ausgesetzt. Auch wenn diese Äusserungen mit 7.1 Prozent im Vergleich eher einen geringen Anteil der Beschimpfungen ausmachen, werden die Männer dafür mit 12.7 Prozent deutlich mehr zur Zielscheibe.

Legende:
Arten der Übergriffe bei Männern (in Prozent) rts.ch

Mord- und Vergewaltigungsandrohungen

Bei den Bedrohungen spielt das Geschlecht eine weniger starke Rolle. 66 Prozent der Frauen und 54,7 Prozent der Männer geben an, bedroht zu werden. Betroffene berichten von Mord- und Vergewaltigunsandrohungen, toten Tieren im Briefkasten oder einer Kugel im Briefumschlag.

Dies kann im Ernstfall zu Polizeischutz führen, wie bei SVP-Nationalrat Mike Egger. Er erhielt konkrete Drohungen, beseitigt zu werden und wurde verfolgt.

Strafrechtliche Konsequenzen

Auch SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen wurde schon mehrfach massiv bedroht. Auch sie erhielt Polizeischutz und eine kugelsichere Weste. In den letzten vier Jahren hat sie 15 Verfahren eingeleitet, von denen zwei zu Verurteilungen geführt haben und zwei noch andauern. Wie Margret Kiener Nellen gaben noch zehn weitere Umfrageteilnehmer an, ein Strafverfahren eingeleitet zu haben. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) registrierte im Jahr 2018 über 669 Drohungen gegen Politiker, Richter und Bundesbeamte.

Legende: Video Nationalrätin Kiener Nellen erzählt, wie sie bedroht und beschimpft wurde abspielen. Laufzeit 01:12 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.05.2019.

Andere relativieren die Drohkultur, wie etwa der Waadtländer SVP-Nationalrat Michaël Buffat: «Ich erhalte regelmässig spitze Bemerkungen nach Auseinandersetzungen betreffend dem Asylrecht oder der EU. Beim ersten Brief wurde mir mulmig, aber man gewöhnt sich daran – es ist Teil der Politik.»

Einmal wöchentlich bis einmal jährlich

Die Frequenz, wie häufig die Befragten auf verschiedenen Kanälen bedroht werden, variiert stark. Die Mehrheit (38 Prozent) wird ein- bis fünfmal pro Jahr Opfer solcher Vorkommnisse, gefolgt vom zweitgrössten Teil (32 Prozent), bei denen es schon ein - bis fünfmal pro Monat sind.

Legende:
Häufigkeit der Übergriffe (in Prozent) rts.ch

Stichprobenartige Umfrage des RTS

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Umfrage wurde per E-Mail an alle 246 Parlamentarier geschickt. Insgesamt antworteten 124 Personen, von denen 11 nicht an der Umfrage teilnehmen wollten. Die Stichprobe basiert daher auf 113 Teilnehmern, davon 75 Männer und 28 Frauen. Es ist anzumerken, dass der Frauenanteil im Parlament aktuell 28.9 Prozent beträgt.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück. Warum wohl entstehen Aggressionen?
    Nur ein Beispiel: Unsere ach so sozialen und netten Politiker wollen das Trinkgelder versteuert werden, während genau diese Leute jammern wenn sie ihre 10000.-/Jahr Sitzungsgelder (die sie noch nicht mal besuchen müssen) versteuern sollten. Aber die sind ja so arm, man erlässt ihnen deshalb die Steuern auf die Spesen. Und so geht es Tag für Tag. Die bauen uns ab um sich selber aufzubauen. Wann wählen wir die ab?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Fortsetzung: Drohgebärden (völlig unberechtigter Weise!!) sind leider ziemlich salonfähig geworden. Beispiel: Jemand betrat seinen Burgerwald und entdeckte einen Mann mittleren Alters, der achtlos Kehricht auf den Waldboden warf. Der Burgerwaldbeaufsichtiger stellte den Mann und sagte zu ihm:"Was tun Sie da, einfach Kehricht in den Wald werfen?"Dieser erwiderte(berndeutsch): "Haut d' Schnure, schüsch verschla n'i di!. Solches ist leider kein Einzelfall.Hier gilt demgegenüber:Anstand vorzuleben!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Das macht mich traurig und wütend zugleich, was hier berichtet wird. Leute so zu bedrohen und zu beleidigen, dafür gibt es nicht die geringste Rechtfertigung. Das Primitivste ist, dass solches anonym geschieht. Wo sind wir z. T. hier in der Schweiz angekommen?Die Werteerziehung (Respekt, Achtung vor dem anderen) muss schon dem Kind vorgelebt werden. Ein schlechtes Beispiel ist dort, wo Eltern z. B. dem Kind sagen: "Du musst dir nichts von der Lehrerin sagen lassen,keine Strafaufgaben, sonst"...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen