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Todesflug von Swissair 330 Wird der Absturz von Würenlingen neu aufgerollt?

Der Flugzeugabsturz von Würenlingen soll von der Bundesanwaltschaft neu untersucht werden. Das fordern Nationalräte und auch namhafte Experten. Letztes Jahr hatte ein FBI-Dokument ein neues Licht auf den Bombenanschlag von 1970 auf die Coronado der Swissair geworfen.

Legende: Video «Swissair 330, we have fire on board» abspielen. Laufzeit 5:34 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.09.2017.

Es ist der bislang grösste Terroranschlag in der Geschichte der Schweiz – das Bombenattentat auf eine Swissair-Maschine am 21. Februar 1970. Das Flugzeug vom Typ Convair CV-990 «Coronado» stürzte in den Wald beim aargauischen Würenlingen. Alle 47 Insassen kamen ums Leben. Noch immer sind verschiedene Hintergründe dieses Verbrechens ungeklärt.

Legende: Video Aus dem Archiv: Der Swissair-Absturz bei Würenlingen abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
Aus me_schonvergessen vom 24.05.2003.

«Ermittlungen werden wieder aufgenommen»

Der Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart hat sich wegen des Bombenattentats kürzlich mit Bundesanwalt Michael Lauber getroffen. Die Bundesanwaltschaft nehme die Sache sehr ernst, sagt Burkart im Gespräch mit «10vor10». «Es stellen sich noch verschiedene rechtliche Fragen. Ich gehe aber davon aus, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.»

Die Vorgeschichte:

  • Am 21. Februar 1970 explodierte im Frachtraum der Swissair-Maschine eine Bombe. Das Flugzeug stürzte bei Würenlingen (AG) mit 47 Passagieren und Crew-Mitgliedern ab.
  • Als Hauptverdächtige galten zwei Mitglieder einer palästinensischen Splittergruppe. Zu einem Prozess gegen die beiden ist es nie gekommen.
  • 1995 nahm die damalige Bundesanwältin Carla Del Ponte das Verfahren wieder auf und erklärte den Fall für unverjährbar. Das Verfahren wurde aber 2000 eingestellt.
  • 2016 wiesen «NZZ» und «Beobachter» auf einen FBI-Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster aus dem Jahr 1970 hin, der den Sachverhalt anders darstellte. So sollen zwei Westdeutsche an der Tat beteiligt gewesen sein, und die Paketbombe soll in Zürich und nicht in München aufgegeben worden sein.
  • Auf Betreiben von Arthur Schneider, dem früheren Gemeindeammann von Würenlingen, prüft die Bundesanwaltschaft nun, ob sie das Verfahren wieder eröffnet.

Schweizer Filmwochenschau vom 27.02.1970

Mit einer Wiederaufnahme des Verfahrens durch die Bundesanwaltschaft rechnet auch der Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann. Er ist wegen des neu aufgetauchten Berichts des FBI in der Fragestunde bereits beim Bundesrat vorstellig geworden: «So ein schweres Verbrechen verjährt nicht. Und wenn man neue Erkenntnisse hat – und das scheint hier der Fall zu sein – muss man das Verfahren wiederaufnehmen.»

Brisanter FBI-Bericht

Hintergrund der neuen Entwicklung ist ein Bericht der US-Bundespolizei FBI, Link öffnet in einem neuen Fenster, auf den vor einem Jahr die «NZZ» und der «Beobachter» hingewiesen hatten. Der Bericht entstand wenige Monate nach dem Attentat auf die Swissair-Maschine. Er stellt den Sachverhalt in einigen Punkten anders dar, als es die bisherigen Ermittlungen ergeben hatten.

So sollen zwei nicht identifizierte Westdeutsche am Attentat beteiligt gewesen sein. Zudem soll gemäss einer Quelle das Paket mit der Bombe in Zürich und nicht in München aufgegeben worden sein.

Experten fordern neue Untersuchung

Auch namhafte Experten halten es auf der Grundlage des FBI-Dokuments für angezeigt, dass die Bundesanwaltschaft den Fall nochmals aufrollt. Unter ihnen auch der bekannte amerikanische Sicherheits-Experte und ehemalige NSA-Mitarbeiter John R. Schindler:

«Der Fakt, dass das FBI glaubt, dass die Bombe in Zürich aufgegeben wurde, bedeutet, dass wir eine neue Untersuchung brauchen. Es ist eine Möglichkeit, die nicht ausgeschlossen werden kann», sagt Schindler.

Auch der Hamburger Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, der den Anschlag in einem Buch akribisch aufbereitet hat, befürwortet eine neue Untersuchung wegen verschiedener Aussagen im FBI-Bericht.

Fall in Bearbeitung

Die Bundesanwaltschaft (BA) schreibt auf Anfrage von SRF, dass bei ihr ein Ersuchen um Wiederaufnahme des Strafverfahrens Würenlingen eingegangen sei. «Dieses ist in Bearbeitung.» Die BA werde zu gegebener Zeit das Ergebnis ihrer Prüfung mitteilen. Weitergehend äussert sie sich derzeit nicht.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Verteilen wir das Geld den Armen. Nach mehr als 30 Jahren dürfte kaum ein vernünftiges Resultat feststellbar sein.. Leider sind die bösen, kriminellen Menschen nicht ausgestorben und Wissenschaftler füllen ihre Taschen.
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  • Kommentar von Felix Gerber (falke49)
    Die Untersuchung braucht nicht wieder aufgerollt zu werden, da die Strafverfolgung für alle möglichen Delikte spätestens im Jahr 2000 verjährt ist - auch wenn profilierungs-süchtige Politiker dies verlangen und der amtierende Bundesanwalt ihnen schon beim ersten Kontakt klaren Wein hätte einschenken können. Was resultieren kann, ist einzig - bei allem Respekt vor dem Aufklärungswunsch betroffener Hinterbliebener - die unnötige Verschleuderung von Steuergeldern.
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  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    " Goodbye everybody " die letzte Worte von Pilot haben mich richtig erschüttert. Wegen diese unschuldige Menschen sollen die Täter bekannt und bestraft werden.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Da wird das Risiko wohl zu gross sein, dass da die Machenschaften der Grünen Politiker Joschka Fischer (ehemaliger Aussenminister Deutschlands) und Otto Schily (Innenminister Deutschlands, als SPD) wieder zur Diskussion werden. Fischer (als vermummter Schläger fotografiert) war Sympathisant der Palästinensischen Terrororganisation PLO, nahm sogar an deren Treffen teil. Die PLO entführte 1977 die "Landshut", um RAF-Terroristen (vertreten von Rechtsanwalt Otto Schily) freizupressen.
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