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Schweizer Starchirurg Prêtre unter Verdacht
Aus 10vor10 vom 15.07.2020.
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Vorwürfe gegen Starchirurgen René Prêtre: «Diese Patienten waren da»

Herzchirurg René Prêtre sieht sich mit dem Vorwurf erfundener Patientendaten konfrontiert. Jetzt nimmt er Stellung.

Seine Karriere ist beispielhaft, sein Ruf exzellent. Die Bevölkerung wählte ihn schon zum Schweizer des Jahres, weltweit geniesst er grosses Ansehen. Heute arbeitet René Prêtre an drei Spitälern gleichzeitig. Er operiert in Zürich, Lausanne und Genf. Nun aber werfen Recherchen der Zeitung «Schweiz am Wochenende» ein zweifelhaftes Licht auf den gefeierten Lebensretter. Es geht um eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 1998. Die Patientenakten dazu wurden nie in den Archiven gefunden. Der Verdacht: Prêtre habe die Patienten erfunden.

René Prêtre.
Legende: In der Kritik: René Prêtre, Chirurg und Schweizer des Jahres 2009. Keystone

«Diese Patienten waren da»

Gegenüber SRF nimmt Prêtre Stellung zu den Vorwürfen. Die Archive seien teilweise unvollständig gewesen. Er habe bei vielen Patientinnen und Patienten assistiert und viele operiert. Aber: «Ich erinnere mich. Die waren da.»

Ich erinnere mich. Die waren da.
Autor: René PrêtreChirurg

Prêtres Ex-Chef, der damalige Leiter der Herzchirurgie in Genf, Bernhard Faidutti, sah dies anders. In bisher unveröffentlichten Briefen von damals schreibt Faidutti unter anderem: «Es war mir nicht möglich herauszufinden, welche sechs Patienten Gegenstand dieser Publikation sein könnten.» Die Recherchen der Zeitung zeigen: In den Archiven des Spitals waren die Akten nicht.

Angespanntes Verhältnis

Als Bernhard Faidutti die Briefe Ende der 90er-Jahre schrieb, war das Verhältnis zwischen ihm und Prêtre angespannt. Das sagt Peter Suter – damals Dekan der medizinischen Fakultät in Genf und Chef von Prêtre und von Faidutti. Ein Grund sei wohl, dass beide starke Persönlichkeiten waren.

Dekan Peter Suter war es schliesslich, der die zweifelhafte Studie mit den verschwundenen Akten überprüfte. Sein Urteil damals: Die Studie war wissenschaftlich korrekt. «Es braucht nicht alle Akten aus dem Archiv. Es braucht die Grunddaten wie Operationsberichte oder Eintritts- und Austrittsberichte, um die Studie auf ihre Wissenschaftlichkeit zu überprüfen».

Der Kampf um die Nachfolge

Die Geschichte schien vom Tisch. Prêtre baute sein Netzwerk aus, ging von Genf nach Zürich. Doch nur wenige Jahre später kam der Ruf aus Genf. Die medizinische Fakultät wollte Prêtre als Nachfolger seines Ex-Chefs Faidutti. Die Spitaldirektion dagegen wollte das nicht. Es kam zum Streit: «Krieg der Spital-Clans», titelte das Westschweizer Magazin «L'Hebdo» im Jahr 2001. Es wurde zur Polit-Affäre, war Thema im Regierungsrat. Neben Dekan Suter trat damals auch Philippe Morel vor die Genfer Regierung. Morel ist heute Chirurg an einer Privatklinik in Genf, damals war er Chefchirurg am Unispital. Er war ein Vertrauter Faiduttis und vertrat vor der Regierung die Haltung der Spitaldirektion, die gegen Prêtre als Nachfolger war.

«Wenn sie vor dem medizinischen Direktor und dem Spitaldirektor stehen und sie ihnen sagen, sie hätten Dokumente, die gegen Prêtre sprechen, dann nehmen sie das sehr ernst», so Morel im SRF-Interview. Was genau die Spitaldirektion gegen Prêtre vorzuweisen hatte, bleibt unklar. Fakt ist: Prêtre verlor den «Krieg». Die Spitaldirektion setzte sich durch, wohl auch mit politischem Druck.

Wer sagt die Wahrheit?

Welche Rolle Bernhard Faidutti in diesem Machtkampf hatte, bleibt offen. Faidutti starb 2014. Von ihm bleiben nur die Briefe, die nun publik wurden. Prêtre dagegen wird von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. Doch er bleibt optimistisch.

Ich habe eine etablierte Position und arbeite in drei Spitälern. Ausserdem habe ich humanitäre Stiftungen. Das wird weitergehen.
Autor: René PrêtreChirurg

«Ich habe eine etablierte Position und arbeite in drei Spitälern. Ausserdem habe ich humanitäre Stiftungen. Das wird weitergehen.» Was auch immer davon hängen bleibt, eines ist klar: Am Ende bleibt ein schaler Nachgeschmack.

10vor10, 21.50 Uhr, 15.07.20

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
    Eine Studie, bei der die Daten nicht nachprüfbar sind, ist wertlos. Ob es aber heute noch wichtig ist,dass ein Arzt vor 22 Jahren einmal eine wertlose Studie zu verantworten hatte, kann man sich fragen.Offenbar war es keine Diss oder Habi und offenbar ist aufgrund dieser Studie auch kein gefährliches Medi zugelassen worden.Dann könnte man eigentlich die Sache auf sich beruhen lassen.Dass nicht alle medizinischen Studien aus reinem wissenschaftlichen Interesse geschrieben werden,ist ja bekannt..
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Da sollte doch eine Staatsanwaltschaft abklären, ob es diese Patienten gab oder nicht. Es gibt keine inexistenten Patienten!
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  • Kommentar von Rico Beer  (eorso)
    Aufklären ... handeln ... oder dürfen erfolgreiche Chirurgen einfach alles.
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