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Das schwierige Heimleben während der Pandemie
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 11.02.2021.
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Wohngruppen in der Pandemie «Die Umsetzung der Covid-Massnahmen funktioniert praktisch nicht»

Die Pandemie belastet Menschen mit einer geistigen Behinderung und deren Betreuerinnen sehr. Ein Beispiel aus dem Kanton Aargau.

Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen: Die Verhaltensregeln gegen die Coronapandemie sind bekannt und eigentlich auch einfach – wenn man sie versteht. Gerade das sei aber eine grosse Herausforderung für Menschen mit einer geistigen Behinderung, sagt Werner Sprenger, Direktor der Stiftung Schürmatt, die im aargauischen Zetzwil ein Heim betreibt.

Die Wenigsten akzeptieren die Maske, sie ziehen sie immer wieder aus.
Autor: Werner SprengerDirektor der Stiftung Schürmatt

60 Erwachsene mit einer kognitiven Beeinträchtigung leben dort. Die Verhaltensregeln könne man nicht wirklich umsetzen, sagt Sprenger: «Die Wenigsten akzeptieren die Maske, sie ziehen sie immer wieder aus. Distanz einhalten funktioniert auch nicht und wir können die Menschen auch nicht einfach auf ihre Zimmer beordern.»

Weiss Gebäude in L-Form hinter Acker.
Legende: Im Wohnheim der Stiftung Schürmatt in Zetzwil (AG) halfen nach einem grossen Covid-Ausbruch Zivilschützer aus. zvg/Stiftung Schürmatt

Ausserdem nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner laut Sprenger oft die Hände in den Mund und greifen nach Gegenständen, was dazu führe, dass sich die Viren gut verteilten. Die Stiftung Schürmatt mit ihrem Wohnheim in Zetzwil war also gefordert. Es stellte sich die Frage: Wie kann eine Verbreitung des Virus verhindert werden, wenn die Verhaltensregeln nicht funktionieren?

Das ist jetzt ein hoher Verlust der Lebensqualität.
Autor: Werner SprengerDirektor der Stiftung Schürmatt

Die Stiftung Schürmatt entschied, die verschiedenen Gruppen des Wohnheims strikt voneinander fernzuhalten, Aktivitäten zurückzufahren und allgemein den Betrieb zu isolieren. Es sei eine harte Massnahme für die Bewohnerinnen und Bewohner, bedauert der Direktor: «Unsere Leute gehen gerne zu anderen Leuten oder in den Wald. Das ist jetzt ein hoher Verlust der Lebensqualität.»

Und dann kam der grosse Covid-Ausbruch

Viele Monate lang ging diese Strategie auf, nur vereinzelt infizierten sich Bewohnerinnen und Betreuer. Dann aber veränderte sich die Situation Ende Januar schlagartig. Die Fallzahlen schossen plötzlich in die Höhe, fast die Hälfte der Bewohner wurden positiv auf Covid getestet. Mehrere mussten in ein Spital verlegt werden, eine Person verstarb. Hinzu kam, dass sich auch viele Angestellte des Wohnheims ansteckten.

«Das war wirklich ein Notfall», sagt Werner Sprenger. Zivilschützer halfen schliesslich dem Wohnheim aus seiner misslichen Lage. Inzwischen ist der Corona-Ausbruch unter Kontrolle. In Zetzwil hofft man, dass bald mehr Impfstoff zur Verfügung steht; gehören doch viele Menschen mit einer Behinderung zur Risikogruppe.

Das sagt der nationale Verband

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Das sagt der nationale Verband

In der Schweiz gibt es zwischen 25'000 und 28'000 Wohnplätze für Menschen mit einer Behinderung, schätzt INSOS, der nationale Branchenverband der Dienstleistungsanbieter für Menschen mit Behinderung. Zahlen über Ansteckungen mit Covid, Hospitalisierungen und Todesfälle in Wohnheimen hat INSOS nicht.

Tschoff Löw, Leiter Politik und Kommunikation, schätzt auf Anfrage von SRF, dass die Zahlen im Vergleich mit Alters- und Pflegheimen viel tiefer sein dürften. Von einzelnen Ausbrüchen in Institutionen habe man aber Kenntnis.

Wichtig ist laut Löw, dass die Informationen bezüglich der Schutzmassnahmen spezifisch und detailliert aufbereitet würden, dass beispielsweise mit leichter Sprache oder Videos Sachverhalte erklärt würden. «Denn was nachvollziehbar und verständlich ist, das stösst ganz allgemein auf eine bessere Akzeptanz.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 11.02.2021, 17.30 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Hugo Bazin  (pstcnowwd)
    Dieser Bericht ist kompletter Unsinn. Ich wohne mit einem geistig behindertes Kind der in einer Spezialschule geht und alle dort machen ihr bestes und tragen Masken, halten Abstand und passen gut auf! Diese Kinder machen es sogar besser als die meisten 'normalen' Kinder der Primarschulen. Ich verstehe es sei Mühsam, aber wenn behinderte Kinder können, sollten die Mitarbeiter dieses Heims es auch schaffen können, die dort lebenden zu helfen, Massnahmen zu respektieren!
    1. Antwort von Lea Bohnenblust  (Lebo)
      Auch ich arbeite mit beeinträchtigten erwachsenen Menschen und ich finde es nicht richtig zu sagen, es sei kompletter Unsinn sonpauschal. Es hängt stark mit der Art der Beeinträchtigung zusammen. Dort wo ich arbeite, können ein Grossteil der Bewohner die Massnahmen nicht verstehen und umsetzen. Vielleicht arbeiten sie mit leicht beeinträchtigten Kindern, auch kognitiv.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Das sind auch Risikogruppen und sollten geimpft werden, dann ist das Problem gelöst!
    1. Antwort von Joel Aschwanden  (Schwandi)
      Guter Punkt. Risikogruppen sind nicht nur Menschen, die vom Virus stark betroffen sind. Leute, die sich physisch nicht gut selber mit Masken/Abstand schützen können sollten ebenfalls früher als die breite Bevölkerung geimpft werden.
    2. Antwort von Margrit Naef  (Margrit Naef)
      @Heusser, .......dann ist das Problem gelöst. Wenn es so einfach wäre! Haben Sie Erfahrung, wohl kaum?
  • Kommentar von Sabine Deschler-Erb  (Deschler-Erb)
    Endlich wird dieser Aspekt der Pandemie in den Medien thematisiert! Auch das Leben der Menschen mit Behinderung hat sich im letzten Jahr komplett verändert. Dies scheint aber weder die Öffentlichkeit noch manche Behörden sehr zu interessieren. Als Schwester eines Betroffenen spreche ich aus leidiger Erfahrung.
    1. Antwort von Roman Dosch  (rd)
      Bin mit Ihnen einverstanden, dass diese Aspekte schon früher hätte thematisiert werden sollen. Die Schlussfolgerung aus dem Bericht ist meiner Meinung aber ein Folgender: Wir nicht Risiko behafteten Menschen hätten noch mehr Solidarität zeigen sollen, STATTDESSEN quängeln viele wie kleine Kinder, wollen z.B, auf Teufel komm raus einfach ihr Ego durchsetzen (siehe Restaurantöffnung, sich nicht an Regeln halten etc.)
    2. Antwort von Hugo Bazin  (pstcnowwd)
      @Roman Dosch Genau! Und zusätzlich habe ich einen jüngeren behinderten Bruder, der in einer Spezialschule geht, die schon vor alle andere Schulen eine Maskenpflicht einsezte und Regeln erfasste und alle diese Schüler (von 5-19 Jahre) halten sich so gut wie möglich an den Regeln mit Hilfe der Mitarbeiter und des Lehrpersonals! Eine wunderbare Leistung, vor der alle 'normale' Schweizer*innen sich schämen sollten, wenn sie sich nicht an diesen Regeln halten gehabt haben können.
    3. Antwort von Margrit Naef  (Margrit Naef)
      Ja, Frau Deschler, genau so ist es. Wir sind Eltern eines Sohnes mit kognitiver Behinderung. Der Alltag in den Heimen hat sich komplett verändert. Die Mitarbeiter sind nur noch in Masken unterwegs, obwohl es ja eine grosse Familie sein soll. Die Mahlzeiten werden nicht mehr gemeinsam eingenommen. Abstand halten, keine Berührungen (davon bräuchten diese Menschen besonders viel), keine Ausflüge, kein Spaziergang ins Dorf und vieles mehr. Die Bewohner können das ganze nicht einordnen. Traurig.