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Weisse Gefahr Tod von Ueli Kestenholz: Ein Schneebrett wurde ihm zum Verhängnis

Der Schweizer Snowboardpionier Ueli Kestenholz starb am Sonntag bei einem Lawinenunglück – das ist bekannt.

Der Unfall: Am vergangenen Sonntag hat eine Lawine den bekannten 50-jährigen Snowboarder Ueli Kestenholz erfasst. Der Extremsportler wurde verschüttet. Nach erster Rettung durch die Einsatzkräfte der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO) mit Unterstützung von drei Helikoptern der Air Zermatt wurde er ins Spital Visp und anschliessend weiter nach Sitten transportiert, wo er seinen Verletzungen erlag. Der Unfall ereignete sich im Lötschental an der Ostflanke des Hockuchriz in Richtung Schreja.

Das Risiko am Berg: In der Region des Unfallorts herrschte laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) um die Mittagszeit eine Lawinengefahr der Stufe vier von fünf. Nur an rund drei Tagen im Jahr gibt es ein solch hohes Lawinenrisiko. Grundsätzlich gilt: Je steiler der Hang, desto grösser die Lawinengefahr. Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) verunfallen pro Jahr in der Schweiz neun Personen beim Freeriding tödlich, fünf davon aufgrund von Lawinen.

Farbig schattierte topografische Karte von Hockuchriz.
Legende: Diese Darstellung zeigt, dass der Unfallort am Hockuchriz (roter Punkt) an einem steilen Hang liegt. Die Farben markieren Hänge, die eine Neigung von über 30 Grad haben. Je dunkler die Farbe, desto steiler der Hang. Swisstopo/slf

Der Lawinenauslöser: Bei der tödlichen Lawine handelte es sich um eine sogenannte Schneebrettlawine, bestätigt Kurt Winkler vom SLF. Das ist die gefährlichste Form von Lawinen. Dabei löst sich schlagartig eine ganze Schneetafel und rutscht ins Tal. Ob Ueli Kestenholz die Lawine selbst auslöste, ist nicht klar.

Die fünf Lawinen-Warnstufen

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Grafik mit Lawinenwarnstufen.
Legende: slf

Stufe 5: Sehr grosse Lawinengefahr
Viele sehr grosse und extrem grosse spontane Lawinen sind zu erwarten. Diese können Strassen und Siedlungen in Tallagen erreichen.
Empfehlung: Kein Schneesport abseits geöffneter Abfahrten und Routen.

Stufe 4: Grosse Lawinengefahr
Spontane und oft auch sehr grosse Lawinen sind wahrscheinlich. An vielen Steilhängen können Lawinen leicht ausgelöst werden. Fernauslösungen sind typisch. Wummgeräusche und Risse sind häufig.
Empfehlung: Unerfahrene Schneesportler bleiben auf den geöffneten Abfahrten und Routen.

Stufe 3: Kritische Lawinensituation
Wummgeräusche und Risse sind typisch. Lawinen können vor allem an Steilhängen der im Lawinenbulletin angegebenen Expositionen und Höhenlagen leicht ausgelöst werden. Spontane Lawinen und Fernauslösungen sind möglich.
Für Wintersportler kritischste Situation! Empfehlung: Optimale Routenwahl und Anwendung von risikomindernden Massnahmen sind nötig. Sehr steile Hänge der im Lawinenbulletin angegebenen Expositionen und Höhenlagen meiden. Unerfahrenen wird empfohlen, auf den geöffneten Abfahrten und Routen zu bleiben.

Stufe 2: Mässige Lawinengefahr
Alarmzeichen können vereinzelt auftreten. Lawinen können vor allem an sehr steilen Hängen der im Lawinenbulletin angegebenen Expositionen und Höhenlagen ausgelöst werden. 
Empfehlung: Vorsichtige Routenwahl, vor allem an Hängen der im Lawinenbulletin angegebenen Expositionen und Höhenlagen. Sehr steile Hänge einzeln befahren.

Stufe 1: Geringe Lawinengefahr
Es sind keine Alarmzeichen feststellbar. Lawinen können nur vereinzelt, vor allem an extrem steilen Hängen ausgelöst werden.
Empfehlung: Extrem steile Hänge einzeln befahren und Absturzgefahr beachten.

Informationen zur aktuellen Lawinensituation finden Sie hier.
Mehr Informationen zu Gefahren im Schnee gib's bei SLF.

Rund 90 Prozent der Lawinenunfälle sind laut dem SLF auf Schneebrettlawinen zurückzuführen. Gemäss Meldungen, die beim SLF eingingen, sind am selben Tag in der Region rund um den Unfallort insgesamt 17 Lawinen heruntergegangen, neun davon wurden durch Sprengungen ausgelöst.

Schneebedeckte Bergkämme mit Steilhang.
Legende: Auslöser für Schneebrettlawinen ist ein Bruch in einer darunterliegenden Schwachschicht, der sich schnell ausbreiten kann. Die typische, durch Wintersportler ausgelöste Schneebrettlawine, ist 50 Meter breit und bis zu 200 Meter lang. (Archivbild: Le Portalet, 19. April 2016) Reuters/Police Cantonale Valaisanne/Handout

Die Schutzmassnahmen: Von Extremsportler Ueli Kestenholz ist bekannt, dass er stets mit professioneller Schutzausrüstung unterwegs war. Dazu gehören ein Lawinenverschütteten-Suchgerät, eine Schaufel, eine Sonde und ein Lawinen-Airbag. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) warnt vor dem Fahren abseits der Piste trotz guter Ausrüstung: «Wer abseits der Piste fährt und nicht von einer Lawine erfasst werden möchte, muss das Lawinenbulletin des SLF sehr gut studieren.» Pierre Mathey, Geschäftsführer des Schweizer Bergführerverbands, sagt: «Das Risiko lässt sich deutlich reduzieren, aber niemals vollständig ausschliessen.»

SRF 4 News, 13.01.2026, 22:30 ; 

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