Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz «Wenn Schweden das kann, wird die Schweiz das auch schaffen»

Bundesrätin Doris Leuthard informiert sich in Schweden über die dortige Energiewende. Beide Länder seien in vielen Bereichen vergleichbar, sagt sie. Deshalb helfe es manchmal, in der Schweiz mit den schwedischen Verhältnissen zu argumentieren.

Schweden und die Schweiz werden auf der Welt gern verwechselt. Tatsächlich gibt es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Ländern – aber auch Unterschiede: Das skandinavische Land hat mit knapp zehn Millionen fast zwei Millionen Einwohner mehr als die Schweiz, ausserdem ist Schweden flächenmässig zehn Mal so gross wie unser Land.

Nichtsdestotrotz besucht Energieministerin Doris Leuthard das Land, um sich mit Vertretern der schwedischen Regierung über die Energiepolitik auszutauschen. SRF-Korrespondent Bruno Kaufmann hat in Stockholm mit der Bundesrätin über ihre Eindrücke gesprochen.

SRF News: Ein Thema ihrer Gespräche waren die radioaktiven Abfälle aus den AKW. Was läuft in punkto Tiefenlager in Schweden anders als in der Schweiz?

Doris Leuthard: In der Schweiz sind wir immer noch in der Phase, dass wir in einem Beteiligungsprozess der Betroffenen einen Standort suchen. Schweden hat diesen Standort bereits definiert. Das Land ist dabei – ebenfalls in einem Partizipationsprozess – konsequent nach der Vorgabe vorgegangen, die selber produzierten Atomabfälle auch im eigenen Land zu entsorgen. In Sachen Bürgerpartizipation konnten wir durchaus von Schweden lernen.

Ein wichtiger Teil der Energiewende ist der Wohnungsbau. Sie haben ein Quartier in der Nähe von Stockholm besucht, das auf innovative, intelligente Stromnetze setzt. Was ist Ihnen von dem Besuch geblieben?

Imponierend war die Umwandlung eines Industrie- in ein Wohngebiet. Rein architektonisch war ich weniger beeindruckt. Was Gebäudestandards angeht, ist die Schweiz wahrscheinlich top. Dafür machen die Schweden bei den intelligenten Stromzählern vorwärts, die sind überall vorgeschrieben. Jeder kann seinen Stromverbrauch damit ständig kontrollieren, Fernwärmesysteme werden zum Heizen, im Sommer auch zum Kühlen verwendet. Wirklich spannend ist das System der Abfallentsorgung mittels direkter Rückführung ins Fernwärmenetz. Hier ist uns Schweden voraus.

Sie treffen nun mehrere schwedische Minister. Wo können diese etwas von der Schweiz lernen?

AKW, davor weiden Schafe.
Legende: Auch Schweden ist nach wie vor auf Atomenergie angewiesen. Keystone

Bei der Energieeffizienz steht die Schweiz viel besser da als Schweden. Der Pro-Kopf- und auch der Gesamtverbrauch in Schweden ist viel höher als bei uns. Das betrifft sowohl den Gebäude- als auch den Verkehrsbereich. Das hat unter anderem auch mit dem dichten Netz des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz zu tun.

Wird es Ihnen der Besuch hier in Schweden erleichtern, die Menschen in der Schweiz von der Energiewende zu überzeugen?

Bei den Minister-Kontakten geht es vor allem um den Austausch. Darum, zu erfahren, welche Massnahmen Schweden ergriffen hat und welche Erfahrungen man damit gemacht hat. In vielen Bereichen ticken die beiden Länder sehr ähnlich und es ist sehr interessant zu erfahren, was funktioniert und was nicht. Auch sind Teile der Schweizer Wirtschaft gegenüber der Energiewende immer noch skeptisch. Da hilft es mir mit den schwedischen Verhältnissen zu argumentieren: Hier werden hohe Abgaben auf fossilen Energieträgern erhoben, und trotzdem brummt die Wirtschaft – wenn man auf die Wachstumszahlen schaut, sogar besser als in der Schweiz. Da muss ich dann schon sagen: Wenn Schweden das kann, wird die Schweiz das wohl auch schaffen.

Das Interview führte Bruno Kaufmann in Stockholm.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    NEIN, Frau Leuthard, Ihre juristische Unkenntnis führt uns nicht auf's Glatteis. Die Honigtöpfe der Steuerzahler bleiben geschlossen. Schluss mit dem Gewäsch von CO2 Reduktion und Erneuerbaren. Jede Energie ist erneuerbar. Kernenergie ist sauber und unverzichtbar, Solar- und Windenergie nicht nachhaltig und unrentabel. Dass wissen alle. Wenn Merkel subventionniert heisst das nicht, dass Sie den selben Fehler machen sollen. Zölle hoch auch deutscher Energie. Schluss mit Lüge und Diebstahl !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von F. Spälti (spf)
    Wieso wird nicht alles gesagt? Die schwedische Regierung hat im Juni 2016 beschlossen, mindestens 10 KKW nach und nach aufzurüsten und zu erneuern. Dies ganz einfach weil man eine stabile und sichere Stromversorgung will, die auch bezahlbar ist. Dass dies mit dem Flatterstrom von Wind und Sonne nicht möglich ist wird dort offenbar eingesehen. Hoffentlich macht die Schweiz nicht die gleichen Fehler wie Deutschland, wo viele Leute den Strom kaum mehr bezahlen können!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Max Studer (studmax)
      Schweden ist in Besitz von 5 KKW, davon sind 2 stillgelegt. Die Anzahl noch aktiver Reaktoren beläuft sich auf 9. Wie kann man dann mindestens 10 KKW aufrüsten?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von F. Spälti (spf)
      Klar Hr. Studer es sind 10 Reaktoren. Trotzdem hat die Vernunft gesiegt!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen