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Vegetarischer Trend in Kantinen
Aus 10 vor 10 vom 28.09.2021.
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Weniger Fleischkonsum Kantinen fördern gezielt den Vegi-Trend

In der Mensa der Universität Luzern gibt es keine Fleischmenüs mehr. Das ist das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung.

Mittagszeit an der Universität Luzern. Studentinnen und Studenten, die jetzt ihren Fleischhunger stillen wollen, müssen nach draussen. Seit Semesterbeginn bietet die Mensa alle drei Tagesmenüs entweder vegetarisch oder vegan an.

Die Uni Luzern ist mit ihrer Vegi-Strategie eine Ausnahme. Doch: Fleischlose Menüs in Personalrestaurants und Mensen sind Teil eines grösseren Trends.

Legende: Drei Menüs gibt es in der Mensa der Universität Luzern. Alle drei sind fleischlos. srf

Fast 800 Gramm Fleisch isst die Durchschnitts-Schweizerin, der Durchschnitts-Schweizer pro Woche. Das ist deutlich mehr, als der Bund empfiehlt. 240 Gramm seien genug, heisst es da. Verschiedene Kräfte arbeiten deshalb daran, den Fleischkonsum der Schweizer Bevölkerung zu reduzieren.

Globale Verantwortung

Die ZFV-Gruppe zum Beispiel, welche die Luzerner Mensa betreibt, versucht auch in ihren anderen Mensen und Kantinen, den Fleischkonsum stetig zu senken. Als Genossenschaft hätten sie einen gesellschaftlichen Auftrag, sagt Geschäftsleiterin Nadja Lang.

Sie würden gezielt vorgehen. «Mit mehreren Millionen produzierter Menüs pro Jahr kommt uns eine besondere Verantwortung zu. Wenn man die globale Debatte rund um CO2 anschaut, dann sind die Landwirtschaft und die Ernährung grosse Treiber. Man weiss aus Studien, dass pflanzenbasierte Menüs wesentlich CO2-schonender sind und eine grosse Wirkung haben können.» Neben den gesundheitlichen Aspekten sei dies der Auslöser der ganzen Debatte.

Pflanzenbasierte Menüs sind viel schonender für die Umwelt.
Autor: Nadja Lang Geschäftsleiterin ZFV-Gruppe

Mit dieser Philosophie ist die ZFV-Gruppe nicht allein. Auch die Konkurrenz arbeitet daran, den Anteil vegetarischer Menüs zu erhöhen. Die SV Group, die grösste Kantinen-Betreiberin der Schweiz, hat diesen Beschluss bereits vor rund zehn Jahren gefasst.

Der Grundgedanke sei gewesen, das CO2 zu reduzieren, sagt die Verantwortliche Yvonne Wicki. «Wir gingen das Thema strategisch an und versuchten, CO2 und Foodwaste zu reduzieren.

Relativ schnell haben wir jedoch gemerkt, dass der grosse Hebel bei der Kulinarik auf dem Teller liegt.» Die SV Group habe daraufhin gezielt Köche ausgebildet und mit Erfolg verschiedene kreative Menüs entwickelt. Mittlerweile seien zwischen 30 und 40 Prozent aller verkauften Menüs fleischlos.

Legende: Newsgrafik SRF

Bei der Kommunikation sei entscheidend, dass man nicht den Zeigefinger erhebe. Die Leute wollten angestupst, aber nicht bevormundet werden, so Yvonne Wicki. Dann funktioniere es.

Bauernpräsident setzt sich für Fleischmenüs ein

Einer, der den Vegi-Trend bedauert, ist Markus Ritter, Nationalrat und Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Die heimische Landwirtschaft sei auf die Fleischproduktion angewiesen.

«Ich habe nichts dagegen, dass vegetarische und vegane Menüs angeboten werden. Doch es sollen auch Fleischmenüs angeboten werden. Wenn jemand das kaufen will, soll er es kaufen können und man sollte nicht bereits bei den Menüs eine Einschränkung machen. Das finden wir nicht korrekt und es widerspricht auch unseren Produktionsmöglichkeiten mit den vielen Tieren, die auf den Weiden grasen.»

Legende: Fleischauslage bei einer Metzgerei: Durch den Fleischkonsum unterstütze man die einheimische Landwirtschaft, so Markus Ritter vom Bauernverband. srf

Da wird Markus Ritter wohl gerne hören, dass bei beiden Personalrestaurant- und Mensen-Betreiberinnen Fleisch weiterhin seinen Platz haben soll und muss. Dies betonen sowohl die ZFV-Gruppe wie auch die SV Group. Die Gäste seien nicht bereit, ganz auf Fleisch zu verzichten.

Das weiss man übrigens auch bei der Uni Luzern. Auch wenn zurzeit drinnen nur vegetarisch geschöpft wird, gibt es draussen auf dem Vorplatz der Uni einen Foodtruck für die Fleischhungrigen. Dieser wird zwar bald verschwinden – dann aber soll es auch in der Mensa drinnen wieder ein Menü mit Fleisch geben.

Foodtruck weicht Covid-Testzentrum

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Der Foodtruck vor der Uni Luzern: Er sollte jenen Studierenden, die nicht auf Fleisch verzichten wollen, ermöglichen, sich auf dem Uni-Areal zu verpflegen. Doch ab Donnerstag ist er bereits wieder Geschichte. Die Uni wird an der selben Stelle ein Zelt für ein Covid-Testzentrum aufstellen lassen, wie die sie in einer Mailnachricht an die Studierenden mitteilt. Hintergrund ist die Zertifikatspflicht im regulären Lehrbetrieb: Ungeimpfte Studierende können sich dort - vorerst kostenlos - einem Antigen-Schnelltest unterziehen.

Als Folge davon kehrt Fleisch nun doch wieder in der Mensa zurück: Zumindest die «Bowl» ist ab Montag wieder «mit Topping nach Wahl vegetarisch, vegan oder mit Schweizer Fleisch, Geflügel oder Fisch erhältlich», wie es in der Nachricht an die Studierenden heisst.

10 vor 10, 28.09.2021, 21:50 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von wolf gir  (lefti)
    Dann dürfen Arbeitgeber auch nicht mehr behaupten es gäbe Personalverpflegung
    Ich erwarte keine Bevorzugung von vegi
    Fleisch ist ein Bestandteil unseres essens
    Sonst nehme ich meinen Speck eben so mit
    Werde NIE Vogelfutter essen
  • Kommentar von Nora Zollberger  (norzo)
    Der Bauernverband hat recht: es ist fies, keine Fleischmenus anzubieten. Genauso wie keine Fisch-, keine Palmöl-, keine koschere, keine ayurvedische, keine glutenfreie, keine laktosefreie, etc. Menus anzubieten. (Ironie off)
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Veganer/Vegetarier in der Schweiz: 8.4% und 91,6%, welche auch mal Fleisch essen. Im Übrigen werden Palmöl. Gluten etc. meist deklariert und oftmals vermieden. Fisch und Fleisch ist einerlei.
  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Also keine Vegi-Mahlzeiten anbieten ist ein Skandal aber keine Fleischgerichte eine gute Sache? Den gesellschaftlichen Konsens gibt es sicherlich nicht. Für mich ist meine Gesamtbilanz wichtig und nicht ein einzelner Punkt. Ich fliege beispielsweise nicht in die Ferien. Ein Flug nach Spanien und zurück verursacht gut 500 kg CO2. dafür könnte ich 38 kg Rindfleisch essen und dies nur für den Flug allein.
    1. Antwort von Marcel Halbeisen  (BadTicket)
      Etwas schlechtes wird durch etwas noch schlechteres nicht besser!
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Zuviel ist problematisch aber nicht der Konsum selbst. Jeder von uns hat einen Bereich, wo er sicherlich nicht die beste Bilanz aufzuweisen hat. Derzeit geht es aber sehr einseitig in eine Richtung und dies wird dazu noch von einer Minderheit angetrieben, welche zwar laut ist aber eine Minderheit bleibt. Die Gegenreaktion wird entsprechend sein.
    3. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @Mica: Es geht überhaupt nicht einseitig gegen und für etwas. Im Gegenteil: es gibt breite Ansätze von Bautechnik, Energiegewinnung, Verbrauchsreduktion, ÖV und Velo freundlicher Städteplanung und Förderung, Sharingmodellen, Flugverzicht, Foodwastevermeidung, neuen Anbaumethoden etc. bis und mit eben Ernährung. Also dievolle Palette an Ansätzen.
    4. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Die Ansätze ja aber der Druck ist einseitig. Von Druck, seine Wohnung nie über 18°C zu heizen habe ich bisher nichts mitbekommen. Heizungen liessen sich durchaus so einstellen. Bei der Ernährung hingegen wird von einer Seite Druck ausgeübt und zwar dort, wo sie selbst wenig verändern müssen. Mein erster Satz im ersten Posting zeigt die Problematik.