Zum Inhalt springen

Schweiz Zahl der Ausgesteuerten steigt

Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz hat letztes Jahr zugenommen – mit 3,7 Prozent im Dezember stieg sie gar auf den höchsten Wert seit April 2010. Doch das ist nicht alles. Zugenommen hat auch die Zahl der Ausgesteuerten, und zwar deutlich.

Mann vor Computer-Bildschirm
Legende: Kaum Chancen am Arbeitsmarkt: Die Zahl der Ausgesteuerten nimmt weiter zu. Keystone

Wer arbeitslos ist, hat Anrecht auf eine Unterstützung durch die Arbeitslosenversicherung. Aber höchstens zwei Jahre lang, danach werden die Arbeitslosen ausgesteuert.

Das sind oftmals Frauen, Ältere und wenig Qualifizierte. Also Menschen, deren Stellen in den letzten Jahren wegrationalisiert wurden.

Risiko steigt

Marianne Hochuli vom Hilfswerk Caritas warnt vor dieser Entwicklung. Für viele der ausgesteuerten Personen steige das Risiko, auf Sozialhilfe angewiesen zu sein: «Entweder sind sie ganz in der Sozialhilfe oder sie sind sogenannte Working Poor. Das heisst, sie arbeiten zwar, aber das Einkommen reicht ihnen nicht.» Weil sie, wenn überhaupt, nur prekäre Arbeit finden – schlecht bezahlte Aushilfsstellen, Temporärjobs, Arbeit auf Abruf.

Im Jahr 2014 wurden 36‘000 Menschen aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert. Das waren deutlich mehr als im Schnitt der letzten 20 Jahre.

Mit dem Inkrafttreten der vierten Revision der Arbeitslosenversicherung 2011 stieg die Zahl der Ausgesteuerten sprunghaft an, da sich die Bezugsdauer der Arbeitslosenentschädigungen verkürzte. Nach einer Normalisierung der Austritte 2012 nimmt die Menge der Ausgesteuerten wieder kontinuierlich zu.

Im letzten Jahr dürfte es nochmals mehr Menschen getroffen haben. Die bis jetzt vorliegenden Zahlen bis Ende Oktober zeigen, dass Monat für Monat fast 3200 Personen ausgesteuert werden. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dann wären es fürs ganze Jahr rund 38‘000 Ausgesteuerte.

Vorbeugen durch Weiterbildung

Doch dieser Entwicklung könne man etwas entgegensetzen, sagt Hochuli: «Ganz wichtig ist schon mal vorbeugen. Das heisst, man müsste die Mitarbeitenden auch permanent weiterbilden, so dass sie auch auf dem sich verändernden Arbeitsmarkt mithalten können.»

Und für Langzeitarbeitslose und Ausgesteuerte brauche es zusätzliche Angebote, um Berufsbildungen nachzuholen. Nur so könnten diese Menschen ihre Lebenssituation verbessern und der drohenden Armutsspirale entkommen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

40 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Es ist eine Tatsache, dass weltweit die Bevölkerung steigt, die Anzahl Arbeitsplätze aber abnimmt. Falls nicht sofort eine massive Umverteilung von oben nach unten stattfindet, überlebt unser heutiges System keine zwei Stürme mehr. Die Umverteilung liegt aber nicht in der Natur des Menschen; gegen den betörenden Anblick von grossen Positivsaldi auf Bankauszügen und Erfolgsrechnungen vermag die Vernunft nicht anzukommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Jedes System hat seine Zeit - die Zeit des Wachstums bei gleichzeitiger Wohlfahrt ist abgelaufen. Was jetzt noch geschieht sind das letzte Auspressen einer supersauren Zitrone und das Schaffen von neuen Abhängigkeiten. Es wären neue Denkansätze und eine Reduktion der eigenen Ansprüche gefragt. Ersteres werden auch soziale Unruhen nicht bewirken, letzteres wird der Kollaps der Systeme erzwingen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Da kann gesehen werden wie fortschrittlich unsere eigenen Leute geschult werden, der Selbstbedienungsladen im Ausland ( Rosinenpicken - wie uns immer vorgeworfen wird ) muss beendet werden. Es kommt natürlich billiger für die Herren Manager - (keine Patrons und Unternehmer mehr ! ) man nehme sich aus dem Ausland- Lager was gerade brauchbar und günstig ist, die CH- Arbeitslosen bezahlt dan so oder so wieder der Büezer und die Gewinne verschwinden in einer Briefkastenfirma oder sonst im Ausland.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen