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Tempo 30 auf fast allen Strassen in der Stadt Zürich
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 14.07.2021.
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Weniger Strassenlärm Stadt Zürich führt Tempo 30 auf den meisten Strassen ein

  • In Zürich soll auf den meisten Strassen künftig Tempo 30 gelten.
  • Damit soll die Bevölkerung vor übermässigem Strassenlärm geschützt werden, heisst es in einer Mitteilung des Stadtrats.
  • Die Umsetzung der neuen Verordnung soll etappenweise erfolgen. Den genauen Ablauf will der Stadtrat später bekannt geben.

Auf gut der Hälfte der Stadtzürcher Strassen gilt bereits Tempo 30, vor allem in den Wohnquartieren, wie das auch in anderen Städten wie Bern oder Basel der Fall ist. Nun sollen in Zürich weitere grössere Strassen dazukommen, wie die zuständige Stadträtin Karin Rykart (Grüne) sagt. «Neu hat der Stadtrat entschieden, dass man auch auf ÖV-Strecken Tempo 30 prüft, damit man die Menschen vom Lärm entlasten kann.»

Denn die Temporeduktion verringere den Strassenlärm um drei Dezibel und das sei für das menschliche Ohr nur noch halb so laut. Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen bedeutet aber auch, dass Linienbusse langsamer fahren müssen. Und das führt zu längeren Fahrzeiten für ÖV-Nutzerinnen und Nutzer. Das sei der Stadtregierung klar, sagt Rykart.

Flankierende Massnahmen nötig

Damit man diese Verlustzeiten kompensieren könne, würden flankierende Massnahmen geprüft – etwa die Optimierung von Lichtsignalanlagen, eigene Fahrspuren und Fahrbahnhaltestellen.

Wenn man jetzt auf den Hauptstrassen ebenfalls 30er-Zonen einrichtet, dann wird manch einer sich Schleichwege durch die Quartiere suchen.
Autor: Mauro Tuena Stadtzürcher SVP-Präsident

Trotz dieser flankierenden Massnahmen spricht der Stadtzürcher SVP-Präsident Mauro Tuena von einer «Nonsens-Idee», die die Quartierstrassen zusätzlich belaste. «Man hat immer gesagt, man macht dort 30er-Zonen, wo die Leute schlafen, und auf den Hauptverkehrsachsen bleibt es bei 50 km/h.»

Wenn man nun aber auf den Hauptstrassen ebenfalls 30er-Zonen einrichte, dann werde manch einer sich Schleichwege durch die Quartiere suchen, glaubt Tuena. «Und das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.»

VCS zufrieden mit der Lösung

Die Stadt betont, Tempo 30 solle nur auf jenen Hauptstrassen eingeführt werden, an denen auch Leute wohnten. Etwa 105’000 Anwohnerinnen und Anwohner sollten so neu vom Lärm entlastet werden. Auf den anderen Hauptverkehrsachsen solle weiterhin Tempo 50 gelten.

Das sei ein pragmatisches Vorgehen, sagt Markus Knauss vom linken Verkehrsclub VCS Zürich. «Es ist für uns zentral, dass jetzt vor allem dort schnell Tempo 30 kommt, wo viele Leute wohnen. Auf Strassen, an denen niemand wohnt, ist es uns relativ egal, wie schnell gefahren wird.»

Auch Städte wie Bern, Basel oder Zug haben in den letzten Jahren vorwärtsgemacht in Sachen Tempo 30 – gegen den Widerstand von bürgerlichen Parteien und Automobilverbänden wie dem ACS.

In Zürich sind Einsprachen gegen die neuen Tempo-30-Zonen zu erwarten. Allerdings hatten diese in der Vergangenheit jeweils wenig Erfolg. So hat das Bundesgericht verschiedene Beschwerden abgewiesen und den Lärmschutz höher gewichtet. Es dürfte darum schwierig sein, den Tempo-30-Boom in den Städten noch zu bremsen.

Hinzu kommt: Bis Ende 2022 müssen überall in der Schweiz die Grenzwerte der Lärmschutz-Verordnung zum Umweltschutzgesetz eingehalten werden.

Auch Winterthur plant Einführung von Tempo 30

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Letzte Woche gab bereits die Stadt Winterthur bekannt, dass sie auf den meisten Strassen Tempo 30 einführen will. In der zweitgrössten Zürcher Stadt sollen in einer ersten Etappe bis 2025 die Strassen rund um die Altstadt und in den Quartierzentren entschleunigt werden. In den Wohnquartieren soll sogar Tempo 20 gelten.

Die Städte Lausanne und Freiburg haben ebenfalls Tempo 30 beschlossen. Die Limite gilt dort vorerst allerdings nur von 22.00 bis 06.00 Uhr. Eine Ausweitung ist vorgesehen.

SRF 4 News, 14.07.2021, 14:00 Uhr

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123 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    In naher Zukunft, wenn das Verkehrsaufkommen so weiter geht, wird in Stosszeiten der Verkehr mit künstlicher Intelligenz gesteuert. Eine Firma in Lugano ist an der Entwicklung eines entsprechenden Systems.
    Bis dahin STAU zu bestimmten Zeiten.
    Eine Reduktion der Geschwindigkeit bei Stau am Gotthard auf 50 km/h, abgestimmt auf die Wartezeit am Loch. Wenn ab Altdorf höchstens 50 gefahren würde weil die Wartezeit 1 Std beträgt so würde man nicht wie der Esel am Berg mit laufendem Motor warten.
  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    @SRF: wie schnell darf denn eine Blaulichtorganisation (Ambulanz, Feuerwehr, Polizei) in der 30er Zone unterwegs sein? Auch mit Blaulicht kann „gerast“ werden (siehe Urteil Genf). Bedeutet dies nun auch eine Absenkung des Tempos bei Fahrt mit Blaulicht?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Lily Mathys
      Guten Tag Frau Mathys
      Blaulicht-Organisationen können in begründeten Fällen schneller fahren als das Tempolimit. Überschreitet ein Rettungswagen die Höchstgeschwindigkeit und wird geblitzt, muss Schutz und Rettung Zürich jeweils Stellung nehmen und begründen, weshalb das Fahrzeug schneller als erlaubt unterwegs war. Bei Schutz und Rettung Zürich gilt die interne Vorgabe: Bei signalisierter Höchstgeschwindigkeit bis zu 80 km/h beträgt die erlaubte Überschreitung maximal 20 km/h, ausserorts darf sie um bis zu 30 km/h übertreten werden.
      Die Blaulicht-Organisationen haben aber keinen Freibrief zum Rasen. In Basel wurde 2014 ein Polizeiwachtmeister verurteilt, weil er bei der Verfolgung eines Töfffahrers in einer 30er-Zone mit bis zu 97 km/h unterwegs war.
      Liebe Grüsse, SRF News
    2. Antwort von Lily Mathys  (Alle vergeben)
      @SRF: herzlichen Dank für die Antwort. Also darf in ZH nur noch 50 anstatt 70km/h mit Blaulicht gefahren werden. Somit ist nicht nur öV und Straßenverkehr betroffen, sondern auch Rettung.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Noch besser und ökologischer, wäre den Privaten Motorverkehr in der Stadt zu untersagen, bei dem top Angebot im ÖV wäre das absolut machbar und sinnvoll und erhöht erst noch die Lebensqualität!
    1. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Uiii, das würde ja ein Erdbeben auslösen.
      Wie war das im letzten Jahrhundert als das starke befahrene Limmatquai fahrzeugfrei werden wollte.
      Damals träumte das Bürgertum vom Parkhaus unter der Limmat (ca Höhe Grossmünster zum See hin). Wenig im Internet zu finden.

      Sinnvoll ist es schon. Was aber wiederum gewisse Bevölkerungsschichten aus den Innenstädten, wegen überrissenen Mietzinsen vertreibt.
      Alles was ökologisch erkämpft wird bietet dem Kapital mehr Gewinn.
      Regulation einhergehend.