Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gewerkschaften suchen nach Gründen für Wahlschlappe
Aus Rendez-vous vom 23.10.2019.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
Inhalt

Abwahl von Gewerkschaftern «Gleichstellung hat einen Preis»

Die Gewerkschaften erklären sich die Abwahl bekannter Köpfe mit der Frauenkonkurrenz in den eigenen Reihen.

Die Gewerkschaften hätten in diesem Wahlkampf nicht alles richtig gemacht, sagt zum Beispiel der Solothurner SP-Nationalrat Philipp Hadorn. Er war seit acht Jahren im Nationalrat und ist seit über 20 Jahren gewerkschaftlich aktiv.

Am Sonntag wurde er abgewählt. Er sagt dazu: «Wir müssen selbstkritisch überlegen, warum wir die jungen Leute kampagnentechnisch offenbar weniger angesprochen haben. Inhaltlich positionieren wir uns in Fragen wie Klimaschutz und Frauenthemen seit Jahren.»

Keine Niederlage

Die Gewerkschaften müssten sich nichts vorwerfen, heisst es hingegen von ganz oben. Der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB, Pierre-Yves Maillard sagt: «Wir haben keine Niederlage einstecken müssen. Es wurden eher mehr Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gewählt als vorher.»

Maillard selber wurde für die Waadtländer SP neu in den Nationalrat gewählt und mit ihm andere Gewerkschafterinnen.

Rahmenabkommen spielte keine grosse Rolle

Auf die Europapolitik der Gewerkschaften lässt Philipp Hadorn, der Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, nichts kommen.

Zwar wurden die zwei Berner SP-Nationalräte Corrado Pardini und Adrian Wüthrich, zwei gewichtige gewerkschaftliche Stimmen, nicht wiedergewählt. Sie haben sich an vorderster Front gegen das vorliegende Rahmenabkommen mit der EU positioniert.

Doch ihre Abwahl sieht Hadorn nicht als Quittung von eurofreundlichen linken Wählerinnen und Wählern. «Nein», sagt Hadorn, «ich persönlich habe den Eindruck, dass das Rahmenabkommen in diesem Wahlkampf nicht sehr prägend war und entsprechend auch nicht sehr relevant für den Stimmenausgang.»

Noch deutlicher wird SGB-Präsident Maillard. Er selber habe nämlich im Westschweizer Fernsehen die Gewerkschaftsposition zum Rahmenabkommen lautstark vertreten. Das Resultat: «Ich wurde ziemlich gut gewählt, ich habe das beste Resultat des Kantons gemacht.»

Arbeitgeber versprechen sich eine Deblockierung

Etwas anders beurteilt man das auf der Gegenseite, beim Arbeitgeberverband. Er setzt sich für das vorliegende Rahmenabkommen ein, wenn auch mit kleinen Präzisierungen.

Bei den Arbeitgebern sagt Fredy Greuter, nach diesem Wahlergebnis sei es Zeit für europapolitisches Tauwetter bei den Gewerkschaften. «Wir hoffen auf eine Deblockierung. Es war in den vergangenen Monaten relativ schwierig, weil sich die Gewerkschafter auf diese berühmten roten Linien zurückgezogen haben. Wir sind jetzt zuversichtlich, dass sich in einer neuen Konstellation Bewegung ergeben wird.»

Die Arbeitgeber seien schon wieder im Kampfmodus, kontert der abgewählte SP-Nationalrat Wüthrich. Er hält fest: «Wir werden unsere Haltung nicht aufgrund der Wahlen ändern.»

Abwahl von Männern?

Einen Grund aber gebe es sicher für die Abwahl der prominenten Gewerkschafter, da sind sich die Gewerkschafter einig. Wenn, dann sei es eine Abwahl von Männern gewesen, so SGB-Präsident Maillard.

Im Kanton Bern kandidierten Pardini und Wüthrich wie eh und je auf einer separaten SP-Männerliste, die Frauen auf einer Frauenliste. Das habe eine Rolle gespielt, so Maillard. Und der abgewählte Philipp Hadorn stellt fest: «Gleichstellung hat einen Preis. Den müssen einige bezahlen. Ich bin vielleicht auch einer davon.»

Video
Aus dem Archiv: Gewerkschaften setzen sich beim Lohnschutz durch
Aus Tagesschau vom 16.04.2019.
abspielen
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sebastian Müller  (sebmul)
    Die Arbeitgeber Freuen sich ja schon länger über die Identitätspolitik mit der sich die Linke selber in's Knie schiesst. Ungleichheit beginnt und endet auf dem Bankkonto und nicht mit Geschlecht oder Herkunft. Wirst du in eine Familie mit Kohle geboren, stehen deine Chancen besser—egal welches Geschlecht oder wo deine Familie herkommt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Ueberrascht Sozialdemokraten?
    Die echte Sozis mit Schwielen an den Händen gibt es längst nicht mehr
    Dafür Theoretiker mit akademischem Abschluss welche die Partei für Ihren Lebensunterhalt missbrauchen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Beutler  (Peter Beutler)
    Sehr sympathisch, wie diese Gewerkschafter reagieren. Keine Katastrophe, eine Zeiterscheinung eben. Doch nicht alle Gewerkschafter blieben auf der Strecke. Nicht Pierre Yves Maillard, der langjährige Präsident der Waadtländer Regierung (Dort wird dieser Posten nicht im Jahresturnus, sondern über die gesamte Legislatur vergeben.) Maillard wurde mit einem absoluten Spitzenresultat gewählt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Daniel Fuchs  (Daniel Fuchs)
      "Maillard wurde mit einem absoluten Spitzenresultat gewählt..." und das absolut zu Recht auch wenn ich persönlich ihn lieber weiterhin in der Waadtländer Regierung oder noch lieber im Bundesrat gesehen hätte...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen