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Widerstand gegen Gefängnisbau Linksextreme Gewalt hält Basel in Atem

Legende: Audio Beunruhigende Anschlagsserie in Basel abspielen. Laufzeit 04:31 Minuten.
04:31 min, aus Echo der Zeit vom 21.09.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In der Stadt Basel versuchen gewaltbereite Linksextremisten, den Bau eines Gefängnisses zu verhindern.
  • Sie erpressen die am Bau beteiligten Unternehmen und zünden auch deren Material an.
  • Inzwischen wurde der Bundesnachrichtendienst eingeschaltet.
  • Auch in Zürich kam es zu ähnlichen Vorfällen.

Alle paar Tage schlagen die Täter in Basel zu: Anfang September zündeten sie innerhalb von 24 Stunden drei Autos an. Diese Woche schlitzten sie bei mehreren Fahrzeugen die Reifen auf. Hinterher brüsten sie sich im Internet mit ihren Taten.

Linksradikale Gewalt

Die mutmasslich linksextremen Täter stellen ihre Anschläge in den Zusammenhang mit einem neuen Gefängnis, das direkt neben dem Ausschaffungsgefängnis Bässlergut gebaut wird. Sie wollen das Gefängnis verhindern, weil sie es als Symbol eines aus linker Sicht repressiven Staates betrachten. Sie haben es daher auf Unternehmen und Personen abgesehen, die am Gefängnisbau mitarbeiten.

Linksextremismus – auch gewalttätiger – sein ein bekanntes Phänomen, sagt der basel-städtische Sicherheitsdirektor Baschi Dürr. Er verweist auf zuweilen gewalttätigen Demonstrationen, aber «in dieser Form haben wir das in Basel noch nie gesehen.»

Inzwischen beschäftigt sich auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mit den Vorfällen. Denn nicht nur in Basel, sondern auch in der Region Zürich gab es in letzter Zeit Brandanschläge – ebenfalls im Zusammenhang mit einem Gefängnisbau.

Auf Anfrage heisst es beim NDB, das Gewaltpotenzial sei in letzter Zeit gestiegen. Er registrierte letztes Jahr gut 200 linksextrem motivierte Vorfälle. Das sind zehnmal mehr als bei Rechtsextremen.

Mann spricht in ein Mikrofon, im Hintergrund eine Baumaschine.
Legende: Sicherheitsdirektor Baschi Dürr bei der Grundsteinlegung des Gefängnisausbaus im April. Keystone

Ähnliches Vorgehen überall in Europa

«Das ist nicht neu, sondern der Klassiker», sagt der Basler Extremismus-Experte Samuel Althof. Das Vorgehen sei eine «ausformulierte Gewaltstrategie der Linksextremen», die auch in Italien, Frankreich oder Deutschland angewendet werde. Auch die Methoden der Linksextremen seien nicht neu. So wird in Basel versucht, die am Gefängnisbau beteiligten Unternehmen zu erpressen. Ganz nach dem Motto: Nur wenn ihr euch vom Bau des Gefängnisses zurückzieht, lassen wir euch in Ruhe.

Es kann nicht sein, dass eine kleine Splittergruppe die am Bau Beteiligten in die Knie zwingt.
Autor: Baschi DürrSicherheitsdirektor Kanton Basel-Stadt

Für die betroffenen Baufirmen ist die Situation unangenehm. Keine von ihnen möchte öffentlich Stellung nehmen. Dafür kennt Thomas Blanckarts, der als Leiter des Basler Hochbauamts mit den Unternehmen zusammenarbeitet, deren Befindlichkeit: Es sei für alle belastend, dass man ständig mit Brandanschlägen rechnen müsse. «Die Firmen sorgen sich auch um ihre Mitarbeiter», sagt er. Das Thema sei allgegenwärtig.

Kriminalpolizei fahndet nach den Gewalttätern

Die Basler Behörden nehmen das Problem ernst. Die Gefängnis-Baustelle ist mittlerweile besser gesichert, den betroffenen Firmen wird empfohlen, die Logos von ihren Firmenwagen zu entfernen. So bleibe anonym, welche Unternehmen auf der umstrittenen Baustelle arbeiteten.

Einig ist man sich in Basel, dass die Extremisten ihr Ziel nicht erreichen sollen. Sicherheitsdirektor Dürr hofft, dass sich kein Unternehmen einschüchtern lässt und sich vom Bau des Gefängnisses zurückzieht. Nur schon aus staatspolitischen Überlegungen. «Schliesslich wurde der Gefängnisbau im Parlament praktisch ohne Gegenstimme angenommen.» Es könne nicht sein, dass nun eine kleine Splittergruppe die am Bau Beteiligten «in die Knie zwinge».

Die Kriminalpolizei hat eine Fachgruppe eingesetzt, die den Gewalttätern das Handwerk legen soll. Ob schon Brandstifter gefasst wurden, geben die Behörden jedoch nicht bekannt.

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Serena Gnabry (SerenaG)
    Ganz klar ist die Linksextreme Gewalt zum echten Problem für ganz Europa geworden. Sah man auch als in Deutschland ein Linksextremer Sumpf aufgedeckt wurde und verschiedene Waffen beschlagnahmten. Aber auch die Krawalle in Hamburg, als sogar ein Polizist lebensgefährlich verletzt wurde, unzählige Polizisten sehr schwer, ein grosser Sachschaden. Und auch diese Krawalle hier gegen auf das Konto von Linksextremen. Denen sind fremdes Eigentum und Menschenleben egal. Jeder Extremismus gehört verbannt
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wieviele dieser linken Verbrecher haben wohl verwandtschaftliche Beziehungen in die Politik und in den Beamtenapparat?Gegen Verwandte zu ermitteln ist unmöglich.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Rechte wie linke Gewalt ist inakzeptabel ! Allerdings ist der linksextreme Block viel gefährlicher. Er ist bestens strukturiert, international vernetzt und es bleibt nicht nur bei Sachbeschädigungen. Die Toleranzgrenze liegt bei weitem höher und man zeigt sich viel verständlicher. Rechtsextreme Ausschreitungen werden sofort abgeblockt. Das eine wie das andere, es sind kriminelle Handlungen !
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Die internationale Vernetzung bringen auch die Rechtsextremen mit (siehe Verbindungen der "Identitären" in alle westeuropäischen Länder inkl. CH), und das Handy mit den Kurznachrichtendiensten ist Kommunikationsmittel Nr. 1 bei allen Organisationen. Keine steht der anderen in etwas nach. Die linke Gewalt ist deutlicher sichtbar und stösst öffentlich auf mehr Ablehnung als die perfidere, gefährlichere Gangart der Rechtsextremen, die sich über die Ansprache tiefster Gefühle in den Köpfen einnistet
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    2. Antwort von Serena Gnabry (SerenaG)
      " Ablehnung als die perfidere, gefährlichere Gangart der Rechtsextremen, die sich über die Ansprache tiefster Gefühle in den Köpfen einnistet" Wie kommen Sie darauf Nicolas D. Ich sehe nur wie eine dauernde Verharmlos der Linksextremen und Linksextremen Gewalt. Umgekehrt habe ich noch nie solche Beobachtungen gemacht. Ich bin aber gespannt auf Ihre Belege. Die SPD in Deutschland weigert sich etwa hartnäckig anzuerkennen, dass es Linksextreme überhaupt gibt. Um nur ein Beispiel zu nennen.
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    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Nach wie vor fehlt ein Beleg dafür, dass "die SPD" nicht anerkennt, dass es Linksextreme gibt. Steht das im Parteiprogramm? - Wenn Sie Pauschalisierung auf der einen Seite des politischen Spektrums anprangern, wäre es nichts anderes als sauber, sie auf der anderen Seite nicht noch aktiv zu betreiben.
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