Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Hat das Wahlplakat bald ausgedient? abspielen. Laufzeit 02:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.08.2019.
Inhalt

Wahlkampf: Analog und digital Hat das Wahlplakat bald ausgedient?

Die Mehrheit der Parteien setzt auf Plakate. Die CVP, Grünen und GLP gehen neue Wege – im Internet und auf Bildschirmen.

Ganz traditionell reissen SP-Präsident Christian Levrat und die Kampagnenleiterin der Partei, Nadine Masshardt, heute Morgen in Bern ein schwarzes Tuch von einer Holzvorrichtung. Zum Vorschein kommt ein Plakat mit Zugschienen, die in zwei Richtungen führen. Symbolisch für den Richtungswechsel von einem rechts-bürgerlichen hin zu einem links-grünen Parlament, den die SP den Wählern nun schweizweit von Plakatwänden aus schmackhaft machen will.

Zwei Tage zuvor präsentierte bereits die SVP ihre Plakatkampagne. Ein Apfel zersetzt von Würmern, die in den Farben der anderen Parteien kriechen. Symbolisch für jene, welche aus Sicht der SVP die Schweizer Demokratie aushöhlen und verenden lassen.

Leben nicht nur im Netz

Die zwei wählerstärksten Parteien der Schweiz kleben trotz fortschreitender Digitalisierung auch im Jahr 2019 noch grosszügig Wahlplakate. Die SP investiert 300'000 Franken ihres 1,5 Millionen teuren Wahlkampfbudgets in Plakate. Noch mehr gibt die SVP für das schweizweite Plakatieren mit ihrem Wurm-Plakat aus.

Wenn die Leute ihre Augen vom Bildschirm heben, dann stehen sie auf der Strasse mit Mitmenschen.
Autor: Christian LevratPräsident der Sozialdemokratischen Partei

Das Leben spiele eben nicht nur im Netz, sagt Levrat. «Wenn die Leute ihre Augen vom Bildschirm heben, dann stehen sie auf der Strasse mit Mitmenschen. Und all das, was den Kontakt von Menschen fördert, muss von uns unterstützt werden.» Auch die BDP und die FDP investieren im nationalen Wahlkampf in Plakate.

CVP, Grüne und Grünliberale verzichten

Neue Wege geht hingegen die CVP. Sie verzichtet auf das nationale Aushängen von Plakaten. Aus Parteikreisen ist die Rede von Kosteneinsparungen.

Erstmals wird dafür mehr in den digitalen Wahlkampf investiert. Das Plakatieren überlässt die CVP den kantonalen Parteien, die mit eigenen Slogans auf Plakaten werben dürfen.

Wir setzen unsere beschränkten Ressourcen gezielt animiert im Internet und auf Bildschirmen im öffentlichen Raum ein.
Autor: Michael KöpfliGeneralsekretär der Grünliberalen

Gleich gehen die Grünen und die GLP in den Wahlkampf. Auch die GLP begründet die Kursänderung mit Kosteneinsparungen. Als vergleichsweise kleinere Partei mit einem geringeren Budget hätten sie sich entschieden zu fokussieren.

«Wir setzen unsere beschränkten Ressourcen gezielt animiert im Internet und auf Bildschirmen im öffentlichen Raum ein», erklärt GLP Generalsekretär Michael Köpfli gegenüber SRF.

Hundertjährige Tradition

Das Wahlplakat als nationaler Werbeträger nutzten die Parteien in der Schweiz erstmals 1919 bei der ersten Proporzwahl im Nationalrat. Seither ist es ein fester Bestandteil nationaler Kampagnen.

Nun verzichten gleich drei Parteien darauf. Der Anfang vom Ende des traditionellen Wahlplakats? Nein, sagt der Berner Kampagnen-Spezialist Mark Balsiger. Das Plakat sei der Klassiker schlechthin im Schweizer Wahlkampf, und werde es auch bleiben. «In der kommerziellen Werbung ist die Nachfrage nach Plakat- und Aussenwerbung in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen. Der Umsatz ist um 25 Prozent gewachsen. Und was für die kommerzielle Werbung gilt und funktioniert, das funktioniert auch in der politischen Werbung», erklärt Mark Balsiger.

So wird man ihm also weiterhin begegnen in der Schweiz. In den nächsten Wochen wieder öfter - dem traditionellen Wahlplakat.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Wahlplakate waren für uns Kinder eine wunderbare Kreative Unterlage. Man konnte Politikern eine Brille, einen Schnauz, Pickel, Hüte oder Andeutungen von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen aufmalen. Eine hervorragende, humorerfüllte Hilfe in der Adoleszenz. Und niemand hatte sich ernsthaft darüber beschwert. Heute jedoch, wo solches Treiben sofort handfester Vandalismus, die Malereien sogleich wahlweise Sexismus oder Rassismus ist, muss auch ich sagen: das kann weg. :-)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wahl-Plakat-Slogan - Glauben schenken? Hinter die "Kulissen" einer politischen Partei schauen und sich an den Fakten orientieren. Je grösser die Partei, desto mehr Macht kann ausgeübt werden. Fakten, welche gegen die Wahl einer politischen Partei, oder eines ihrer Mitglieder sprechen sind: "Spendengelder- In-Transparenz", Eigeninteressen-Verfolgung von PolitikernInnen, mittels Annahme von lukrativen VR-Mandaten (niemand kann zwei Herren dienen)-Lobbyismus-Vetternwirtschaft! Volks-Politik?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Remo Diethelm  (thed0992)
    Plakate sind kein gutes Mittel, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Sie fördern oberflächliche Abstimmungen. Seine Stimme abzugeben heisst Verantwortung zu übernehmen, und für eine fundierte Meinung muss mehr Zeit aufgewendet werden als ein rascher Blick auf ein Plakat. Aus diesem Grund würde ich diese Art von politischer Werbung abschaffen, das gesparte Geld kann sicherlich besser investiert werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen