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Schweiz Zahl Asylsuchender steigt: Mehr Zuweisung an Kantone

Mehr und mehr Asylsuchende suchen hierzulande Zuflucht. Die nationalen Aufnahme- und Verfahrenszentren können den Zustrom kaum noch bewältigen. Der Bund sieht sich gezwungen, die Zuweisung an die Kantone zu erhöhen. Zudem soll die Prognose für die Asylgesuche im Sommer überprüft werden.

Asylsuchende in einem Aufenthaltsraum
Legende: Auch das Zentrum in Chiasso stösst an seine Kapazitätsgrenzen. Keystone

Der Bund weist den Kantonen mehr Asylsuchende zu. Grund: In den letzten Wochen ist die Zahl der Eintritte in die nationalen Aufnahme- und Verfahrenszentren markant gestiegen - teilweise auf über 700 Personen pro Woche. Grund ist der enorme Migrationsdruck.

Geplante Unterkünfte aktivieren

Als Reaktion darauf hat der Bund zwar Zivilschutzanlagen bei Chiasso und in Kreuzlingen und ein temporäres Bundeszentrum in Menzingen ZG eröffnet. «Aber wir kommen nicht mehr umhin, die Zuweisung zu erhöhen», sagt der Direktor des Staatssekretariats für Migration (SEM) Mario Gattiker.

Gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» und «Le Temps» erklärte er, dass die Kantone nun geplante Unterkünfte aktivieren müssen.

Überprüfung der Prognose Ende Sommer

Für das Jahr 2015 hält das SEM an der Prognose von 29'000 Asylgesuchen fest, auch wenn diese Zahl Schwankungen unterworfen sei. «Wir werden Ende Sommer unsere bisherige Prognose überprüfen», sagte Gattiker.

Gattiker
Legende: Mario Gattiker: Prognose für 2015 wird im Sommer überprüft. Keystone

Der Bund will den Asylbereich neu strukturieren und damit Asylverfahren künftig rascher und mehrheitlich in Zentren des Bundes durchzuführen. Dafür sollen in schweizweit sechs Regionen insgesamt 5000 Plätze für Asylsuchende in Bundeszentren entstehen. Dies reiche für bis zu 30'000 Asylgesuche pro Jahr, weil kürzere Verfahren auch kürzere Aufenthalte in Asylzentren bedeuten würden, sagte Gattiker.

Das Asylsystem steht nun im Dienste derjenigen, für die es gedacht ist
Autor: Mario GattikerDirektor des Staatssekretariats für Migration (SEM)

Die Attraktivität der Schweiz als Asylland sei in den letzten Jahren nicht gestiegen, hält er fest. «Der Schweizer Anteil am Total aller Asylgesuche in Europa ist heute so tief wie noch nie in den letzten 15 Jahren.»

Dagegen ist die Schutzquote, also positive Asylentscheide oder vorläufige Aufnahmen, höhere als in den meisten Ländern. Das sei ein «positives Zeichen», betont Gattiker. Es würden weniger unbegründete Gesuche gestellt. «Das Asylsystem steht nun im Dienste derjenigen, für die es gedacht ist.»

Reformbedarf ortet der SEM-Direktor dagegen bei der vorläufigen Aufnahme. So sei dieser Status in der Vergangenheit oft vergeben worden, etwa weil Verfahren zu lange dauerten. «Das werden wir mit den rascheren Verfahren im Rahmen der Neustrukturierung korrigieren.»

«Gegen Berufsausbildung»

Gattiker sprach sich zudem grundsätzlich gegen Berufsausbildungen im Asylverfahren aus. «Eine generelle Regelung dieser Frage ist nicht sinnvoll.» Es sei individuell zu prüfen, ob ein Härtefall vorliege.

Dagegen begrüsste er die jüngsten Pläne der EU-Kommission zur Umsiedlung von Flüchtlingen. Es seien «erste Schritte hin zu einer längerfristigen Entwicklung, die in unserem Sinne ist», so Gattiker.

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121 Kommentare

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  • Kommentar von u. demmler, bern
    ca. 50'000 heimatberechtigte Truber gibt es weltweit, aber nur 700 von ihnen wohnen auch in Trub. Tausende Emmentaler verliessen im 18. und 19.Jahrhundert ihre Heimat. da gabs doch mal die grosse Hungersnot? da gabs doch mal die Verfolgung der täufer (religiöse Verfolgung)? und trub ist nur ein kleiner klecks auf unserer Erdkugel! niemand hat eine lösung fürs elend heute, aber bitte denkt doch mal etwas human und nicht so selbstgerecht! das wünsche ich mir :-)
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Man kann einen Flüchtlingsstrom lenken und damit in gewissem Masse steuern. Aufhalten kann man ihn nicht. Jeder der etwas anderes behauptet ist ein naiver Dummschwätzer. Es ist ein natürlicher Ausgleichsprozess. Irgendwann wird der zunehmende Flüchtlingsstrom den Lebensstandard in Europa merklich senken - Und dann wird er aufhören. Das einzige was wir tun können? Proaktiv dem Armutsgefälle entgegenwirken und versuchen den zu uns Kommenden unsere Kultur schmackhaft zu machen.
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  • Kommentar von S. Brun, Bern
    Herr Nanni, die meisten von denen verschwinden ins Ausland, tauchen irgendwo ab. Europa ist gross. Die Ostgrenze des Schengen -Raums ist einfacher zu schützen als die Südgrenze. Man müsste bei den Schlepperbanden ansetzen, aber das ist nicht so einfach, weil der Wille dazu in den nordafrikanischen Staaten fehlt.Vielleicht sind die auch einfach nur froh, dank den Schleppern ihre eigenen illegalen Einwanderer aus südlicheren Ländern loszuwerden.Die haben doch kein Interesse daran, die zu behalten!
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