Zum Inhalt springen

Schweiz Wie Detailhändler das Gesetz der Sonntagsarbeit umgehen

Vor wenigen Monaten schob das Bundesgericht den Detailhändlern und deren Umgang mit der Sonntagsarbeit einen Riegel vor. Um trotzdem offen haben zu können, greifen sie zu immer neuen Tricks.

Legende: Video «Verkaufsverbot am Sonntag umgehen» abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.10.2013.

Familienbetriebe dürfen teils auch am Sonntag offen haben. Diesen Umstand nutzten bis vor kurzem noch Coop, Migros und Valora und setzten für einige ihrer Läden auf Grossfamilien als Geschäftsbetreiber. Im Juli aber schob das Bundesgericht dem einen Riegel vor: Familienbetriebe, die als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) organisiert seien, seien keine echten Familienbetriebe.

Noch gibt es viele Läden, die trotz Gerichtsurteil nichts an ihrer Praxis geändert haben – so auch im Kanton St. Gallen. Das stört die Gewerkschaft Unia. Nicole Stamm von Unia Region Ostschweiz-Graubünden: «Wir fordern vom Kanton St. Gallen, dass das Gesetz umgesetzt wird.»

Juristischer Trick, damit alles beim Alten bleibt

Gerichtsurteil hin oder her: Die Detailhändler wollen sich eines weiteren Hintertürchens bedienen, um ihre Läden trotzdem am Sonntag offen zu haben. Im Kanton St. Gallen will man den nächsten juristischen Trick erproben – abgeschaut von betroffenen Familienläden aus der Romandie.

Jürg Ketzer, Sprecher Coop Mineralöl AG, erklärt, wie die Romands vorgehen: Die Geschäftsform werde geändert – «weg von der juristischen Person als Familienunternehmen, sprich GmbH, hin zu einer Personengesellschaft, einer Kollektivgesellschaft.» Es ändere sich nur die Rechtsform, Betreiber und Öffnungszeiten blieben gleich.

21 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Warum eigentlich sind Gewerkschaften neuerdings nur noch auf "Verhindern" aus? Was wäre, wenn man für neueingeführte durchgehende Öffnungszeiten im GAV einen Passus einführt, das dafür neues Personal einzustellen sei? So würden alle profitieren. Geschäft offen, neue Jobs, und die bisherigen Mitarbeiter hätten keine Mehrbelastung. Dieses ständige Schreien nach Verboten macht die Gewerkschaften nur noch unglaubwürdig...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Stll, SG
    Mich stört es nicht, dass die Läden offen bleiben, da dies auch arbeitsplätze bedeutet... in der Pflege, Fabriken, Gastronomie usw. wird ja auch Tag und Nacht und an Sonntatage und Feiertage gearbeitet....aber, dass ein gesetz umgangen wird in dem man von einer GmbH zu einer kolektiv Gesellschaft finde ich daneben...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Steiner, ZH
    Dass durch liberalisierte Ladenöffnungszeiten sukzessive immer mehr Leute unter die Räder kommen, war klar. Was glaubt ihr eigentlich? Wo Profit zu holen ist, wird er heute geholt. Mit allen Mitteln. Jeder, der vergangene Abstimmung Ja gesagt hat und nun langsam seine eigene Freiheit davonschwimmen sieht, dem mag ich es von Herzen gönnen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Frederic Weill, A
      Aber hallo, ich glaube nicht, dass wir in der Schweiz Sklaven beschäftigen. JEDER der am Sonntag arbeitet, tut dies aus freiem Willen und vielen Leuten kommt dies nicht nur finanziell, sondern auch persönlich entgegen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von W. Pip, ZH
      Jeder tut dies aus freiem Willen? Verzeihen Sie meine Offenhait, aber Sie haben offenbar keine Ahnung, was von Arbeitnehmern heutzutage -auch nur implizit- verlangt wird.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen