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Legende: Video Wahlbarometer: Die Grünen profitieren von der Klimadebatte abspielen. Laufzeit 07:11 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.06.2019.
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Parteienlandschaft in Bewegung Ein Linksrutsch wie seit 16 Jahren nicht mehr

  • Rund vier Monate vor den eidgenössischen Wahlen bestätigt das SRG-Wahlbarometer den angekündigten Linkstrend.
  • Die Grünen und die Sozialdemokraten machen – verglichen mit den Wahlen 2015 – zusammen 3.3 Prozentpunkte gut.
  • Die SVP bleibt wählerstärkste Partei, büsst aber fast drei Prozentpunkte ein.

«Die SVP gehört nicht mehr zu den Gewinnern. Die Partei verliert an Ausstrahlung», erklärt Politologe Michael Hermann den Verlust der Rechtspartei im Wahlbarometer. Sein Büro, die Forschungsstelle Sotomo, hat das Barometer im Auftrag der SRG erstellt. Zwar hat die SVP nach wie vor einen komfortablen Abstand auf die zweitgrösste Partei, die SP, doch würde jetzt gewählt, wäre der Rückgang beträchtlich.

Überalterte Basis

Bei den eidgenössischen Wahlen im Jahr 2015 holte sich die SVP 29.4 Prozent aller Wählerstimmen, in der aktuellen Umfrage sinkt dieser auf 26.5 Prozent. Das ist deutlich über dem Fehlerbereich des Barometers von 1.5 Prozentpunkten. Der Verlust zeichnete sich schon in der Umfrage vom Februar 2019 ab, wurde in der Zwischenzeit aber noch deutlicher.

Legende: Video «Die SVP verliert an Ausstrahlung» abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.06.2019.

Die Partei habe Mühe, junge Wählerinnen und Wähler zu gewinnen, meint Hermann. «Die SVP hat die grösste Überalterung aller Parteien.» Sind es bei den über 65-jährigen noch knapp 30 Prozent, die im Herbst der SVP ihre Stimme geben wollen, so liegt dieser Anteil bei den 18- bis 25-jährigen bei 20 Prozent.

Da die SVP grösste Partei ist, sind das zwar immer noch mehr junge Stimmen, als bei allen anderen Parteien, doch die alten Wähler dominieren klar. Die Grünen holen sich im Vergleich 14 Prozent aller jungen Stimmen und nur sechs Prozent der über 65-jährigen.

Kampf um vierten Platz

Stichwort grün: Der Höhenflug hält an. Die Grünen könnten sich zum ersten Mal einen zweistelligen Wähleranteil ergattern – gemäss dem Barometer liegt er aktuell bei 10.1 Prozent und damit drei Prozentpunkte über jenem von 2015. «Zum ersten Mal wird die Klimafrage als das wichtigste Wahlthema angesehen», sagt Politologe Hermann, «davon profitieren natürlich die beiden Parteien, die Grün im Namen tragen». So macht auch die GLP vorwärts – um 1.8 Prozentpunkte gegenüber den letzten Wahlen.

Legende: Video «Zum ersten Mal ist das Umweltthema für den Wahlentscheid am wichtigsten» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.06.2019.

Mit einem Wähleranteil von 10.1 Prozent kommen die Grünen der CVP gefährlich nahe und drohen diese vom vierten Platz zu stossen. Die Mitte-Partei verliert einen Prozentpunkt und landet bei 10.6 Prozent. Auch der BDP brechen Wähleranteile weg – sie kann noch 2.9 Prozent aller Stimmbürger begeistern. Verglichen mit 2015 sind das 1.2 Prozentpunkte weniger.

Der Trend geht Richtung grün und links

Diese Erosion in der Mitte kann die dritte Mitte-Partei, die GLP, nur teilweise aufhalten und den Stimmverlust nicht ganz decken. Es profitiert die Linke. «Wir sehen einen Linksrutsch, wie es ihn seit 2003 nicht mehr gegeben hat», sagt Michael Hermann. Beachtlich ist dabei, dass die Grünen nicht mehr auf Kosten der Sozialdemokraten gewinnen. Im letzten Wahlbarometer hatte es noch danach ausgesehen. Doch: «Der Trend geht eben nicht mehr nur in Richtung grün, sondern auch in Richtung links.»

Legende: Video «Wir sehen einen deutlichen Linksrutsch» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.06.2019.

Die FDP liegt in etwa gleichauf wie nach den letzten eidgenössischen Wahlen – bei 16.2 Prozent. Erwähnenswert ist, dass die Freisinnigen im Wahlbarometer vom Februar noch zu den Gewinnern gehörten – damals gaben 17.4 Prozent an, die FDP wählen zu wollen. Mit dem angekündigten Verlust der SVP und dem Stagnieren der FDP ist auch die knappe Mehrheit der beiden Parteien im Nationalrat gefährdet. Es käme zu neuen Machtverhältnissen.

Bundesrat Parmelin, das Schlusslicht

Bundesrat Parmelin, das Schlusslicht

Das Wahlbarometer erfasst jeweils auch, wie die Bevölkerung die sieben Bundesräte wahrnimmt. Wer kommt gut an, wer nicht? Die schlechtesten Noten erntet SVP-Mann Guy Parmelin. Gerade mal 23 Prozent der Befragten finden ihn sympathisch. Sogar bei den Wählern seiner eigenen Partei kommt er erst an vierter Stelle – nach Ueli Maurer, Karin Keller-Sutter und Viola Amherd.

Sympathieträger Nummer eins ist Innenminister Alain Berset. Der SP-Bundesrat punktet bei 65 Prozent der Befragten. Bei nur 15 Prozent muss er unten durch.

Seine Parteikollegin Simonetta Sommaruga polarisiert am stärksten. Sie landet an vierter Stelle, genau in der Mitte. Bei den SP-Wählern finden sie 89 Prozent sympathisch und von den SVP-Wählern können 74 Prozent gar nichts mit ihr anfangen.

Die Eckwerte der Umfrage

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Die Datenerhebung zum SRG-Wahlbarometer fand zwischen dem 17. und 27. Mai 2019 statt. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR, andererseits via Online-Panel der Forschungsstelle Sotomo statt.

Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 10'388 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil.

Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Stimm- und Wahlverhalten, regionale Parteienstruktur usw.). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1,5 Prozentpunkten.

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