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62 Frauen kandidieren für den Ständerat
Aus 10vor10 vom 30.09.2019.
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Frauenanteil im Stöckli «Acht Frauen könnten künftig im Ständerat sitzen»

In der bisher von Männern dominierten kleinen Kammer könnte sich punkto Frauenanteil einiges bewegen, so eine Politologin.

Der Ständerat präsentiert sich heute männlich: Im 46-köpfigen Gremium sitzen nur sechs Politikerinnen. Und auch bei diesen wenigen Frauen gibt es einen Aderlass. Anita Fetz (SP/BS), Pascale Bruderer Wyss (SP/AG), Géraldine Savary (SP/VD), Anne Seydoux-Christe (CVP/JU) und Liliane Maury Pasquier (SP/GE) wollen nicht mehr kandidieren. Es verbleibt Brigitte Häberli-Koller (CVP/TG). Sie tritt als einzige Bisherige wieder an.

Trotzdem werden laut Politikwissenschaftlerin Isabelle Stadelmann-Steffen künftig nicht weniger Frauen im Ständerat sitzen. «Es treten zwar viele Frauen ab, aber es treten auch sehr viele Männer ab. Das heisst in vielen Kantonen gibt es ein neues Rennen, werden die Karten neu gemischt. Das bietet auch Frauen die Chance neu gewählt zu werden.»

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Legende: In diesen Kantonen sind die Wahlchancen für Frauen intakt. SRF

Realistische Chancen, dass eine Frau ins Stöckli kommt, gibt es laut der Politikwissenschaftlerin in den Kantonen Thurgau, Uri, Bern, Baselland, Baselstadt, Genf, Jura, Luzern, Neuenburg, Wallis und Waadt.

In diesen 11 Kantonen seien die Chancen gut. «Das heisst, wir können davon ausgehen, dass wir am Schluss vielleicht mit acht Frauen im Ständerat dastehen.»

Das wären sogar leicht mehr als momentan im Ständerat sitzen. Doch während im Nationalrat schon heute ein Drittel Frauen sitzt, bleibt ihr Anteil in der kleinen Kammer bescheiden.

Anteil rückläufig

Der Anteil der Frauen im Ständerat ist seit 2003 gar rückläufig. Die Frauen und das Stöckli – das war noch nie eine Liebesgeschichte.

Für Priska Birrer-Heimo (SP) hat es 2015 nicht geklappt. Damian Müller, ein FDP-Politiker mit weniger Erfahrung als Birrer-Heimo, schnappte ihr den Sitz weg. Ihre Analyse: «Ich habe alles gegeben. Ich war topmotiviert. Schliesslich ist es an der bürgerlichen Machtposition im Kanton Luzern gescheitert.»

Auch Susanne Vincenz-Stauffacher (FPD) scheiterte Anfang Jahr bei der Ersatzwahl von Karin Keller-Sutter. Sie unterlag gegenüber dem St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth. «Es ist tatsächlich so, dass eine lange politische Karriere vorgesetzt wird. Das bringen Frauen, die gleichzeitig Mütter sind nicht mit.»

Die Grüne Irene Kälin rechnete sich damals wenig Wahlchancen aus. Sie sieht den Grund auch darin, dass Wähler gegenüber Kandidatinnen skeptischer als gegenüber Kandidaten seien. Sie hat gemerkt, dass die Wähler bei Frauen kritischer sind als bei Männern. «Man wollte bei mir mehr Details wissen. Bei einem Ständerat geht man offenbar davon aus, dass er Zinssätze auswendig kann. Bei der Frau, dass sie es nicht kann. Also muss sie es dann noch vor vereintem Publikum runterbeten.»

Anteil steigt wohl kontinuierlich

Weniger Bekanntheit und bürgerliche Allianzen – daran scheitern die meisten linken Frauen bei der Wahl ins Stöckli. Die Politikwissenschaftlerin Stadelmann-Steffen rechnet allerdings fest damit, dass in der kleinen Kammer der Anteil der Frauen auch künftig kontinuierlich erhöht wird.

«Dafür sprechen schon jetzt zwei Entwicklungen: Dass wir eben möglicherweise mehr Frauen im Nationalrat haben werden.» Im Nationalrat könnten sich Frauen profilieren und bekannter werden und somit einfacher in die kleine Kammer gewählt.

«Und das andere ist, dass gerade die bürgerlichen Parteien im Moment viel unternehmen, um ihren Frauenanteil zu steigern und auch das wird sich längerfristig auf den Frauenanteil im Ständerat auswirken.»

Fest steht: Heuer kandidieren 62 Frauen für den Ständerat. Das sind doppelt so viele wie noch 2015. Um die Frauenfrage dürften die Parteien künftig auch im Stöckli nicht mehr herumkommen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Das Zahlenverhältnis Männer-Frauen ist immer noch krass im Ständerat. Von daher finde ich es erstrebenswert, wenn hier deutlich mehr Frauen mitpolitisieren als bisher. Es braucht beide Geschlechter so wie es logischer Weise auch zwei Geschlechter an Bürgern gibt. Forza donne!
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  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Warum ist dies wichtig? Frauen und Männer aus dem gleichem sozialen Umfeld haben sowieso die gleichen Interessen, selbst beim Lohn sind sich alle einig, dass jede(r) für die gleiche Leistung den gleichen Lohn erhalten soll, was ja bereits mehr als erreicht wurde, wenn frau nicht immer Aepfel (Teilzeit) mit Birnen (Vollzeit) vergleichen würde. Viel wichtiger wäre es, dass auch mal Mieter statt fast nur Wohneigentümer im Parlament sitzen würde, damit erstere steuerlich nicht diskriminiert werden.
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    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      1. Die Diskriminierung der Mieter wird regelmässig an den Schweizer Urnen vollzogen, mehrheitlich ein einig Volk von Mietern, eigentlich erstaunlich, nicht?
      2. Die Lohnungleichheit basiert nicht auf Birnen versus Äpfeln, das meinen nur die, die sich wie Sie sicher sind, das die Lohngleichheit „mehr als erreicht“ sei. Die sich aber die mehr als klaren Zahlen nicht anschauen mögen, Zahlen bei denen solche Faktoren, wie Sie sie ins (Obst-)Feld führen, längst bereinigt sind.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Könnten, könnten, interessiert mich nicht. Geht wählen, akzeptiert das Ergebnis, wie es in einer Demokratie üblich sein sollte, freut oder nervt Euch. Dann aber mitarbeiten, und nicht boykottieren. Fertig.
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    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Brauchli: Ja, da stimme ich mit Ihnen überein. Die BürgerInnen mögen wählen gehen. Es wird vorausgesagt, dass diesmal die 50%-Marke erreicht oder übertroffen wird. Von mir aus sollten schon mal 80-90% wählen gehen. Wir werden sehen.
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