Zum Inhalt springen

Header

Video
Hunde beissen öfter zu
Aus 10 vor 10 vom 12.10.2020.
abspielen
Inhalt

Zahlen der Kantone Hundebisse in der Schweiz seit 2016 stark angestiegen

Seit Hundehalter keine Kurse mehr besuchen müssen, gibt es mehr Hundebisse. Besteht da ein Zusammenhang?

Denise Lehmann wird die Narben an ihrem Arm nicht mehr los. Vor einem Jahr wurde die 37-Jährige vom Hund einer Kollegin attackiert, auf den sie ab und zu aufpasste. Ein Angriff, der auch schlimmer hätte ausgehen können. «Mein Arzt sagte mir, fünf Minuten länger und ich hätte nicht überlebt. Die Verletzung an meinem Oberarm war sehr stark.»

Der Angriff beschäftigt Denise Lehmann noch immer stark. Sie hat Schmerzen, die von Taubheitsgefühlen begleitet werden. «Es gibt Tage, da spüre ich gar nichts, da auch die Nervenbahnen verletzt wurden.»

Gefahr der sozialen Isolation

Präsent ist das Ereignis auch stark bei Denise Lehmanns 5-jähriger Nichte. Sie wurde vom Hund ebenfalls angegriffen und verletzt. Beide nehmen heute die Hilfe von Hundeangst-Coach Oliver Weber in Anspruch.

Opfer von Hundebissen gehen teilweise nicht mehr einkaufen – weil es Hunde vor dem Einkaufszentrum hat.
Autor: Oliver WeberHundeangst-Coach

Eine solche Attacke und die damit verbundene Angst vor Hunden, könne bei Betroffenen sehr grosse Folgen haben, sagt Weber. «Sie gehen teilweise nicht mehr einkaufen – weil es Hunde vor dem Einkaufszentrum hat. Oder sie machen keinen Sport mehr, weil es draussen Hunde hat.» Das könne in die soziale Isolation führen, sagt Weber.

19 Prozent mehr Vorfälle mit Hunden seit 2016

Denise Lehmann und ihre Nichte sind nur zwei von vielen Hundebiss-Opfern im vergangenen Jahr in der Schweiz. Eine Umfrage von SRF bei allen Kantonen zeigt, dass es im letzten Jahr schweizweit zu mehr als 7000 Vorfällen mit Hunden kam. Das sind 19 Prozent mehr als noch 2016.

Rund die Hälfte der Kantone unterscheidet in der Statistik zwischen Bissen an anderen Hunden und an Menschen. Auch bei den Menschen als Opfer zeigt sich mit 18 Prozent eine ähnliche Zunahme. Der Bestand der Hunde stieg jedoch nur um 4 Prozent seit 2016 – dem letzten Jahr, in dem noch ein nationales Kurs-Obligatorium für Hundehalterinnen und Hundehalter bestand.

Wie sinnvoll wäre eine Kurspflicht?

Zur Abschaffung des Kurs-Obligatoriums führte eine Motion des Zürcher Ständerats Ruedi Noser (FDP). Er denkt nicht, dass die Aufhebung der nationalen Kurspflicht zur grösseren Anzahl Hundebisse geführt hat. Er sieht als Grund dafür unter anderem, dass es mehr Hunde und eine höhere Sensibilität für entsprechende Meldungen gebe. «Ich bin dafür, dass die Kantone und Gemeinden das selbst regeln», sagt Noser.

Der Kanton Zürich hielt zum Beispiel am Hundekurs-Obligatorium fest. Die Kantonstierärztin Regula Vogel findet die Kurse sinnvoll. Sie möchte das Obligatorium erweitern und vereinfachen. Derzeit gilt es nur für grosse und massige Hunde. «Damit es nicht zu Vorfällen kommt, ist es wesentlich, dass die Hundehalter wissen, wie der Hund in einer bestimmten Situation zu führen ist», sagt Vogel. Dieses Wissen werde in den Kursen vermittelt.

Die Anzahl an gemeldeten Vorfällen ging im Kanton Zürich in den letzten drei Jahren leicht zurück. Anders im Kanton Thurgau: Hier stieg sie stark an – trotz ähnlichem Kursobligatorium. Dennoch findet auch die Kynologische Gesellschaft der Schweiz, dass eine Kurspflicht für Neuhalter Sinn ergebe. «Hundebisse können damit zu tun haben, dass sich Leute unüberlegt im Internet einen Hund anschaffen», sagt ihr Präsident Hansueli Beer. Diese Hunde könnten schlecht sozialisiert sein. Gerade für die Halterinnen und Halter solcher Hunde wäre ein Kurs aus Sicht von Beer sinnvoll.

10vor10, 12.10.2020, 21:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

88 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Pia Rothacher  (rot)
    Ein "vernünftiges Miteinander" wäre problemlos möglich, wenn jeder sein Verhalten etwas anpasst. Der Jogger (bin ich auch) sein Tempo drosselt und auf eine Seite ausweicht, der Hundebesitzer (war ich früher) sofort abruft und den Hund kurz bei sich behält. Aber schon daran scheitert es oft, weil viele einfach kein Abrufen beherschen. (Oder, statt sich auf den Hund konzentrieren aufs Handy starren.) Ein Dankeschön, wenns geklappt hat, ist auch ok.Bei uns im Wald gibts viele gute Hündeler. Merci
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Ich bin genau ihrer Meinung. Wenn man einen Hund hat, der eher schlecht auf Kommandos reagiert, ist es ein gutes Hilfsmittel ihn abzulenken bei kritischen Momenten. Das bedingt natürlich dass man seine Aufmerksamkeit beim Spazieren dem Hund widmet und nicht dem Smartphone. Meine Hündin folgt sehr gut ohne und mit Leine. Aber auch nur weil ich mit ihr trainierte. Aber am glücklichsten ist Sie wenn Sie beschäftigt ist, z.B. mit dem Tragen eines Spielzeug.
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Ich würde nur einmal gebissen. Es war der Hund vom Kursleiter eine Hundeschule. Bin aber weiterhin begeisterte Hundebesitzer. Habe aber teilweise Mühe mit Hunde Kursleiter und ihre Hundehaltung.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Das Sie Mühe haben mit Kursleitern ist bei ihrer Vorgeschichte verständlich. Der Grund warum die Kurse damals schon umstritten waren ist dass man viel zu schnell Kursleiter/in werden konnte und nur über ein beschränktes Wissen verfügte. Ich landete gottlob bei einer seriösen Kursleiterin.
  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Ich musste noch Praxis u. Theorie machen, weil nie Hund auf meinen Namen lief. Was sah ich in Praxis (jeder Hund/ Welpe musste den machen): vom Hundesportler (Europameister Schafe treiben) bis zum völlig überforderten Border Collie Besitzer. Dieser Kurs verhinderte keine Attacken. Besitzer, die Hund nicht im Griff haben o. IHN VERNACHLÄSSIGEN, werden das auch weiterhin nicht. Frage: Sind Bisse u.a. an Katzen auch in Bissstatistik? Wie änderte sich Meldeverhalten? Existiert Meldepflicht?
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Natürlich verhindern Kurse keine Attacken, aber Sie sind wichtig um einem Hundebesitzer in Erinnerung zu rufen was seine Pflichten sind und wie man mit seinem Hund umgehen sollte. Ich war selbst einmal Teilnehmer und fand es eine willkommene Bereicherung. Aber Sie haben recht wenn ein Besitzer an einem Kurs nicht gewillt ist dazuzulernen bringt auch ein Kurs keine Verbesserung.