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«Die Krankenkassenprämien sind etwas in Vergessenheit geraten»
Aus News-Clip vom 06.06.2019.
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Ärger über Prämienpolitik Beim Thema Krankenkassen wird am Volk vorbeipolitisiert

Weder linke noch rechte Wähler sind zufrieden mit der Krankenkassen-Politik ihrer Partei. Und: Von wegen Klimahysterie.

Ende September hält die Schweizer Bevölkerung jeweils den Atem an. Wie viel sind es im nächsten Jahr? Ein Prozent, fünf Prozent – acht Prozent mehr? Teurer werden sie auf jeden Fall, die Krankenkassenprämien. Ende September ist jeweils klar, wie viel teurer. Dieses Jahr stiegen sie im Schnitt um 1.2 Prozent, im letzten um rund vier Prozent. Über die vergangenen 20 Jahre gesehen lag der durchschnittliche Anstieg gar bei 4.5 Prozent.

Die Prämien halten denn auch immer einen Podestplatz bei den Sorgen der Schweizer Bürger. Laut SRG-Wahlbarometer wird das Thema aktuell als wichtigste politische Herausforderung angesehen. Es folgen Klimawandel und die Beziehungen zur EU.

Unzufrieden mit Krankenkassen-Politik

In den Augen der Bevölkerung macht die Politik viel zu wenig, um das Problem der steigenden Prämien in Angriff zu nehmen. Fast durchs Band gaben die Befragten an, sie seien unzufrieden mit der Krankenkassen-Politik ihrer Partei.

Dabei spielt keine Rolle, ob rechts oder links gewählt wird – bei diesem Thema sind sich sogar SP- und SVP-Wähler einig. Einzig die CVP-Wähler ärgern sich in erster Linie über etwas anderes – über die Klima-Politik ihrer Partei. Was also tun mit den Prämien? Die beliebteste Lösung sind Prämiensenkungen durch Steuergelder.

Aktion auf dem Bundesplatz
Legende: SP-Politikerinnen und -Politiker bei einer Aktion anlässlich der Lancierung der Prämien-Entlastungs-Initiative. Keystone

Eine andere Idee hatte SVP-Nationalrat Jean Pierre Grin. Er reichte im Parlament eine Motion ein, die verlangt, dass die Prämien künftig stärker von den Steuern abgezogen werden können. Der Vorschlag wurde diesen März nach dem Nationalrat auch von der Wirtschaftskommission des Ständerats angenommen. Eine linke Minderheit war dagegen, weil Gutverdienende von diesen Steuerabzügen überproportional profitieren würden.

«Die Sorgen um die teuren Krankenkassen sind offenbar so stark, dass mittlerweile sogar bürgerliche Parteien mit diesem traditionell linken Thema Politik machen», meint Michael Hermann von der Forschungsstelle Sotomo, welche das Wahlbarometer für die SRG erstellt.

Nichts mit übertriebener Klimahysterie

Obwohl das Thema Krankenkassen als wichtigste politische Herausforderung angesehen wird, ist es nicht der Hauptgrund, für welche Partei sich die Wähler entscheiden. Zum ersten Mal gaben die meisten Befragten an, der Klimawandel sei am relevantesten für den Wahlentscheid.

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«Das Klimathema bekommt laut der Mehrheit zu wenig Beachtung»
Aus News-Clip vom 06.06.2019.
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Entkräftet wird auch das Argument der SVP, der Klimawandel nehme in der Politik und den Medien zu viel Platz ein. So sah Parteipräsident Albert Rösti etwa die Berichterstattung zum Klimawandel als Grund für die Niederlage seiner Partei an den Zürcher Wahlen im März.

Die Umfrage zeigt jedoch, dass nur 35 Prozent der Befragten der Meinung sind, die Klimapolitik erhalte zu viel Beachtung in den Medien. Eine Mehrheit von über 60 Prozent findet, das Thema erhalte zu wenig oder angemessen viel Beachtung. Ausserdem ist eine Mehrheit der Meinung, die Parteien selbst schenkten dem Thema zu wenig Beachtung. 27 Prozent gaben an, die Politik beschäftige sich zu intensiv mit dem Klimawandel. Das deckt sich in etwa mit dem aktuellen Wähleranteil der SVP.

Die Eckwerte der Umfrage

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Die Datenerhebung zum SRG-Wahlbarometer fand zwischen dem 17. und 27. Mai 2019 statt. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR, andererseits via Online-Panel der Forschungsstelle Sotomo statt.

Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 10'388 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil.

Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Stimm- und Wahlverhalten, regionale Parteienstruktur usw.). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1,5 Prozentpunkten.

Sendebezug: SRF 4 News, 17:00 Uhr

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SRG-Wahlbarometer: Die Gründe
Aus Tagesschau vom 06.06.2019.
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20 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Reber  (kokolorix)
    Die bürgerlichen Politiker haben uns ein System aufgezwungen welches zwingend wachsen muss. Kein Akteur hat ein Interesse daran zu sparen. Der Patient will die bestmögliche, der Therapeut oder Arzt die teuerstmögliche Therapie. Die Pharmaindustrie versucht mit agressiver Werbung ihre Umsätze zu steigern und die Kassen versuchen mit allen Mitteln Gesunde, Junge zu umwerben und Kranke, Alte loszuwerden.
    Ohne das Einkommen der Leistungserbringer vom Umsatz abzukoppeln kann es nicht billiger werden
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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Es ist bereits verschiedentlich erwähnt worden. Es braucht einen Systemwechsel hin zu einer Einheitskasse und meinetwegen auch eine Straffung des Leistungskatalogs. Mit Prämienverbilligung löst man die Probleme nicht. Das Gesundheitswesen wird dadurch nicht billiger. Es werden lediglich die Kosten ein wenig weiter hin zum Steuerzahler verschoben.
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  • Kommentar von beat zehnder  (beat zehnder)
    Solange in der Komision des Parlaments mehr als die Hälfte der Mitglieder direkt von der Gesundheitsindustrie bezahlt werden (Krankenkassen und Pharmafirmen), wird sich hier auch nichts ändern. Eigentlich ein klarer Fall von unvorteilhaften Einfluss auf die Politik,man könnte auch von Korruption sprechen...
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