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Schwarze Prognosen für Tessiner Gastrobetriebe
Aus Rendez-vous vom 26.05.2020.
abspielen. Laufzeit 03:45 Minuten.
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Warten auf Touristen Tessiner Wirte sehen schwarz

Corona-Angst, Homeoffice und Touristenflaute lassen viele Beizen in der Sonnenstube hilflos zurück. Jeder dritten droht das Aus.

Seit einiger Zeit sind auch die Restaurants und Bars im Tessin wieder offen. Doch gehörten Espresso und Prosecco vor der Coronakrise für viele zum festen Tagesritual, ist jetzt alles anders.

Vor der Krise arbeiteten wir zu fünft, jetzt noch zu zweit.
Autor: Jesus TellezBarbetreiber

Die Bar von Jesus Tellez ist eine der kleinsten in Lugano. Die Regel mit den zwei Metern Abstand funktioniert hier nicht. Damit er dennoch Kunden bedienen kann, hat er zwischen den Tischchen teure Plexiglas-Wände aufgestellt. Dort sitzen jetzt nach und nach wieder seine Stammkunden. Doch über die Hälfte der ursprünglichen Gäste bleibt aus. «Vor der Krise arbeiteten wir zu fünft, jetzt noch zu zweit», bemerkt Tellez.

Froh, wieder arbeiten zu können

Viele der Tessiner Gastronomie-Mitarbeiter kommen aus Italien und beziehen derzeit noch Kurzarbeitsentschädigung. Sie sei sehr froh, wieder arbeiten zu können, sagt Chiara Spiga.

Wir müssen warten, bis die Menschen ihr Vertrauen zurückgewonnen haben. Viele haben noch Angst.
Autor: Chiara SpigaKellnerin

Die Kellnerin im «Caffè Roma» stellt fest: «Wir müssen warten, bis die Menschen ihr Vertrauen zurückgewonnen haben. Viele haben noch Angst.» Angst vor der Ansteckung hat Spiga nicht mehr. Vor dem Lockdown allerdings habe man so gar nichts über das Virus gewusst und nur Folgen in Italien gesehen. Jetzt wisse man mehr. Das sei gut. Die grosse Unbekannte sei jetzt der Gang der Wirtschaft.

Warten auf Touristen

Seit Ausbruch der Covid-19-Krise kämen mindestens zehn Menschen täglich ins «Grande-Pizza e Caffè», um nach Arbeit zu fragen, berichtet Betreiber Luigi Pellegrini. Die Lage sei schlimm: «Die Touristen fehlen und die Tessiner sind noch ängstlich.»

Espressomaschine.
Legende: GastroLugano-Präsident Michele Unternährer: «Mit günstigem Espresso allein kann kein Lokal überleben.» imago images

Zudem arbeiten laut Pellegrini noch viele im Homeoffice: «Sie gehen nicht schnell raus für einen Caffè und ein Brioche oder ein Mittagessen.»

Geld sitzt weniger locker

Obendrauf kommt, dass die Beizendichte im Tessin gigantisch ist, wie Michele Unternährer, Präsident von GastroLugano, erklärt. Auch sein Lokal ist weniger als halbleer: «Bevor ich wieder aufgemacht habe, war mein grösstes Problem die Zwei-Meter-Distanz der Tische. Jetzt merke ich, dass nicht der Platz das Problem ist, sondern die fehlenden Kunden.»

Ein Drittel der Lokale riskiert, bis Ende Jahr schliessen zu müssen.
Autor: Michele UnternährerWirt, Präsident von GastroLugano

Viele Kunden hätten aber auch schlicht weniger Geld, um zu konsumieren, etwa weil sie auf Kurzarbeit seien, sagt Unternährer: Mit dem Verkauf von günstigem Espresso könne kein Lokal überleben. Er sieht daher tiefschwarz für die Tessiner Gastroszene: «Ein Drittel der Lokale riskiert, bis Ende Jahr schliessen zu müssen.»

Die Tessiner Bar- und Restaurant-Landschaft wird sich also massiv verändern und deutlich ausgedünnt ins nächste Jahr gehen. Gastro-Suisse rechnet landesweit einem Lokalsterben von bis zu 20 Prozent.

Rendez-vous, 26.05.2020, 12:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Gibt es nebst Milliardenunterstützung für Grossunternehmen wie die swiss eigentlich auch Bundesgeld für Kleinbetriebe? Ich habe noch von niemandem gehört dass er bis heute einen relevanten Betrag erhielt. Das zweite: So viele Leute schmieden schon wieder Pläne um ins Ausland zu fliegen. Ich verstehe das einfach nicht. Wieso kann man nicht im Land bleiben und die eigene Tourismusbranche mit all ihren Arbeitsplätzen unterstützen? Wir alle wollen doch Arbeit und ein funktionierendes Sozialsystem?
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Wenn den Innerschweizern auch noch in der Gastronomie wegen fehlende Italienisch zu verstehen gegeben wird, bleib doch auf der Nordseite, dann wird es schlimm!
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  • Kommentar von Peter Heckendorn  (Heck)
    Diese Kritik ist mir zu pauschal. Ich habe lange im Tessin gewohnt und bin auch jetzt noch sehr oft dort. Sicher gibt es Lokale mit unfreundlicher Bedienung. Aber wenn man nicht einfach nur das Billigste wählt, sondern auch einschlägige Gastroführer konsultiert, gibt es im Tessin phantastische Lokale mit äusserst freundlichem Personal und einem top Preis-/ Leistngsverhältnis.
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