Kampf gegen die Mafia «Warnen, ohne den Teufel an die Wand zu malen»

Der Kampf gegen die Mafia in der Schweiz ist teuer und geniesst politisch keine breite Unterstützung. Das muss sich ändern, fordert Bundesanwalt Michael Lauber im Interview mit SRF News.

SRF News: Die italienischen Mafiaorganisationen machen europaweit einen Umsatz von jährlich 100 Milliarden Euro. Haben Sie genug italienischsprachige Staatsanwälte, um dieses Phänomen auch tatsächlich recherchieren zu können?

Michael Lauber: Italienischsprachig ist eines, sie müssen aber vor allem auch Deutsch oder noch Französisch können, denn die Mafia ist kein Phänomen des Kantons Tessin. Vielmehr ist es ein Phänomen, das den gesamten Finanz- und Werkplatz Schweiz betrifft. Das ist eine Herausforderung für die Rekrutierung der Staatsanwälte.

Zentrale Beweismittel sind immer wieder Telefonabhörungen, die heute aber verschlüsselt werden. Damit steigt auch Ihr Aufwand. Was tun Sie dagegen?

Die Telekommunikationsabhörung wird in der Tat immer komplexer und auch teurer. Das heisst, wir müssen immer genauer und konkreter wissen, ob sich eine solche Abhörung lohnt oder nicht. Wir müssen uns aber auch Alternativen überlegen. Dabei geht es darum, dass wir Personen aus dem Milieu herausholen. Ich spreche hier insbesondere die Kronzeugenregelung an, zu der es nun Vorstösse im Bundesparlament gibt. Wir sind ganz klar für eine Kronzeugenregelung und sind froh, dass diese nun politisch diskutiert wird.

Sie haben schon viele solcher Vorstösse gemacht, Gesetzesänderungen oder das Anti-Mafia-Zertifikat, aber realisiert wurden ihre Vorschläge bisher nie.

Wir müssen warnen, ohne den Teufel an die Wand zu malen. Wir müssen auch konkrete Vorschläge einbringen. Die Kronzeugenregelung ist einer davon. Andere Vorschläge betreffen die Finanzierung von Gesellschaften oder Präventivmassnahmen. Das alles sind Massnahmen, die man in den Nachbarländern kennt. Und wenn wir einen Alarm vermeiden wollen, dann muss man, meines Erachtens, um glaubwürdig zu bleiben, auch entsprechende gesetzliche Massnahmen treffen.

Das Interview führte Alexander Grass.