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Von wegen PR-Profis Das sind die wahren Bundesratsmacher

«Gebt mir eine Million und ich mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat», sagte einst ein PR-Pionier. Weit gefehlt.

Legende: Audio Die Bundesratsmacher abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
03:46 min, aus Rendez-vous vom 16.11.2018.

Die knackige Aussage über einen Kartoffelsack, der auf Bundesrat getrimmt wird, soll vom Zürcher Werbepionier Rudolf Farner stammen. Stimmen tut sie aber nicht, sind sich Politiker und Berater einig. Einen Bundesratssitz könne man sich nicht erkaufen.

Unter der Bundeshauskuppel gibt es einige Leute, die Bundesratsmacher werden wollen. Einer davon ist FDP-Ständerat Andrea Caroni. Zusammen mit anderen Freisinnigen ist er im Support-Team von Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter.

Schützenhilfe der Parteikollegen

Für Caroni ist klar: Am Anfang einer jeden Bundesratskarriere steht zuerst die Person selbst, also eine starke Kandidatur: «Dann braucht es natürlich Unterstützung – primär aus den eigenen Reihen.»

Diese Parteikollegen müssten sich zunächst dafür einsetzen, dass man es auf das Bundesratsticket der Fraktion schaffe. «Und schliesslich sorgen sie auch im Plenum dafür, dass man obenaus ausschwingt.»

Stefanie Baumann, SP (BE), Therese Meyer, CVP (FR) und Bundesraetin Ruth Metzler, von links,
Legende: Die Wahl der damals 33-jährigen Ruth Metzler (rechts) gelang auch mit der Unterstützung ihrer Parteikolleginnen. Keystone

Auch Krisen- und Kommunikationsberater Hans Klaus ist überzeugt, dass nicht Berater oder PR-Profis Bundesräte ins Amt hieven. Denn schliesslich müssten die 246 wahlberechtigten National- und Ständeräte überzeugt werden.

Und diese Arbeit machten Insider: «Das können Verbandspräsidenten oder Freundschaften innerhalb des Parlaments sein.» Diese würden bei ihren Kollegen ein gutes Wort einlegen.

Wie Metzlers Wahl orchestriert wurde

Klaus ist einer der es wissen muss, war er doch ehemaliger Kommunikationschef von Bundesrätin Ruth Metzler. Er kennt also die Mechanismen unter der Bundeshauskuppel. Die Wahl der jungen, nahezu unbekannten Frau vor ziemlich genau 20 Jahren war eine Sensation.

Massgeblich beigetragen zur Wahl Metzlers hat die damalige CVP-Vizepräsidentin und Nationalrätin Rosmarie Zapfl: «Ich habe sie zuerst angefragt, ob sie kandidieren würde.» Nach Metzlers Zusage habe sie in den Medien sofort klargestellt, dass sie selbst nicht kandidiere.

CVP-Frauen krempeln die Ärmel hoch

Soweit sie sich erinnern könne, habe die noch nicht mal 34-jährige Metzler kein externes Coaching genossen. Die Appenzeller Regierungsrätin sei von der Partei unter die Fittiche genommen worden, sagt Zapfl.

Metzler sei damals von den CVP-Frauen, vor allem deren damaliger Präsidentin Brigitte Hauser, gebrieft worden: «Wir alle haben ihr weitergeholfen, vor allem auch was die Anhörungen betrifft.»

Am Ende sind Bundesratswahlen unberechenbar.
Autor: Hans KlausKommunikationsexperte

Das unterstreicht die Aussagen von Kommunikationsprofi Klaus. Aktive und ehemalige Politiker und Bundesbeamte sind die besten Coaches für Bundesratskandidaten. Eine Garantie für die Wahl sind aber auch sie nicht.

Denn, so sagt es Hans Klaus: «Am Ende sind Bundesratswahlen unberechenbar.» Um diese Unberechenbarkeit einzuschränken, gibt es nichts anderes, als um jede der 246 Stimmen des Wahlgremiums zu kämpfen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Wer die Oberwalliserin Amherd seit Jahren in ihren Reden und Abstimmungsverhalten beobachtete, kann ruhig behaupten, dass bei einer Wahl der Briger-Stadtpräsidentin neben Berset und Sommaruga noch eine 3. (!) SP-Bundesrätin im Bundesrats-Sitzungszimmer sitzen würde!
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  • Kommentar von Silvio Silla (Silla)
    Ob bessere Bundesräte ins Amt gewählt würden, wenn sie das Volk wählt bezweifle ich auch. Ich möchte diesen Job sowieso nicht haben. Immer Zielscheibe für blöde Sprüche zu sein, liegt mir nicht. Mach es mal allen recht! Von wegen Bundesratmacher: Ich glaube auch Frank A. Meyer wurde da weit überschätzt. Oder er sich.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Nicht ein prall gefüllter Schulsack und hohes Politwissen haben Priorität, sondern eine spürbare Anpassungsgabe und zudem soll und muss er immer "pflegeleicht" sein. Christoph Blocher hielt sich damals in seiner 4-jährigen Amtszeit sehr oft nicht an diese "Schleicherart" und darum wurde er mit Applaus und Freudensprüngen aus dem Bundesrat abgewählt! Das ist eben schweizerischer , gelebter Internationalismus, wie ihn die Globalisierer und die Medien seit Jahren sehnlichst herbeiwünschen!
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