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Angst um GAV Wieder Unruhe bei Elvetino: Mehr Kündigungen?

Nach der Freistellung des Elvetino-Chefs befürchtet die Gewerkschaft, dass der neu ausgehandelte GAV auf der Kippe ist.

Legende: Audio Wieder Unruhe bei Elvetino: Mehr Kündigungen? abspielen. Laufzeit 04:49 Minuten.
04:49 min, aus Espresso vom 24.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elvetino-Chef Wolfgang Winter wurde per sofort freigestellt.
  • Die Gewerkschaft SEV sagt, sie habe in letzter Zeit vermehrt Entlassungen wegen Kleinigkeiten beobachtet.
  • Die Mitarbeiter sind verunsichert und die Sozialpartner befürchten, dass der neu ausgehandelte GAV auf der Kippe steht.
  • Die SBB beteuern gegenüber Radio SRF, dass der GAV ratifiziert sei und planmässig unterschrieben werde.

Die Konsumredaktion «Kassensturz/Espresso» berichtete 2016 über die Zustände für Minibar-Mitarbeiter bei Elvetino. «Es herrscht einfach Angst», erzählte eine Angestellte. Oder ein anderer Mitarbeiter: «Elvetino vertraut seinen Mitarbeitern überhaupt nicht. Und das ist einfach schlimm.»

Der damalige Elvetino-Chef Wolfgang Winter hatte ein Strafpunktesystem eingeführt. Manager kontrollieren auch heute noch die Angestellten im Zug auf kleinste Vergehen, wie zum Beispiel das Fehlen der Krawatte. Wer insgesamt acht Strafpunkte auf seinem Konto hat, fliegt raus.

Ebenfalls 2016 wurde bekannt, dass Elvetino ab Dezember 2017 die Minibar-Wägelchen abschafft.

Legende: Video Aufruhr bei Minibar-Personal: SBB-Tochter schikaniert Arbeiter abspielen. Laufzeit 17:04 Minuten.
Aus Kassensturz vom 02.02.2016.

Pillouds Versprechen : «Alle Mitarbeiter bekommen ein Jobangebot»

Die SBB-Chefin Personenverkehr, Jeannine Pilloud, hatte im «Kassensturz»-Interview versprochen, dass alle 200 Mitarbeiter der Minibar eine Umschulung erhalten und in einem der zusätzlichen 60 Zugrestaurants unterkommen würden. Auch die Gewerkschaft SEV hatte dieses Versprechen ernst genommen.

Umso beunruhigter ist Gewerkschafterin Regula Pauli, dass in letzter Zeit vermehrt Mitarbeiter entlassen wurden wegen Kleinigkeiten: «Diese Kündigungen wären unserer Meinung nach in den vorangegangenen Monaten nicht erfolgt. Das zeigt uns, dass hier etwas läuft, was ungesund und besorgniserregend ist.»

Der SEV vermutet, dass Elvetino auf diese Weise vor der Umstrukturierung den Personalbestand verkleinert, damit weniger Mitarbeiter in den neuen Zugrestaurants unterkommen müssen. Ob dieser Eindruck stimme, wollte die Gewerkschaft kürzlich in einem Brief an Elvetino-Chef Winter wissen.

Wolfgang Winter konnte den Brief nicht beantworten, da er vor wenigen Tagen per sofort freigestellt wurde. Die SBB schreibt dazu: «Es handelt sich um einen Compliance-Fall. Es bestehen massive Vorwürfe gegen Wolfgang Winter.» Im Übrigen gelte die Unschuldsvermutung.

Verunsicherung bei den Sozialpartnern

Für Regula Pauli von der Bahngewerkschaft SEV stellt sich nach der überraschenden Freistellung noch eine weitere Frage: Wie weiter mit dem Gesamtarbeitsvertrag? «Der GAV ist ausgehandelt und ratifiziert, aber noch nicht unterschrieben.» Sie hoffe darauf, dass das Verhandlungsresultat trotzdem akzeptiert und umgesetzt werde.

SBB: GAV wird planmässig unterschrieben

Auf Anfrage von «Espresso» schreibt die SBB unmissverständlich: «Der GAV ist ratifiziert und wird planmässig unterschrieben. Die Freistellung von Wolfgang Winter hat nichts mit dem GAV oder der eingeschlagenen Strategie zu tun.» Und weiter nimmt die SBB-Medienstelle Stellung zum Vorwurf der Gewerkschaft, dass in den letzten Wochen vermehrt Kündigungen ausgesprochen worden seien: «Wir haben die Situation bei den Kündigungen genau analysiert. Wir haben im laufenden Jahr im Vergleich zum Vorjahren keinen Anstieg an Kündigungen bei Elvetino festgestellt.»

Und Pillouds Versprechen?

Nicht ganz so deutlich reagiert die SBB auf die Frage, ob das Versprechen von Jeannine Pilloud eingehalten werde. Es sei so, dass allen Mitarbeitern eine faire Chance gegeben werde. Sämtliche Mitarbeiter seien umgeschult worden und man sei zuversichtlich, dass man einen grossen Teil in Zukunft beschäftigen könne. Es gebe aber normale Abgänge, welche derzeit aufgrund eines Einstellungsstopps nicht ersetzt würden. Die SBB betont aber: «Es ist keine Entlassungswelle geplant.»

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