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Schweiz Wo sind die lebensrettenden Defibrillatoren?

Jeden Tag erleiden in der Schweiz 22 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. In dieser Situation kann ein Defibrillator Leben retten. Seit einigen Jahren wächst die Zahl dieser Geräte an öffentlichen Orten und in Büros. Doch niemand weiss genau, wo sie sich befinden.

Ein Mann verabreicht einer Puppe eine Herzmassage; daneben steht ein Defibrillator.
Legende: Im Notfall bleiben drei bis zehn Minuten, um den Defibrillator einzusetzen. Keystone

Nationalrätin Bea Heim hat vor zehn Jahren im Bundeshaus einen Herzstillstand erlitten. Ein kundiger Kollege war zugegen und ein Defibrillator in Griffnähe. Heim überlebte.

Es geht um Sekunden

Kurz darauf regte sie an, überall dort Defibrillatoren zu montieren, wo viele Menschen ein- und ausgehen. «Wenn jemand einen Herzstillstand hat, geht es um jede Sekunde.» Da müsse man rasch handeln können. «Das setzt voraus, dass man weiss, dass es Defibrillatoren gibt und wo es sie gibt.»

Zwar habe die Zahl der Defibrillatoren in der Schweiz zugenommen, anerkennt Heim. Doch sie gibt zu bedenken, dass eine Logik fehle, wo die Geräte zu finden seien. Einen Defibrillator sollte es in jedem Bahnhof, in jeder Apotheke, in allen Arztpraxen, in den grossen Einkaufszentren, Sportstadien und Bürogebäuden geben.

Nicht alle Standorte bekannt

Wo es überall Defibrillatoren gibt, weiss niemand. Bei der Notruf-Nummer 144 kennt man zwar gewisse Standorte, aber längst nicht alle, wie Martin Gappisch vom Interverband für Rettungswesen sagt. «Wir müssen an die Eigenverantwortung der Bevölkerung, der Geschäfte und der Firmen appellieren, uns die Defibrillatoren zu melden.»

Vereinzelt gibt es Kantone mit Standortlisten, und es gibt eine App eines privaten Anbieters. Aber vollständig sind auch sie nicht. Trotzdem fordern weder Gappisch noch Heim eine Meldepflicht oder ein Register mit allen Defibrillatoren. Sie wünschen sich aber, dass die Menschen in der Schweiz noch besser sensibilisiert und geschult würden.

Vergleichsweise tiefe Überlebenschance

Heim blickt dabei auf das europäische Vorbild Dänemark. «In der Schweiz haben wir im Vergleich eine relativ tiefe Überlebenschance für Menschen mit Herzkrisen. Wir könnten uns massiv verbessern.» Laut der Schweizerischen Herzstiftung kommt für neun von zehn Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand ausserhalb des Spitals die Hilfe zu spät.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    @Hanspeter Müller, zahlreiche Patientengruppen tragen Ausweise auf sich, die bei Notfalleinsätzen berücksichtigt werden müssen. Es erfolgt also tatsächlich immer zuerst der Griff in die Jackentasche. Als Beispiel Träger von Herzschrittmachern. Die dürfen nur von Fachpersonal reanimiert werden, ansonsten durch den Stromschlag das implantierte Gerät zerstört oder zur Fehlfunktion gebracht wird, mit terminalen Folgen für den Patienten.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Starnberger: Meinen Sie, wenn das Gerät von einem Profi bedient wird mache es etwas anderes? Das Geheimnis der Geräte ist, dass sie die Herzstromkurve und damit auch ein Schrittmachersignal messen und auswerten bevor sie defibrillieren. Sie brauchen also keinen Ausweis zu suchen und das würde ein Profi auch nicht machen. Kommt dazu, dass wenn man Sie reanimieren muss und Sie einen Schrittmacher haben hat der eh nicht funktioniert. Also keine Angst, Sie können nichts falsch machen.
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    2. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Herr Müller, dann bin ich ja beruhigt wenn die Geräte vorher das Signal messen. Kosten ja auch fast 3000 Franken die Dinger. Allerdings, der Defibrillator bekämpft das Kammerflimmern bzw. Tachykardie, wie sein Name schon sagt. Mit einem stillstehenden Herzen hat das gar nichts zu tun, und das Problem tritt auch bei Patienten mit funktionierendem Herzschrittmacher auf. Der HSM allein kann ein Kammerflimmen nicht verhindern, der gibt da munter weiter den Takt vor.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Herr Starnberger, nur halb richtig. Wenn das Herz neben dem funktionierenden Schrittmacher fröhlich flimmert oder flattert werden Sie mit dem Defi wahrscheinlich nicht besonders erfolgreich sein. Und wenn doch werden Sie die Wahl haben zwischen einem geschmorten Schrittmacher und einem Toten egal welche Ausbildung Sie haben.
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  • Kommentar von Benjamin Liechti (BL)
    Im Kanton Bern sind fast alle AED registriert und können unter www.firstresponder.be gesucht werden.
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    1. Antwort von M. Marti (M.M.)
      Genau, das ist Teil des Problems, wieder so ein Kantönli-Denken. Und ausserhalb des Kantons Bern verliert sich die Spur dann wieder. Die Schweiz ist so klein, reisst euch mal zusammen Politiker und Administration und denkt schweizerisch.
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    2. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Mal abgesehen davon dass ich Internetzugang haben muss, sollte ich dann in der Krisensituation auch noch die Webadresse kennen ? Im übrigen stehen da handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter, der Hersteller der besagten Geräte macht auch Werbespots im Fernsehen.
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  • Kommentar von Urs Graf (U.Graf)
    Noch NIE habe ich all die Jahre von jemandem gehört, so ein Defibrillator gebraucht zu haben. Trotzdem könnte man meinen, jeder müsse so einen haben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass da Unmengen an Geld für ein Hype ausgegeben werden. Tolles Business..
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    1. Antwort von Fritz Frei (Fritz Frei)
      Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie bald einen brauchen! So was von Egozentrik ist mir selten begegnet.
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    2. Antwort von Urs Graf (U.Graf)
      Egozentrik? Einfach weil man das Business dahinter in Frage stellt? Was hat das mit Egozentrik zu tun? Schwachsinn.. und danke für den freundlichen Wunsch
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    3. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Fritz Frei, dann müssen Sie schleunigst in die Schweiz zurückkommen. In Burinam hat es bestimmt keinen. Wir haben nach den USA das zweitteuerste Gesundheitswesen der Welt und viele können die Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlen. Jedes System hat seine Grenzen.
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