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Können die das? Wie viele Management-Qualitäten brauchen Bundesräte?

Stimmen aus der Wirtschaft wünschen sich Eignungsprüfungen für Bundesratskandidaten. Politexperten sind da eher skeptisch.

Legende: Video «Führungsqualitäten der Bundesratskandidaten» abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.09.2017.

Am Mittwoch wird ein neues Mitglied in den Bundesrat gewählt. Für die Kandidaten bestehen ganz unterschiedliche Kriterien, die niemals auf eine einzige Person passen: Da ist zum einen der Anspruch einer Sprachregion – mit dem Tessiner Ignazio Cassis. Dann sollte es eine Frau sein – bei Isabelle Moret also die Geschlechterfrage. Und unbestritten ist die Parteizugehörigkeit – in dieser Ergänzungswahl muss es die FDP sein.

Nun werden aber aus der Wirtschaft Stimmen laut, die als Auswahlkriterium auch Management-Qualitäten fordern, denn immerhin ist ein Bundesrat auch Chef über Tausende Mitarbeiter eines Departements.

Unterschiedliche Logiken bei Politik und Wirtschaft

Auf die Anforderung nach Qualifikationen, wie sie in der Wirtschaft notwendig sind, reagieren Politologen skeptisch. Die Politik könne durchaus in vielen Bereichen von der Wirtschaft lernen, sagt der Politologe Adrian Vatter. Nur würden Politik und Wirtschaft nach ganz unterschiedlichen Logiken funktionieren: «Die Wirtschaft nach dem Wettbewerbsprinzip und nach der Marktlogik, während die Politik, gerade in der Schweiz, stark kompromissorientiert funktioniert. Hier muss der Konsens gesucht werden.»

Management-Qualitäten als wichtigstes Kriterium für Mitglieder des Bundesrats lehnt auch alt Ständerat Felix Gutzwiller (FDP/ZH) ab. Er war Mitglied der FDP-Findungskommission für die Nachfolge von Didier Burkhalter. Auch für ihn sind Politik und Wirtschaft zwei sehr unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Anforderungen und Kompetenzen, die gefragt sind. Wir seien in der Schweiz gut gefahren mit diesen unterschiedlichen Systemen.

«Wenn wir die letzten 50 Jahre Politik ansehen, hat die politische Selektion sicher nicht schlechtere Ergebnisse gezeigt, als dies in der Wirtschaft der Fall war», ist Gutzwiller überzeugt.

Assessments – oder die klassische, öffentliche «Ochsentour»

Eignungsprüfungen, sogenannte Assessments, wie sie für das höhere Management in Unternehmen üblich sind, gebe es auch in der Politik, betont Politologe Adrian Vatter.

Eine Eignungsprüfung finde in der Politik viel transparenter statt als in der Wirtschaft. «Es sind gerade die Medien, die als Hüter der Demokratie eine ganz wichtige Rolle spielen. Eigentlich findet so ein öffentliches Assessment statt.»

8 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Lebenserfahrung, Vorstellungsvermögen, logisches Denken und gefühlsmässige Abschätzung helfen uns, Zusammenhänge zu erkennen und zukünftige Entwicklungen voraus zu sehen. Dazu gehört unsere Bereitschaft, zu uns selbst ehrlich zu sein und wo nötig unsere Sicht zu überdenken. Alle drei Kandidaten verdienen unser Vertrauen. Alle drei sind denkbar im Bundesratsteam.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber Linke/Grüne wollen die Frauenquote durchboxen, aber es darf keine Bürgerliche sein. Egal, wenn es bessere Kandidaten gäbe. Argument von ihnen jetzt immer ist, dass wenn BR D. L. zurück tritt, es dann nur noch eine Frau im BR ist. Aber da könnte ja dann die CVP auch Abhilfe schaffen, indem sie nur Frauen nominieren. Schon komisch, dass das noch nie Thema war.
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  • Kommentar von B Wenk (bwenk)
    Wenn ich mir das Ergebnis der Wahlen in Amerika anschaue (unter anderem Beispielen) wünschte ich mir vor allem einen Charaktertest... Wer Führung für ein Land übernimmt braucht vor allem auch menschliche Qualitäten und Eldership...
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Berater/ZuflüstererInnen" des Bundesrates, müssen explizit vielseitige,100% loyale, ehrliche, zuverlässige, verantwortungsbewusste "Leute" sein, welche sich bei ihrem Auftrag, absolut bewusst sind, dass es primär um das Volkswohl geht und entsprechend raten/beraten! Der Bundesrat, muss aus Personen bestehen, welchen ebenfalls das Volks-Wohl im Fokus steht. Hinzu kommt, dass BundesräteInnen, vielseitig sein müssen im Denken und Handeln - keine Vetternwirtschaft, keine Volks-Ausbeutung zulassen!
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