Im Einkaufskorb von David Keller und Gina Pelosi liegen Apfelschorle und alkoholfreies Bier. Die 25-Jährige trinkt gar keinen Alkohol mehr, der 24-Jährige sehr selten.
«Alkohol macht mich weniger leistungsfähig», sagt David Keller. Er wolle lieber einen klaren Kopf als einen Kater. Gina Pelosi erzählt, sie habe sich irgendwann gefragt: «Warum trinke ich eigentlich? Nur weil die anderen trinken?»
Sie habe sich dann entschieden, nur noch zu trinken, wenn sie wirklich Lust darauf habe – also nie. Heute sei der Gruppendruck in ihrem Freundeskreis kleiner geworden, weil viele weniger trinken.
Clubs spüren Rückgang des Alkoholkonsums
Das spüren auch Veranstalter. Eine nationale Umfrage der Zürcher Bar- und Clubkommission zeigt: In Clubs und Eventlokalen ging der durchschnittliche Umsatz von 2018 bis 2023 um rund ein Drittel zurück – von 45 Franken auf 30 Franken pro Kopf und Abend.
Mena Guntersweiler vom Zürcher Kulturlokal «Bogen F» beobachtet diese Veränderung. Insbesondere junge Leute würden wenig Alkohol konsumieren. «Bei Konzerten, bei denen die Besucher über 40 sind, ist der Umsatz pro Kopf etwa doppelt so hoch wie bei einem jüngeren Publikum.» Einer der Gründe sei laut Mena Guntersweiler, dass das Gesundheitsbewusstsein bei jungen Leuten zugenommen habe.
Gesundheitstrend bei Jungen
Das bestätigt Cédric Sane. Er trinke nur noch sehr selten Alkohol, sagt der 23-Jährige. Vor drei Jahren hat er mit seinem Bruder und einem Freund einen Run Club gegründet. «Früher ging ich oft in Clubs und habe Alkohol getrunken, weil man das halt so machte», sagt er. Heute treffe er seine Freunde am Abend statt zu einem Feierabendbier zu einem Run.
Es sei kein Geheimnis, dass Alkohol nicht das Beste für den Körper sei, ergänzt sein Kollege Liam Seillier: «Wenig Alkohol zu trinken, gehört einfach zu meinem gesunden Lifestyle.»
Auch die Pandemie habe einen Einfluss gehabt, erzählt Cédric Sane. Als die Clubs schliessen mussten, waren die Jungen gezwungen, zu Hause zu bleiben. Danach seien er und seine Freunde seltener ausgegangen. Heute sei es öfter mal ein Abendessen statt ein Clubbesuch.
Zu vernünftig?
Mit Alkoholkonsum verbinden viele Menschen auch Lockerheit und Ausgelassenheit. Sind die Jungen heute zu vernünftig? Cédric Sane sagt, er vermisse den Rausch durch Alkohol nicht. Er mache eine ähnliche Erfahrung beim Joggen: «Nach 12 Kilometern kriege ich ein Runner's High.»
«Es ist lustig, es fragen mich viele Leute, wie ich Spass habe ohne Alkohol», sagt Gina Pelosi. Sie verstehe, dass man sich im Rausch sorgloser fühlen könne, aber ihr sei es wichtig, andere Wege zur Sorglosigkeit zu finden.
Mehr Sicherheit ohne Alkohol
David Keller und Gina Pelosi weisen auch auf problematische Seiten des Alkoholkonsums im Ausgang hin. Gina Pelosi sagt: «Ich und alle in meinem Umkreis kennen Beispiele, wo Männer übergriffig wurden.»
Alkohol mache angriffiger – umgekehrt könnten betrunkene Menschen auch weniger gut darauf reagieren und sich wehren. «Ich komme oft unfreiwillig in die Rolle des Aufpassers, weil ich in einer Runde der einzige Nüchterne bin», sagt David Keller.
Beide vermissen den Alkohol nicht. «Ich habe nie verstanden, warum man Alkohol trinken muss, wenn es so viele andere Getränke gibt, die ebenso gut schmecken», sagt Gina Pelosi.