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Schweiz «Wir laufen Gefahr, den Nutzen der Biodiversität zu verlieren»

Es ist Tag der Biodiversität und keiner beachtet ihn. Auch die Schweiz hat sich verpflichtet, die Artenvielfalt zu schützen. Doch die Realität sieht anders aus: In der Schweiz sind rund ein Drittel aller rund 50'0000 bekannten Arten vom Aussterben bedroht. Ist der Verlust noch aufzuhalten?

Legende: Video Bedrohte heimische Pflanzenwelt abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.05.2013.

Jeden Tag verschwinden auf der ganzen Welt 150 Tier- und Pflanzenarten. Mit einem Aktionstag weist die UNO jeweils am heutigen Datum, am 22. Mai, auf die Bedeutung der Biodiversität, hin. Der Reichtum an Tieren und Pflanzen müsse besser geschützt werden. Auch die Schweiz muss handeln.

«Der Raum ist in der Schweiz beschränkt. Biodiversität beruht darauf, dass wir etwa 240 verschiedene Lebensraumtypen in diesem Land haben», sagt Markus Fischer. Er ist Biologe an der Universität Bern. Die Schweiz habe für die verschiedenen Lebensraumtypen schlichtweg zu wenig Platz eingeräumt, sagt der Wissenschaftler.

Amphibien und Reptilien besonders gefährdet

Das ist aber nicht immer so gewesen. In den letzten 100 Jahren habe der Mensch die bis anhin natürliche Landschaft in eine Kulturlandschaft umgewandelt, sagt Fischer. Damals habe es sehr vielfältige Lebensräume für Organismen wie Pflanzen, Tiere, Pilze und Bakterien gegeben. «Im Zuge der Effizienzsteigerung und Mechanisierung der Land- und Forstwirtschaft ist die Lebensraumvielfalt zerstört worden.» Dadurch wurden Orte biologisch weniger attraktiv und die Vielfalt nahm ab.

Wissenschaftliche Studien besagen: Ein Drittel aller Arten ist vom Aussterben bedroht. Besonders augenfällig ist dies bei den Amphibien und Reptilien. «Die sind extrem gefährdet. Da sind sogar zwei Drittel der Arten vom Aussterben bedroht», erklärt der Biologe. Doch auch bei den Pflanzen macht sich der Verlust der biologischen Vielfalt bemerkbar. Im Rahmen von Studien habe man die Fundorte der bedrohten Pflanzenarten wieder besucht. «Nach 15 Jahren sind nicht einmal zwei Drittel der Pflanzenbestände übrig», sagt Biologe Fischer.

«Unsere Umwelt wird ärmer»

«Die Artenvielfalt hat einen grossen Nutzen. Wir laufen aber Gefahr, diesen Nutzen zu verlieren», warnt Fischer. Unsere Umwelt werde ärmer. Augenfällig werde dies beim Verlust an Pflanzenarten. «Im Prinzip ist jeder Punkt der Schweiz über die letzten Jahrzehnte weniger vielfältig geworden.» Der Verlust der Pflanzenarten hat wiederum einen Einfluss auf die Tiere, denen die Pflanzen als Nahrung dienen. Deren Futterangebot wird knapper. Die gleiche Entwicklung ist auch bei den im Boden lebenden Organismen zu beobachten.

Aus Sicht des Biologen befinden wir uns in einer Abwärtsspirale. Wie kann man den Verlust aufhalten oder gar stoppen? «Eine wichtige und unmittelbare Massnahme ist die Schaffung einer ökologischen Infrastruktur», sagt der Biologe. Es müsse genug Raum für die biologische Vielfalt vorhanden sein. Erfreut zeigt sich Fischer, dass die Schweizer Politik dies erkannt hat. «Die Strategie hat zum Ziel, die Biodiversität gegenüber Veränderungen reaktionsfähig zu halten.» Nach Ansicht des Wissenschaftlers ist dies ein sehr guter Schritt, um politische Massnahmen zu ergreifen.

Was heisst Biodiversität?

Darunter versteht man die biologische Vielfalt also den Reichtum an Tier- und Pflanzenarten – ihre genetische Vielfalt und auch die Funktionsfähigkeit ganzer Ökosysteme. Nach Angaben der UNO-Wissenschaftsorganistion Unesco sterben täglich schätzungsweise 150 Tier- und Pflanzenarten aus.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Ich bin kein Biologe. Doch schon der Bericht gestern zeigt mir (nebst meinem gesunden Menschenverstand), dass ein kontrollierter Wald ein schlechter Wald ist. Sprich: je mehr unsere Förster und Gärtner rumdoktern, desto mehr geht kaputt und verloren. Logo, die schreien jetzt auf. Aber zählt man 1+1 zusammen, ergibt das nun mal nicht 3! Der Kontrollwahn hört ja nicht bei uns Bürgern auf. Statt den Bären Wildschwein reissen zu lassen, roden die Jäger alles platt. Genau so die Förster. Finger weg!
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  • Kommentar von Gunnar Leinemann, Teuffenthal
    Wenn doch nur den Leuten endlich bewusst würde, dass der Schutz und Erhalt unserer Umwelt um so vieles wichtiger ist, als das dumme Hinterherrennen nach noch mehr Stutz. Dieses Bewusstsein scheint mir in der Schweiz trotz einiger erfreulicher Tendenzen immer noch sehr mangelhaft ausgeprägt. Vielleicht haben viele einfach das Gefühl, es gäbe hier ja in den Bergen noch viel Natur.. wer aber genauer hinschaut sieht, wie verarmt diese schon ist. Aber wer sieht schon genauer hin?
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Biodiversität hat eben auch damit zu tun, die kranke übertriebene Vermehrung des Menschen zu stoppen. Davon will Keiner hören, denn es wäre ja der eigene Sexualtrieb betroffen. Keine Regierung wagt sich daran, und nicht mal Volksinitiativen zur Begrenzung der Reproduktion sind vollzogen. Ecopop? Stattdessen ist weder Vernunft des Individuums, sich selbst zu begrenzen, die Leitlinie, sondern im Gegenteil, Masseneinwanderung, Konsum und Gewinne der Wirtschaft sind quantitative Ziele. ...
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