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Wenn mehr Frauen kandidieren, dann werden auch mehr Frauen gewählt
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.11.2019.
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Elf Frauen im Ständerat «Grund für den Erfolg ist die ‹Frauenwahl›»

Mindestens elf Frauen werden in der nächsten Legislaturperiode im Ständerat sitzen – und es könnten nach den noch ausstehenden zweiten Wahlgängen in mehreren Kantonen noch mehr werden.

Damit könnte sich die Politik im Ständerat womöglich merkbar verändern, sagt die Politologin Isabelle Stadelmann. Schliesslich waren es in der vergangenen Legislatur bloss sechs Frauen, die im Ständerat politisierten.

Isabelle Stadelmann

Isabelle Stadelmann

Politologin

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Isabelle Stadelmann, Link öffnet in einem neuen Fenster ist Professorin für Politikwissenschaften an der Universität Bern. Sie hat den Lehrstuhl für vergleichende Politik inne.

SRF News: Wie erklären Sie die vergleichsweise hohe Anzahl Ständerätinnen im neuen Parlament?

Isabelle Stadelmann: Man hat schon vor den Wahlen ausgerechnet, dass bis zu elf Frauen die Wahl in den Ständerat schaffen könnten. Deshalb ist die Zahl nicht völlig überraschend. Grund für den Erfolg ist sicher die «Frauenwahl», von der schon viel gesprochen worden ist.

Ist der Erfolg für die Frauen auch ganz einfach darauf zurückzuführen, dass so viele Frauen kandidiert haben?

Man weiss, dass Frauen gleich gut gewählt werden wie Männer. Bislang standen weit weniger Frauen zur Wahl als Männer. Das hat sich bei dieser Ständeratswahl geändert, indem mehr Frauen zur Wahl angetreten sind.

Der Frauenstreik hat sicher einen identitätsstiftenden Effekt über die Parteigrenzen hinweg gehabt.

Welcher Anteil an dem Erfolg hatte der Frauenstreik vom 14. Juni?

Der Frauenstreik war ein einzelnes Element des grösseren Themas. Begonnen hatte das mit der Aktion «Helvetia ruft». Sie rief die Frauen dazu auf, sich vermehrt einer Wahl zu stellen. Dabei hat der Frauenstreik sicher einen identitätsstiftenden Effekt über die Parteigrenzen hinweg gehabt.

In Freiburg wurde der langjährige CVP-Ständerat Beat Vonlanthen nicht wiedergewählt, die 31-jährige FDP-Kandidatin Johanna Gapany machte an seiner Stelle überraschend das Rennen. Vonlanthen hatte überhaupt nicht mit einer Wahlniederlage gerechnet…

Es ist völlig unüblich, dass amtierende Ständerätinnen oder -räte abgewählt werden. Deshalb ist es verständlich, dass der Erfolg Gapanys für Vonlanthen völlig überraschend kam. Tatsächlich hatte man mit diesem Frauensitz im Vorfeld der Wahlen nicht gerechnet.

Knapp ein Viertel der Sitze im Ständerat werden von Frauen besetzt. Verändert das die Politik der kleinen Kammer?

Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen und Ansätze. Es gibt die Ansicht, dass die Partei das Abstimmungsverhalten stärker beeinflusst als das Geschlecht. Eine SP-Vertreterin wird sich in ihrer ständerätlichen Politik also kaum von der Politik eines SP-Ständerats unterscheiden. Dasselbe kann man auch für die meisten anderen Parteien sagen. Gemäss dieser Ansicht wird der Unterschied bei den politischen Inhalten nicht sehr gross sein.

Wir müssen die künftigen Ratsdiskussionen und -entscheide abwarten.

Es gibt aber auch die Perspektive zu sagen, dass die Frauen sehr wohl einen Unterschied ausmachen – allein schon, was die Inputs angeht. Demnach sollten Frauen im Grunde gemäss ihrem Anteil an der Bevölkerung die Hälfte der Sitze einnehmen. Damit würde sich an den Dynamiken und den Schwerpunkten der Diskussion im Rat sehr wohl etwas ändern. Was genau und wie stark das sein könnte, weiss man aber nicht. Dazu müssen wir die künftigen Ratsdiskussionen und -entscheide abwarten.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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62 Frauen kandidieren für den Ständerat
Aus 10vor10 vom 30.09.2019.
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17 Kommentare

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  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    Was sagte Napoleons Mutter zu ihrem Sohn, als er auf dem Höhepunkt seiner Macht stand? Schau dass dieser Erfolg anhält (frei aus dem Corsischen übersetzt).
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Ob Frau oder Mann im Parlament, Fakt ist und bleibt, dass sich jede/r ParlamentarierIn, vollumfänglich prioritär, ehrlich und aktiv, für die vielfältige Volks-Politk in der Schweiz engagieren muss!
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Es ist völlig unerheblich, wie viele Frauen und Männer im Parlament sitzen. Wichtig ist, dass sie sich für das Wohl des Landes einsetzen. Wenn ich mir das Abstimmungsverhalten im Schweizer Parlament ansehe kann ich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen erkennen. Entscheidend ist in der Regel die Partei und die Fraktion. Und wie im Artikel beschrieben: Frauen werden genau gleich gut gewählt wie Männer, es waren bisher nur immer viel weniger Frauen bereit zu kandidieren.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Es ist eben doch nicht ganz unerheblich, Herr Derungs, wie die Geschlechterverhältnisse im Parlament sind. Denn Frauen sehen oft Anderes als relevant als ihre männliche Kollegen. Doch damit dies auch die nötige Wichtigkeit erlangen kann, braucht ea auch die Menge oder die kritische Masse. Haben wir über Jahre in allen Gremien paritätische Verhältnisse, dann, erst dann kann vielelicht gesagt werden "es sei völlig unerhebelich".
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    2. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      Liebe Frau Kunz, ich denke, entscheidend ist, dass Frauen die gleichen Chancen haben wir Männer. Und wie dem Artikel entnommen werden kann, ist es so. Der Anteil der gewählten Frauen entsprach in etwa dem Prozentsatz der Kandidierenden. Da sich in dieser Wahl deutlich mehr Frauen zu einer Kandidatur entschieden haben wurden auch mehr gewählt. Und die Zeit wird es zeigen, wie gut das neue Parlament arbeitet. Aber ich denke, dass es auf jeden Fall besser ist als das Alte.
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