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Wegen Finanzierungsproblemen Notfallnummer Medphone am Ende: Luzern kündigt, Bern sucht Lösung

Die Notrufzentrale Medphone wird Ende Jahr aufgelöst, weil Luzern als wichtiger Kunde abspringt.

Ein Kind stolpert und schlägt sein Kinn an der Tischkante auf, es blutet stark. Eine Frau stürzt auf der Kellertreppe und verdreht sich das Bein. Sie hat starke Schmerzen.

Frau mit Headset lächelt neben rotem Textfeld.
Legende: Ein Anruf bei Medphone kostet 3 Franken 23 Rappen pro Minute. medphone

Für medizinische Probleme wie diese gibt es in den Regionen Bern und Luzern die Notrufzentrale Medphone, die rund um die Uhr erreichbar ist. Die kostenpflichtige Telefonnummer – 0900 57 67 47 – hilft, wenn der Fall nicht lebensbedrohlich ist. Die Auskunftspersonen von Medphone geben Hilfestellung oder verweisen je nach Schwere des Falls an den zuständigen Notfallarzt. Doch dieser Dienst wird nun Ende Jahr eingestellt. Rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsstelle.

Luzern als wichtiger Kunde wird für Medphone zum Verhängnis

Seit 22 Jahren deckt Medphone grosse Teile des Kantons Bern ab und ist auch im Kanton Luzern fester Bestandteil der Notfallversorgung. Dieser sei hauptverantwortlich dafür, dass sich Medphone längerfristig nicht mehr finanzieren kann, sagt Geschäftsführerin Daniela Schudel. «Die Luzerner Ärztegesellschaft als bedeutender Kunde fällt weg.» Der Grund: Der ärztliche Notfalldienst des Kantons Luzern stellt sich künftig neu auf und setzt nicht mehr auf den Berner Partner. Der Kanton führt als Pilotprojekt eine Gesundheitsleitstelle ein – eine Gratisnummer für medizinische Notlagen – und investiert rund 2.5 Millionen Franken.

Das Wegbrechen der Luzerner Ärzteschaft hat Weichen gestellt im Betrieb von Medphone.
Autor: Brigitte Bleiber Co-Präsidentin Luzerner Ärztegesellschaft

Die Ärztegesellschaft des Kantons Luzern wechselt somit vom einen zum anderen Angebot. Co-Präsidentin Brigitte Bleiber hofft, dass das Angebot wie bis anhin gewährleistet werden kann, «sodass es für uns keinen grossen spürbaren Wechsel gibt». Bei Medphone dagegen gehen die Veränderungen ans Eingemachte. «Das Wegbrechen der Ärzteschaft des Kantons Luzern hat Weichen gestellt im Betrieb von Medphone», so Brigitte Bleiber.

Person mit Headset vor mehreren Computerbildschirmen in einem Büro.
Legende: Medphone ist eine ärzteeigene Firma. Rund 55 Prozent des Jahresumsatzes von Medphone werden durch die Ärztinnen und Ärzte finanziert, 25 Prozent durch die kostenpflichtigen Anrufe und zirka 20 Prozent durch Drittkunden. KEYSTONE/Martin Ruetschi

Anschlusslösung gefordert

Was der Wegfall von Medphone für Ärztinnen und Ärzte im Kanton Bern bedeutet, könne man heute noch nicht abschätzen, sagt Simone Salzmann von Arx, Kinderärztin und Co-Präsidentin des Verbands der Berner Haus- und Kinderärzte. Klar ist für sie: «Es braucht eine gute Anschlusslösung.» Denn die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner Medphone sei sehr gut.

Es dürfen nun keine zusätzlichen Belastungen auf uns – auf Ärzteschaft und Praxen – zukommen.
Autor: Simone Salzmann von Arx Verband Berner Haus- und Kinderärzte

Der Kanton Bern und die zuständigen Organisationen seien jetzt in der Verantwortung für einen reibungslosen Übergang. Zusätzliche Belastungen für die Ärzteschaft in der Grundversorgung gilt es laut Simone Salzmann von Arx zu vermeiden.

Als Kinderarzt bedaure ich persönlich diese Entwicklung, obwohl ich sie nachvollziehen kann. Die Zeiten ändern sich leider, eben, halt.
Autor: Dr. med. Gregor W. Kaczala Co-Präsident Ärztlicher Bezirksverein Bern Regio

Der Ärztliche Bezirksverein Bern Regio schreibt in einer Mitteilung an seine Mitglieder, welche SRF vorliegt, er werde sich für eine zeitgemässe Lösung im Sinne der Ärzteschaft einsetzen. Er arbeite bereits aktiv an einer Nachfolgelösung. Ziel sei es, auch künftig eine zuverlässige und qualitativ hochwertige notfallärztliche Versorgung der Bevölkerung via eine entsprechende Anrufzentrale sicherzustellen. Der Co-Präsident Gregor Kaczala schreibt auf unsere Anfrage: «Als niedergelassener Kinderarzt bedaure ich persönlich diese Entwicklung, obwohl ich sie nachvollziehen kann. Die Zeiten ändern sich leider, eben, halt.»

Nahaufnahme eines Headsets auf einem Schreibtisch mit einer tippenden Hand im Hintergrund.
Legende: Die Notfallversorgung ist laut dem Kanton Bern sichergestellt. KEYSTONE/Gaetan Bally

Der Kanton Bern verweist in seinem Schreiben an SRF auf verschiedene bestehende Angebote. An die «Kids Line» beispielsweise, eine kantonale Hotline für Kinder- und Jugendnotfälle. Ausserdem gebe es laut dem Kanton viele Krankenkassen, die telemedizinische Erstberatungen anbieten würden.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 29.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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