Zum Inhalt springen

Tierquälerei in Hefenhofen «Wir haben sicher nicht zugeschaut»

Legende: Audio Die Thurgauer Behörden verteidigen ihr Vorgehen abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
01:50 min, aus HeuteMorgen vom 08.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Thurgauer Kantonspolizei evakuiert heute alle 250 Tiere vom Hof eines Pferdehändlers in der Gemeinde Hefenhofen.
  • Gestern hat die Polizei den Tierhändler in Gewahrsam genommen. Voraussichtlich wird ihm verboten, Tiere zu halten. Ein Verbot, das spät kommt, kritisieren Tierschützer.
  • Die Thurgauer Regierung verteidigt sich jedoch und erklärt, man habe bereits 2014 ein Tierhalteverbot ausgesprochen. Wegen eines Verfahrensfehlers wurde das Verbot vom Bundesgericht jedoch wieder aufgehoben.

Der Thurgauer Pferdehändler wurde bereits mehrfach wegen Tierquälerei verurteilt. Auch eine Gefängnisstrafe musste er absitzen, weil er den Kantonstierarzt massiv bedrohte. Trotzdem durfte er weiterhin Tiere halten.

Nachdem Ende Juli eine weitere Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einging und Zeitungen Fotos von gequälten Tieren veröffentlicht hatten, reagierten die Thurgauer Behörden. Der Pferdehändler wurde gestern in Gewahrsam genommen, rund 250 Tiere werden heute vorsorglich beschlagnahmt. Man habe schnell reagiert, rechtfertigt sich Kantonstierarzt Paul Witzig: «Wir haben sicher nicht zugeschaut. Wir haben immer gehandelt.»

Wir haben sicher nicht zugeschaut. Wir haben immer gehandelt.
Autor: Paul WitzigKantonstierarzt

Es sei bisher nicht möglich gewesen, weiter zu gehen, erklärt der Tierarzt weiter. Dass dies für die Tierschützer schwer verständlich sei, könne er sich gut vorstellen.

Juristisch die Hände gebunden

Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer betont, man habe schon vor drei Jahren reagiert: «Wir haben bereits im Jahr 2014 ein totales Tierhalteverbot erlassen. Das ist leider wegen eines Verfahrensfehlers vom Bundesgericht aufgehoben worden.»

Wir haben bereits im Jahr 2014 ein totales Tierhalteverbot erlassen. Das ist leider wegen eines Verfahrensfehlers vom Bundesgericht aufgehoben worden.
Autor: Walter SchönholzerThurgauer Regierungsrat

Aber es gebe es eine Vielzahl weiterer Verfahren, die nun laufen würden. Weil der Pferdehändler aus Hefenhofen die Entscheide jeweils durch alle Gerichtsinstanzen anfechte, hätten die Behörden nichts machen können.

Beweisfotos ermöglichten sofortiges Handeln

Der aktuelle Fall könnte dies ändern. Weil Beweisfotos vorlägen, habe das Veterinäramt ein sofortiges Tierhalteverbot ausgesprochen, sagt Regierungsrat Schönholzer. Aber auch dieser Erlass ist zeitlich beschränkt und muss noch von den Gerichten geprüft werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

49 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Mich würde auch interessieren, wie viel Subventionen dieser Bauer gesamthaft erhalten hat, wie die Auflösung des Hofes vor sich geht (es geht ja auch um die Sachgegenstände etc.), wie sich die Tiere erholen, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickelt. Wäre noch ein guter Stoff für einen Dokumentarfilm.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P. Gemperle (PGT)
    Nun reden sie sich alle wieder raus, Regierungsrat Schönholzer, Kantonstierarzt Witzig und der Gemeindeammann von Hefenhofen. Verfahrensfehler, wer hat den begangen ihr Amtsversager. Von Anzeige zu Anzeige habt ihr allesamt nichts unternommen und habt die Tiere weiter leiden lassen. Wie viel Subventionen bekam der Tierquäler bis anhin für sein schändliches Verhalten. Liebes SRF, recherchiert auch dies noch. Die Geschichte wird so wahrscheinlich noch ein traurigeres "Gesicht" bekommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ich bin überzeugt, dieser bekannte Tierquäler zahlt für seine Schandtaten schlussendlich ca. CHF 300.- ! Das lächerliche, nein traurige Schweizer-Tierschutzgesetz, speziell bei Nutztieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen