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Wegen Nachfolge-Problemen Aus drei Klöstern mache eines

Die Schweizer Klöster befinden sich im Umbruch. Dies, weil immer weniger Menschen in ein Kloster eintreten.

Seit über 1500 Jahren gibt es Klöster auf dem Gebiet der Schweiz. Über das ganze Land verteilt, in Tälern, auf Bergen und in Städten überdauerten diese sakralen Orte die Jahrhunderte und boten Nonnen und Mönchen ein zu Hause. Und diese wiederum boten Reisenden, Hilfesuchenden und Kranken einen Ort der Geborgenheit und des Schutzes.

Und ebendiese Orte stehen vor grossen Problemen: Zwar gibt es auch heute noch zahlreiche Klöster, aber es werden weniger. Und die Bewohner werden immer älter. Neue, junge Mitglieder sind rar, ja eine Seltenheit. Denn es entscheidet sich heutzutage kaum noch ein Mensch für das abgeschiedene Leben hinter den Mauern des Konventes.

Viele Ordensgemeinschaften sehen sich daher zu einem radikalen Schritt gezwungen: Sie schliessen ihre Tore. Und zwar für immer. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Das Kloster Sarnen geht neue Wege

Für Pia Habermacher, die Äbtissin des Klosters Sarnen (OW), kam eine Schliessung des Klosters nicht in Frage. Als klar wurde, dass aufgrund fehlender Mitglieder die Zukunft des Klosters Sarnen nicht mehr garantiert werden konnte, hat sie zusammen mit der Abtei Engelberg, zu dem das Frauenkloster Sarnen gehört, nach einer neuen Lösung gesucht, wie das Klosterleben fortgeführt werden kann – und man hat auch eine Lösung gefunden.

Es kann gut sein, dass man in einigen Jahren wieder vor dem gleichen Problem steht wie jetzt, dass das Kloster zu wenig Mitglieder hat.
Autor: Rut-Maria BoschorPriorin Kloster Sarnen

Entstanden ist dabei ein in der Schweiz bisher einzigartiges Pilotprojekt, das wegweisend sein könnte.

Das Kloster Sarnen fusioniert mit den Klöstern Wikon (LU) und Melchtal (OW), deren Zukunft aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Bewohnerinnen ebenfalls ungewiss war. «Es handelt sich hierbei um ein bisher einzigartiges Projekt, das schon viele Diskussionen mit sich brachte», sagt Äbtissin Pia Habermacher. Denn die Fusion der drei bisher unabhängigen Klöster am Standort Sarnen bringt grosse Veränderungen mit sich.

Es entsteht ein benediktinisches Zentrum

Das dortige Kloster muss umgebaut, saniert und ausgebaut werden, damit per Anfang 2019 die 24 Schwestern aus Wikon und Melchtal in das neu entstehende benediktinische Zentrum Sarnen einziehen können. Künftig werden dort insgesamt 30 Nonnen zusammenleben.

Ein Problem ist dabei das teilweise sehr hohe Alter der Nonnen, sagt die Sarner Priorin Rut-Maria Boschor. Dafür wird im Kloster Sarnen eigens eine eigene Pflegeabteilung eingerichtet, wo die Nonnen, wenn nötig, unterstützt und gepflegt werden. «Für uns war es wichtig, dass unsere Mitschwestern ihre Zeit im Kloster und nicht im Altersheim verbringen können», sagt die Priorin.

Probleme weiterhin ungelöst

Mit dem Zusammenzug der drei Klöster in Sarnen ist das Problem des akuten Mitgliedermangels für die Klöster nicht behoben. Es wurde um einige Jahre nach hinten verschoben. Zwar leben nun wieder dreissig anstatt sechs Nonnen in Sarnen, es mangelt jedoch auch weiterhin an jungen Nachfolgerinnen, die in das Kloster eintreten.

Das Frauenkloster Sarnen

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Das benediktinische Frauenkloster Sankt Andreas in Sarnen im Kanton Obwalden existiert seit über 850 Jahren und gehört zur Abtei Engelberg. Das Sarner Jesuskind befindet sich ebenfalls im Kloster Sarnen, wodurch diesem der Status eines Wallfahrtsortes zufällt. Zu Spitzenzeiten lebten 60 Nonnen im Kloster. Heute sind es noch rund sechs Schwestern. Mit der Fusion mit Wikon und Melchtal und dem rund 13,5 Millionen Franken teuren Umbau des Klosters Sarnen entsteht ab 2019 das «benediktinische Zentrum Sarnen», das rund 30 Nonnen beheimaten wird.

Es könne gut sein, dass man in einigen Jahren wieder vor dem gleichen Problem stehe wie jetzt, meint Priorin Rut-Maria Boschor.

Es wäre schlimm gewesen, alle diese Häuser, die Geschichte und die Tradition aufgeben zu müssen.
Autor: Pia HabermacherÄbtissin Kloster Sarnen

Doch momentan sei die Fusion am Standort Sarnen und die Schliessung der Standorte Wikon und Melchtal die beste und wohl auch einzige Lösung – auch wenn es teilweise schwierig sei für die betroffenen Bewohnerinnen. Denn eine bessere Lösung gebe es aktuell einfach nicht.

Äbtissin Pia Habermacher ist froh, dass die nahe Zukunft des Klosters Sarnen gesichert ist: «Es wäre schlimm gewesen, alle diese Häuser, die Geschichte und die Tradition aufgeben zu müssen.»

Grafik Kloster

Pater Philipp Steiner ist 32 Jahre alt und lebt seit elf Jahren im Kloster Einsiedeln (SZ) als Mönch. Er erklärt, warum er sich zu diesem Schritt entschieden hat.

SRF News: Pater Philipp Steiner Sie sind im Alter von 21 Jahren einem Kloster beigetreten. Warum wird man denn heute eigentlich noch Mönch?

Pater Philipp Steiner: Nun, das ist ein sehr bewusster Entscheid, den ich gefasst habe. Für mich entscheidend war die Frage nach Gott und das Interesse an der Religion und dem Glauben. Schon als Kind habe ich mich stark damit auseinandergesetzt und mich dann nach der Matur für das Kloster entschieden.

Nun gingen Sie doch aber sicher mit einer gewissen Vorstellung ins Kloster. Wie hat sich diese Vorstellung denn von der Realität unterschieden?

Es gab schon gewisse Unterschiede, die ich festgestellt habe. Was ich mir zu Beginn wirklich nicht vorstellen konnte, war wie abwechslungsreich und spannend das Klosterleben ist.

Schliesslich ist dies eine Entscheidung, die eigentlich für den Rest des Lebens Gültigkeit haben sollte.
Autor: Philipp SteinerPater im Kloster Einsiedeln

Natürlich gab es auch immer wieder Herausforderungen, gerade in Bezug auf die Umverteilung der Aufgaben. Denn als ich hier eingetreten bin, umfasste das Kloster Einsiedeln rund 80 Mönche. Heute, 11 Jahre später, sind es noch 48 Mitbrüder. So habe ich mir gerade zu Beginn meiner Zeit als Mönch die Frage gestellt, ob das Kloster Einsiedeln auch wirklich mein zu Hause werden kann.

Und warum hat sich Ihnen diese Frage in Bezug auf das Kloster Einsiedeln gestellt?

Ich denke, es ist normal, dass man sich solch eine Frage nach Eintritt in ein Kloster beschäftigt. Schliesslich ist dies eine Entscheidung, die eigentlich für den Rest des Lebens Gültigkeit haben sollte.

Für kleine Provinzklöster könnte es in den kommenden Jahren eng werden.
Autor: Philipp SteinerPater im Kloster Einsiedeln

Dazu kommt natürlich auch, dass auch unsere Gemeinschaft kleiner wird und sich grundlegende Fragen zur Zukunft des Klosters stellen muss, denn die Mitgliederzahl die nimmt kontinuierlich ab.

Sie sagen, dass auch das Kloster Einsiedeln stetig an Mitgliedern verliert. Wie steht es denn um die Zukunft des Klosters Einsiedeln?

Darauf gibt es keine einfache Antwort. Ein Kloster ist immer eingebunden in die Gesellschaft. Befindet sich diese Gesellschaft im Wandel, so geschieht dies auch mit dem Kloster. Nun, da christliche Werte und Traditionen an Wichtigkeit verlieren, wird es schwieriger für die Klöster, in der Gesellschaft zu bestehen und eine Zukunft zu haben. Es ist daher wichtig, dass wir dazu beitragen, dass das Klosterleben in der Bevölkerung ein Begriff ist. Nur so kann auch ein Überleben der Klöster gesichert werden. Grosse Klöster wie Einsiedeln haben bestimmt eine Zukunft. Für kleine Provinzklöster könnte es in den kommenden Jahren aber eng werden.

Das Gespräch führte Kevin Capellini

Porträt von Pater Philipp Steiner.
Legende: Pater Philipp Steiner: Der 32-Jährige ist seit elf Jahren Mönch im Kloster Einsiedeln. SRF

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Müller, Santiago de Chile (urm)
    Interessant wäre auch zu erfahren, wer diese 13.5 Mio für 30 alte Frauen eigentlich berappt (inkl. eigener Pflegeabteilung). Keine einzige Frau, ausserhalb von Klostermauern, bekommt im Alter dieser Nonnen nur annähernd eine vergleichsweise luxuriöse Wohnung, nicht von der Allgemeinheit finanziert und schon gar nicht von Banken via Hypothek. Egal ob sie Kinder zur Welt gebracht und gross gezogen hat und damit einen Beitrag an die Zukunft geleistet hat.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Menschen möchten halt auch unter Menschen bleiben, wo es auch sehr typisch menschlich zu und her gehen kann und darf. Nur das ist halt noch nicht beim Vatikan angekommen.
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    1. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Wieso sollte das Kloster keine menschliche Gemeinschaft sein? Haben sie je ein Kloster von innen gesehen?
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Hebeisen, ich musste so schmunzeln. Denn nichts entfesselt die inneren Dämonen mehr, wenn der Mensch auf sich zurückgeworfen ist und die dicken Klostermauern sind Garanten, dass solches geschieht. Da wird das Menschsein arg und stetig auf die Probe gestellt. Umso mehr können sich - mit der nötigen Anpassung - die klugen, das menschliche Wesen mit all seinen Tiefen und Höhen kennenden - Regeln Benedikts auch noch heute für unseren Alltag eigenen. Schon eine Leistung.
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    3. Antwort von Charles Halbeisen (ch)
      Frau Kunz: Auch Jesus ging in die Wüste und wurde vom Teufel versucht. Die Wüste war das Kloster der Antike, wo Selbst-Erfahrung gemacht wurde. Ja, im Kloster zeigen sich die Inneren Dämonen, aber das Ziel war immer, diese zu überwinden und den Frieden mit Gott zu finden.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Viel Mut den Ordensfrauen, die in einer wichtigen Tradition westlicher Kultur stehen. Die durch ihre oft klärende und ordnende Kraft, wesentlich zur Verwurzelung und Stabilität an Orten und in der Zeit beigetragen haben. Habt Dank.
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